Hund beisst aggressiv

Mein Hund beißt ( 5 Ursachen und was du tun kannst)

Beißen: natürlicher Instinkt des Hundes.

Dabei geht es in erster Linie nicht um Angriff oder Aggression. Es geht vor allem um die Selbstverteidigung. 

Hunde beißen also nur zu, wenn sie sich bedroht fühlen und sie keinen anderen Ausweg haben. 

Leider passiert das bei einigen Hunden häufiger: Sie schnappen zum Beispiel schon zu, wenn ein fremder Mensch ihnen zu nahe kommt. 

Das ist ein großes Problem, denn so wird der Hund zu einer Gefahr für andere und steht unter Dauerstress. Auch für den Halter kann das sehr anstrengend werden.

Deswegen ist es wichtig, ihm das Beißen so schnell wie möglich abzutrainieren. 

Zeige deinem Hund, dass seine Angst in den meisten Fällen unbegründet ist. Es gibt andere Möglichkeiten, diese Situationen zu bewältigen.

In diesem Artikel findest du einige Trainingsansätze und was du dabei beachten solltest, wenn dein Hund schnell zubeißt.

Ursachen für aggressives Verhalten

Beißen ist für Hunde eine wichtige Verteidigungsmethode, um mit Gefahren umzugehen. Der Beißreflex hat sich während der Evolution entwickelt. Bei den Vorfahren unserer Haustiere hat er über das Überleben entschieden. 

Hunde beißen normalerweise nur aus zwei Gründen:

  1. Sie werden selber angegriffen und verteidigen sich  
  2. Sie verteidigen etwas für sie sehr Wichtiges

Sie zeigen aggressives Verhalten, wenn ihr Futter bedroht oder ihr Halter angegriffen wird. Mit dem Beißen soll also die Gefährdung direkt angegriffen und somit vertrieben werden. 

Einige Hunde beißen aber auch zu, wenn es keine für uns offensichtliche Gefahr gibt. Oft erkennen wir Halter nicht einmal, was unserem Hund Angst macht. Dabei muss aber beachtet werden, dass ein Hund niemals grundlos beißt. Es liegt immer eine Ursache vor, auch wenn wir sie auf den ersten Blick nicht sehen. 

Du verstehst natürlich nicht, wenn dein Hund zu beißt. Besonders wenn du ihm nur die Hand hinstreckst. Du willst dem Hund nichts tun. Du möchtest ihn vielleicht sogar beruhigen oder nur streicheln.

Es könnte aber sein, dass er schlechte Erfahrungen gemacht hat. Vielleicht verbindet er mit dem Hinhalten der Hand nur Negatives .

Aus diesem Grund ist das Ziel des Trainings, deinem Hund zu zeigen, dass die Angst in diesem Fall unbegründet ist. Der Beißreflex an sich soll überhaupt nicht abtrainiert werden. In bestimmten Situationen kann er sehr wichtig für deinen Hund werden. Viel wichtiger ist es, ihn mit den Umständen vertraut zu machen. 

Zeige deinem Hund andere Strategien für den Umgang mit vermeintlichen Bedrohungen. So muss er nicht mehr auf das Zubeißen zurückgreifen.

Achtung! Rassenliste/Listenhund

Leider gibt es auch Hunde, die aufgrund ihrer Rasse als gefährlich eingestuft werden. Oder es wird vermutet, dass sie gefährlich sind. 

Dabei handelt es sich auch um sogenannte Kampfhunde. Sie werden explizit für Kämpfe gezüchtet, ausgebildet und eingesetzt. 

Die Einfuhr dieser Rassen nach Deutschland sind untersagt. Dennoch werden sie über verschiedenste illegale Wege nach Deutschland geschmuggelt. 

Für die Haltung dieser Hunde gibt es gesetzliche Einschränkungen. Allerdings unterscheiden sich die Auflagen je nach Bundesland. 

Zu den Rassen zählen unter anderem:

  • Alano
  • American Bulldog
  • (American) Pit Bull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Bandog
  • Bullmastiff
  • Bullterrier
  • Cane Corso/Cane Corso Italiano
  • Dobermann
  • Dogo Argentino
  • Dogue de Bordeaux
  • Fila Brasileiro
  • Kangal
  • Kaukasischer Owtscharka
  • Mastiff
  • Mastín Español
  • Mastino Napoletano
  • Perro de Presa Canario
  • Perro de Presa Canario (Dogo Canario)
  • Perro de Presa Mallorquin
  • Rottweiler
  • Staffordshire Bullterrier
  • Tosa Inu
Hunderassen, die abhängig vom Bundesland zur Rassenliste gehören, sind meist zu einem Wesenstest verpflichtet. Dazu gehören auch Kreuzungen aus diesen Rassen.
 

Zu diesem Anlass möchten wir darauf aufmerksam machen:

Nehme beim Erwerb eines Hundes mit seriösen Hundehändlern Kontakt auf. Entscheide gut, welche Rasse für dich und deine Familie die geeignetste ist. 

Bitte vergiss nicht, du kaufst“ nicht nur einen Hund. Du schließt mit diesem Hund eine lebenslange Vereinbarung ab. Das Wohl des Hundes und deiner Mitmenschen liegt vollkommen in deiner Verantwortung. 

Aggression erkennen

Terrier knurrt

Jeder weiß, dass ein Hund gereizt ist, wenn er knurrt, zuschnappt und beißt. Doch dann ist es meist schon zu spät. Wenn du vorher schon merkst, dass dein Hund angespannt ist, kannst du das Beißen verhindern. 

Dein Hund wird nicht von der einen zur anderen Sekunde aggressiv. Er wird durch verschiedene Faktoren mehr und mehr gereizt. Ist er dann in einer bedrohlichen Situation, beißt er auch zu. 

Doch auch schon vorher zeigt er mit seiner Körpersprache, dass er sich unwohl fühlt.

Beobachte deinen Hund aufmerksam. So erkennst du eine anbahnende Aggression schon sehr früh. Die Signale, die er dann zeigt, treten durch Stress auf. 

Ist dein Hund gestresst, ist sein Puls schneller. Natürlich kann man das von außen nicht sehen. Achte in diesem Moment auf die Atmung. Ist sie schnell und flach, ist dein Hund gereizt.

Was von vielen Hundehaltern oft nicht bemerkt wird, ist der starre Blick. Dabei sind die Augen weit aufgerissen und auf einen Punkt fixiert. Dein Hund scheint wie eingefroren und zeigt keine Regung.

Auch der gesamte Körper ist unter Stress angespannt. Er bewegt sich kaum und wirkt starr. In extremen Fällen sind sogar die Rückenhaare aufgestellt.

Auch Angst oder Unsicherheit kann zu einer Aggression führen. Hat dein Hund seine Rute zwischen seine Beine geklemmt? Oder ist sie gesenkt?Dann hat er Angst. Kommt er mit der Situation nicht klar? Oder wird er unbewusst noch mehr unter Druck gesetzt? Dann kann es unerwünschte Konsequenzen haben.

Wenn du diese Signale an deinem Hund bemerkst, solltest du vorsichtig sein. Er steht nun unter starkem Stress und ist gereizt. Gerät er nun in eine für ihn unangenehme Situation, beißt er vielleicht zu. Kommst du ihm dann zu nahe und möchtest ihm helfen, könnte er das falsch verstehen. Dadurch wird er nur noch gereizter. 

Deswegen solltest du Abstand halten! Warte, bis sich dein Hund wieder beruhigt hat.

5 Ursachen

Dein Hund beißt eher zu, wenn er vorher schon gereizt ist. Deswegen gibt es einige Faktoren, die aggressives Verhalten bestärken. Die wichtigsten haben wir dir unten zusammengefasst:

1. Stress

Ist dein Hund gestresst, reagiert er schon auf kleine Bedrohungen sehr stark. Das bedeutet auch, dass er dann schneller zubeißt. Vieles verursacht Stress bei deiner Fellnase. Achte also darauf, dass er möglichst wenig Stress ausgesetzt ist. Dann bleibt er wahrscheinlich ruhiger. Auch in Situationen, in denen er vorher aggressiv war.

2. Konkurrenz

Ist ein anderer Hund in der Umgebung. Dann muss dein Liebling viel aufmerksamer sein. Er muss schließlich aufpassen. Der Konkurrent soll seinem Revier, seinem Futter sowie seinem Halter nicht zu nahe kommen. Das kann für ihn sehr anstrengend sein und reizt ihn.

3. Problemlösen und Entscheidungen

Es ist eine hohe Belastung für deinen Hund, wenn er sich nicht entscheiden kann. Muss er abwägen: Welche Alternative ist besser oder wie löst er ein bestimmtes Problem. Dann steht er unter starkem Stress. Kommt er nun in eine unangenehme Situation, reagiert er schnell aggressiv.

4. Schmerzen

Schmerzen bedeuten für deinen Hund Dauerstress. Das Problem ist, viele Hunde verbergen ihre Schmerzen. Wir können es überhaupt nicht erkennen. Zeigt dein Hund in letzter Zeit häufiger aggressives Verhalten als sonst? Denke darüber nach, ob es sich dabei um eine Erkrankung handeln könnte.

5. Wünsche und Bedürfnisse werden nicht befriedigt

Dein Hund hat oft eigene Vorstellungen und möchte Dinge tun, die er aber nicht darf. 

Wird ihm beispielsweise sein Fressen weggenommen? Darf er nicht mit dem Hund auf der gegenüberliegenden Straßenseite spielen? Oder will er beim Spazierengehen schneller laufen als du?

Das kann das für ihn sehr frustrierend sein.

Ein gesunder und entspannter Hund zeigt seltener aggressives Verhalten als gestresste Hunde. Mit diesem Wissen kannst du die Aggression bei deinem Hund oft vermeiden.

Aggression gar nicht erst entstehen lassen

Hund Pfote

Befindet ihr euch in der Trainingsphase und du möchtest deinem Hund das Beißen abgewöhnen? Dann sollte dein Hund nicht in schwierige Situationen geraten. 

Fühlt er sich unwohl und beißt zu, verschwindet die Gefahr normalerweise. Er merkt also, dass es funktioniert und macht es immer wieder.

Wenn er aber längere Zeit nicht mehr zubeißen musste, lässt er sich auch viel eher auf das Training ein. Denn dann lernt er Alternativen kennen, die ebenfalls die Bedrohung verschwinden lassen.

Beobachte daher, was deinen Hund reizt. In welchen Situationen er sich aggressiv verhält. Genau diese Situationen sollten dann in den nächsten Wochen vermieden werden. 

Wird dein Hund zum Beispiel aggressiv, wenn fremde Menschen in der Nähe sind? 

Dann sollte er in nächster Zeit nur noch in Ausnahmefällen mit anderen Personen konfrontiert werden. Dadurch wird er nicht gestresst und er greift niemanden an.

Kommt es trotzdem zu einer Situation, die ihn reizt. So gehe sofort mit ihm weg und halte Abstand. Auch du solltest ihm nun nicht näher kommen und ihn erst einmal in Ruhe lassen.

Es ist auch sehr hilfreich, wenn er zu Hause einen Rückzugsort hat. Das kann zum Beispiel ein Hundebett oder ein eigener Raum sein. Er weiß dann, dass er dort ungestört ist und geht immer hin, wenn er gestresst ist und in Ruhe gelassen werden möchte. So lernt er es viel besser, schwierigen Situationen aus dem Weg zu gehen.

Beim Spazierengehen solltest du ihn anleinen und die Leine kurz halten. So kannst du kontrollieren, wo ihr hingeht. Im Notfall kannst du ihn schnell wieder von den Sachen wegbringen, die ihn aggressiv machen. 

Ein Maulkorb sollte nur bei schwierigen Fällen angelegt werden. Beispielsweise wenn der Kontakt mit anderen nicht vermieden werden kann. Dadurch wird zwar ein Biss verhindert, dein Hund ist aber trotzdem weiterhin aggressiv.

Wenn dein Hund schon ein wenig gereizt ist, darfst du ihn auf keinen Fall erschrecken. Gehe nur behutsam an ihn heran. Du kannst ihn auch gerne ablenken, indem er gewohnte Dinge tun soll. Das könnten zum Beispiel Kommandos sein, die er beherrscht. 

Er beruhigt sich auch viel schneller, wenn du positive Gefühle in ihm auslöst. Streichle ihn dann oder raschle mit dem Futterbeutel.

Tipps für das Training

Zeige deinem Hund vor allem, sein aggressives Verhalten hat keinen Erfolg. Er soll lieber andere Strategien anwenden. Die beste Variante ist dabei das Weggehen. Weiterhin solltest du ihm deutlich machen, dass einige Situationen überhaupt keine Gefahr für ihn darstellen.

Belohne ihn also, wenn er in bestimmten Situationen ruhig bleibt. Empfindet er Menschen normalerweise als Bedrohung? Ist er in der Nähe eines Fremden und hat noch kein aggressives Verhalten gezeigt? Dann hat er sich ein Leckerli verdient. 

Gehe dann mit ihm einige Schritte von der „Bedrohung“ weg und belohne ihn dort. Dadurch merkt er gleichzeitig, dass er die Situation jederzeit verlassen kann. Geht er beim nächsten Mal von alleine einige Schritte weg, solltest du das auch belohnen.

Überfordere deinen Hund niemals mit diesem Training. Falls er sich nämlich bedroht fühlt und aggressiv wird, müsst ihr von vorne beginnen. Bringe ihn daher auch nicht mit Menschen zusammen, die schnell hektisch reagieren. Merkt dein Hund die Anspannung der anderen, wird er selbst gereizt.

Dein Hund muss sich nach und nach an die neue Methode gewöhnen. Übe mit ihm deswegen nur schrittweise, auch wenn das etwas länger dauert.

Es kann hilfreich sein, wenn ihr diese Übungen auch im alltäglichen Leben durchführt. Das sind schließlich die Situationen, in denen er am Ende auch richtig reagieren soll. Trotzdem sollte dein Hund anfangs keiner Ablenkung ausgesetzt sein. Suche dir also ruhigere Orte, die ihn nicht überfordern.

Viele Halter versuchen ihre Hunde an den Umgang mit Menschen zu gewöhnen, indem andere ihn mit Futter locken. Diese Übung kann aber genau zum Gegenteil führen. 

Denn nun hat er den Konflikt, ob er sich für ein Leckerli in eine bedrohliche Situation begeben soll. Das stresst ihn nun noch mehr. Dabei soll ihm eigentlich gezeigt werden, dass er einfach weggehen soll, wenn er sich unwohl fühlt.

Falls ihm also jemand Fremdes Futter geben will, sollte er es einige Meter von sich wegwerfen. Dann merkt dein Hund, dass er durch Abstand halten belohnt wird. 

Wende diese Tipps konsequent an und übe immer wieder mit deinem Hund. So lernt er schnell eine Alternative zum Beißen. Wenn er das nächste Mal eine Situation als bedrohlich einstuft, wird er nicht aggressiv. Er entfernt sich einfach. 

Falls er doch zu stark gereizt wird und er anfängt zu knurren, solltest du auf keinen Fall mit ihm schimpfen. Dein Hund hat nichts Falsches gemacht. Im Gegenteil: Er zeigt, dass er sich bedroht fühlt und gibt ein Warnsignal. Schimpfen würde ihn genau wie auch eine Bestrafung zu sehr stressen. Im schlimmsten Fall überspringt er beim nächsten Mal das Knurren und beißt gleich zu.

Achte also lieber darauf, dass es gar nicht erst zu solchen Situationen kommt. Und falls dein Hund doch gereizt ist, dann gehe mit ihm einfach ein paar Schritte weg. So lernt er schnell, dass Abstand mehr bringt als Angriff.

Mein Fazit

hunde gesicht icon

Beißen ist ein natürliches Verhalten von Hunden. Sie tun es einzig und allein, um sich vor einer Bedrohung zu schützen. Leider sehen viele Hunde auch ungefährliche Situationen als bedrohlich an. Sie werden aggressiv. Das passiert vor allem dann, wenn sie von vornherein gestresst sind. 

Erkenne schnell die Stresssymptome bei deinem Hund. So kannst du dem aggressiven Verhalten vorbeugen. 

Achte darauf:

  • dein Hund ist angespannt und starr 
  • er atmet schnell und flach
  • er fixiert mit großen Augen einen bestimmten Punkt 

Sei vorsichtig. Bringe ihn dann so schnell wie möglich aus der Situation heraus und lass ihn gewohnte Dinge tun. Vermeide stressige Situationen. 

Es kommt zu weniger Rückschläge. Dein Hund erlernt viel schneller die neuen Strategien zur Lösung der Konflikte.

Zeige deinem Liebling, dass er sich einfach zurückziehen kann, sobald er sich bedroht fühlt. Belohne ihn, wenn er einige Schritte von der „Gefahr“ zurückgeht und dabei nicht aggressiv wird. Nach einer Weile macht er das immer öfter und beißt nicht mehr zu.

Weiterführende Quellen:

agila.de
akc.org
petmd.com
cdc.gov

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