Hund anspringen abgewöhnen? | 11 Tipps & Methoden

Deine Fellnase springt dich und andere Menschen freudig bellend an? Eine solch überschwängliche Geste mag nicht jeder und du solltest als Hundehalter in der Lage sein, deinem Hund dieses Verhalten abgewöhnen zu können. Wie das genau geht? Das verraten wir in diesem Artikel.

Anspringen
Artikel Übersicht

Warum dein Hund dich anspringt

1. Sozialkontakte begrüßen

Dieses Verhalten lässt sich bereits bei Welpen beobachten: Die Kleinen springen an ihrer Mutter hoch und lecken an ihren Lefzen. Daraufhin würgt sie Futter für ihre Jungen nach oben. Daraus entwickelt sich später ein Begrüßungsritual zwischen Hunden: Erwachsene Hunde nutzen diese Geste zur Begrüßung.

Uns Menschen möchten sie am liebsten ebenso auf diese Weise „Hallo“ sagen. Allerdings sind unsere Gesichter für sie zu weit weg. Darum springt dein Liebling an dir hoch, um deine Mundwinkel zu erreichen.

2. Grenzen austesten

Junghunde und besonders eigenwillige Charaktere testen kontinuierlich ihre Grenzen aus. Das Spielzeug nicht zurückbringen, den Menschen an der Leine in die gewünschte Richtung zerren und auch unaufgefordertes Raufen inklusive Anspringen gehören zu diesen typischen Verhaltensmustern.

Viele Hunde testen ihre Menschen, um zu sehen, ob sie ihnen auf der Nase herumtanzen können. Bei dieser Art von Grenzüberschreitung zeigt der Hund ein selbst belohnendes Verhalten: 

Je mehr er die Rangelei provoziert, desto mehr Aufmerksamkeit wird ihm geschenkt – das Wegstoßen beim Anspringen empfindet er als Interaktion und Einladung, weiter zu provozieren

3. Zeichen von Nervosität oder Übersprungshandlung

Das sind quasi Kurzschluss-Reaktionen von Hunden in einem enormen Stresszustand, aus dem sie sich nicht befreien können und deshalb eine augenscheinlich unsinnige Handlung ausführen. Durch eine Konfliktsituation im Instinkverhalten hervorgerufen, führt der Hund eine Verhaltensweise aus, die aus einem der Situation nicht entsprechenden Funktionskreis kommt. 

Das Anspringen als Übersprungshandlung erkennt man an einem extrem hohen Energielevel: Der Hund springt hektisch auf und ab, womöglich jault und klammert er zusätzlich. Dies ist ein Zeichen, dass er mit einer neuen Situation (Besuch kommt und „stört“ die bisherige Harmonie) nicht klarkommt und aus Überforderung beginnt, zu springen.

Welpen das Anspringen abgewöhnen

Es spricht nichts dagegen, dass sich dein Welpe freut, dich zu sehen. Aber das ist auch auf andere Weise möglich. 

Du möchtest ihm dieses Verhalten abgewöhnen? Dann beginne am besten so früh wie möglich mit dem Training.

Im Welpenalter bringst du ihm schnell andere Begrüßungsmethoden bei.

So gehst du dabei vor:

  1. Reagiere nicht auf das Hochspringen deines jungen Hundes, weder positiv noch negativ. 
  2. Schau deinen kleinen Vierbeiner nicht an und schenke ihm keinerlei Aufmerksamkeit.
  3. Dreh dich von deinem Welpen weg oder mach ein paar Schritte zurück.

Dadurch merkt dein Hund, dass sein Verhalten nicht belohnt wird. Wenn du ihn ignorierst, wird er auf andere Weise versuchen, deine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Begrüße deinen Welpen erst dann, wenn er mit allen vier Pfötchen auf der Erde bleibt. Wenn er sich ruhig vor dich hinsetzt oder hinlegt, gibt es ein Leckerchen.

Dein Hund springt sofort wieder an dir hoch? Geh ein paar Schritte weg nicht zurück. Das Rückwärtslaufen kann als locken empfunden werden. Ignoriere ihn erneut. 

Steht er wieder fest auf dem Boden, bekommt er deine Aufmerksamkeit zurück. Welpen lernen schnell. Dein Hund wird im Nu begreifen, wie er sich verhalten muss, um deine Zuwendung zu bekommen.

Älteren Hunden das Anspringen abgewöhnen

Vielleicht hast du einen älteren Hund aus dem Tierheim adoptiert, der dich begeistert zur Begrüßung anspringt. Keine Sorge: Auch das Verhalten älterer Vierbeiner lässt sich beeinflussen.

Bei einem erwachsenen Hund dauert es wahrscheinlich nur etwas länger, ihm das Anspringen abzugewöhnen.

1. Ignoriere das unerwünschte Verhalten

Probiere zunächst die gleiche Vorgehensweise wie bei einem Welpen aus: Ignoriere unerwünschtes Verhalten und belohne deinen Vierbeiner, wenn er mit den Pfötchen auf dem Boden bleibt. Das kann durch Streicheln, Spielen, Loben oder ein Leckerchen geschehen. 

Allerdings funktioniert das Ignorieren bei älteren Hunden oft nicht. Viele machen sich einen Spaß daraus, weiter an dir hochzuspringen. Für manch einen Vierbeiner ist das eher ein Spiel. 

Dann brauchst du Alternativen.

2. Beschränke seinen Freiraum

Gib deinem Hund nicht mehr Platz, indem du dich z.B. zurücklehnst oder deine Hände hochreißt. Somit verhinderst du seinen Lernerfolg, indem er dich „zurückgedrängt“ hat.

Ist dein Hund bereits in der Luft gehe in einen stabilen Stand und blocke den Sprung mit dem Arm seitlich von deinem Körper ab, sodass der Hund zurückgedrängt wird.

3. Kommando „Sitz“ statt Anspringen

Eine andere Möglichkeit, das Hochspringen zu unterbrechen, ist, deinem Hund ein Kommando zu geben und ihn zu loben, wenn er es ausgeführt hat. 

Angenommen, dein Hund kommt auf dich zugelaufen und wirkt, als ob er dich anspringen will.

Dann sagst du mit fester Stimme: „Sitz!“ oder „Platz!“ 

Lobe deine Fellnase, wenn sie vor dir sitzt beziehungsweise liegt. Zur Belohnung kannst du dich neben deinen Hund hocken und ihn streicheln. Ein Leckerchen wirkt als positiver Verstärker. Auf diese Weise übst du, dass dich dein Liebling im Sitzen oder Liegen begrüßt.

Solltet ihr bereits ein Abbruchsignal wie „Nein“ geübt haben, kannst du auch diesen einsetzen. 

4. Leckerchen geben

Wirf zu jeder Begrüßung einige Futterstücke auf den Boden, damit dein Hund bei deiner Ankunft mit der Suche nach den Leckereien beschäftigt ist und einige Sekunden vergehen, bis er sich wieder dir zuwendet. In dieser Zeit baut sich ein Großteil seines Energieüberschusses ab.

5. Begrüße im Hocken

Begrüße deinen Hund konsequent in der Hocke, nachdem das Abbruchsignal oder die Ablenkung sicher sitzen. Gib ihm gar nicht erst die Gelegenheit, nach oben zu zielen. 

Geht er dir direkt ins Gesicht, wendest du dich auch hier ab, lässt ihn mit den oben genannten Methoden zur Ruhe kommen und wendest dich ihm anschließend wieder zu.

6. Spielen statt Springen

Oder du bietest deinem vierbeinigen Gefährten zur Begrüßung als Alternative ein Ballspiel an. 

Geh auf den Anspringversuch deines Vierbeiners nicht ein. Wirf stattdessen einen Ball von dir weg, schick deinen Hund hinterher und lass ihn den Ball zurückbringen. 

Hat er das geschafft, lobst du ihn oder gibst ihm ein Leckerli.  

Auf diese Weise verknüpft dein Hund die Begrüßung schon nach kurzer Zeit mit einem Ballspiel.

Hierfür benötigst du allerdings immer ein Spielzeug zur Begrüßung. Lege am besten einen Ball oder ein anderes interessantes Spielzeug auf eine Ablage direkt am Eingang deiner Wohnungstür.

7. Pfoten festhalten

Nicht immer gelingt es, bei einem Anspringversuch rechtzeitig zu reagieren. 

Wenn deine Fellnase dir ihre Pfoten bereits auf die Brust oder die Beine gelegt hat, halte die Pfoten fest. 

Das mögen die meisten Vierbeiner überhaupt nicht. Dann läufst du mit dem Hund ein paar Schritte rückwärts. Wenn dein Liebling diese unangenehme Erfahrung mehrmals gemacht hat, vermeidet er das Anspringen von selbst.

8. Auszeit geben

Dein Hund springt trotzdem immer wieder an dir hoch und steigert sich in dieses Verhalten regelrecht rein? 

Dann gibt es noch eine andere Möglichkeit: Führe ihn wortlos in ein Zimmer und lass ihn dort für zwei Minuten allein. 

Das reicht in der Regel, damit sich dein Hund beruhigt. 

Achte allerdings dabei, dass dein Hund diese Auszeit allein im Zimmer nicht als eine Strafe versteht. Deswegen solltest du dabei keine wütende oder hektische Körpersprache zeigen. Zudem kannst du im Zimmer deinem Hund ein paar Leckerchen geben, damit er mit dieser Erfahrung nicht negativ konditioniert wird.

Konsequent bleiben

Wenn du deinem Hund das Anspringen abgewöhnen möchtest, sollten alle Familienmitglieder dabei an einem Strang ziehen. 

Ihr solltet alle die gleiche Taktik anwenden. Wenn ihr konsequent bleibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dein Welpe oder dein erwachsener Hund sein bisheriges Verhalten verändert.

Wenn dein Hund fremde Menschen anspringt

Dein Vierbeiner hat gelernt, dass das Anspringen bei euch in der Familie tabu ist. Trotzdem ist euer Besuch nicht vor seinen Pfoten sicher? 

Versuch, andere Menschen in das Training einzubeziehen. Gut geeignet sind Verwandte, Bekannte, Kollegen und Freunde. 

1. Andere Menschen in das Training einbeziehen

Sollte dein Hund z.B. auch den Besuch zu Hause anspringen, kannst du folgendermaßen vorgehen: Der Besuch sollte sich in solchen Fällen wegdrehen und deinen Hund völlig ignorieren. Dabei rufst du deinen Hund. 

Hier noch einige Tipps, wie du es erreichst, dass dein Hund auf dich hört oder auf deinen Abruf richtig reagiert.

2. Passanten bitten, den Hund zu ignorieren

Schwieriger ist es, wenn euch das unterwegs bei Passanten passiert: Die meisten Spaziergänger finden es niedlich, wenn ihnen ein Welpe an die Beine springt. 

Oft bestätigen und verstärken sie sein Verhalten: „Och, du bist ja niedlich.“ Dadurch unterstützen sie das Anspringen sogar noch.

Dahinter steckt zwar keine böse Absicht. Aber es erschwert das Training, weil der Hund durch diese Reaktion eine Belohnung erfährt.

Bitte diese Menschen darum, deinen Hund zu ignorieren. Erkläre ihnen, dass du gerade dabei bist, deinem Welpen das Anspringen abzugewöhnen. Hält deine Fellnase seine Pfötchen auf dem Boden, belohnst du ihn mit Aufmerksamkeit, Ansprache und einem Leckerchen. 

Wenn ein älterer Hund dazu neigt, Fremde anzuspringen, sollte er in der Trainingsphase jedes Mal angeleint sein, wenn ein Passant den Weg kreuzt. Dabei versuchst du durch Augenkontakt, Berührungen, Streicheln oder Leckerchen, dass der Fokus deines Hundes auf dich gerichtet ist. Somit lernt er, dass es viel interessanter und toller ist, wenn er mit dir bleibt und er lernt über die Zeit, sich jedes Mal an dir zu orientieren, auch wenn Fremde auftauchen.

Häufig gestellte Fragen

Es gibt viele Gründe. Er kann es als Begrüßungsrituals sehen – seine Grenzen bei dir austesten – es kann auch ein Zeichen von Nervosität oder Übersprungshandlung sein. Mehr dazu oben im Artikel.

Eine gute Möglichkeit ist es, wenn du auf das Anspringen nicht reagierst und deinen Körper in dem Moment seitlich wegdrehst. Du kannst auch mit einem Kommando wie Sitz entgegenwirken und ihn danach mit Leckerchen belohnen. Weitere Tipps findest du oben im Artikel.

Hier solltest du fremde Passanten bitten, deinen Hund zu ignorieren. Denn oft animieren die Leute unsere Hunde dazu, indem sie deinen Hund ansehen oder auf sie reagieren. Am besten wäre es, wenn du andere Menschen in euer Training integrieren kannst, damit dein Hund mit ihnen üben kann, sich das Anspringen abzugewöhnen.

Unser Fazit

Auch wenn unsere lieben Vierbeiner es in den meisten Fällen gut mit dem Anspringen meinen und nur einmal „Hallo!“ sagen möchten oder ein wenig spielen, kann dieses Verhalten für nicht wissende Menschen negative Auswirkungen haben – insbesondere für Kinder oder ältere Menschen.

Sicherlich werden dir die Tipps oben dabei helfen, deinem treuen Freund das abzugewöhnen. Somit hilfst du deinem Hund dabei, sich zu zügeln und seine schlechte Gewohnheit abzulegen.

Verfasst von Anja Boecker
Verfasst von Anja Boecker

Servus, Hallo, Moin! Meine Name ist Anja Boecker und ich bin Hundetrainerin und Verhaltensberaterin ( Zertifikat IHK) Mit diesen Artikeln möchte ich dir helfen, deinen Hund besser zu verstehen und eine unzertrennliche Bindung aufzubauen.

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