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Hundeführerschein und Sachkundenachweis: Pflicht nach Bundesland 2026

Eine bundesweite Pflicht gibt es nicht. Wer in Niedersachsen (seit 2013) oder Bremen (seit 1. Juli 2026) einen Hund aufnimmt, braucht einen Sachkundenachweis mit Theorie vor der Aufnahme und Praxis im ersten Jahr. In NRW gilt die Pflicht für Halter großer Hunde ab 40 cm oder 20 kg. Anderswo ist der Hundeführerschein freiwillig und befreit teils von der Leinenpflicht.

Ein schwarz-weißer Hund mit rosa Geschirr sitzt auf einer Wiese und hält eine rote Leine im Maul. Daneben eine ID-Karte mit Hundefoto.

Brauchst du einen Hundeführerschein? Das hängt davon ab, wo du wohnst und wie groß dein Hund wird. In Niedersachsen und seit dem 1. Juli 2026 auch in Bremen ist der Sachkundenachweis für alle neuen Hundehalter Pflicht, in NRW für Halter großer Hunde. Auch Österreich hat am selben Tag eine Pflicht eingeführt. Hier steht, was wo gilt, wie die Prüfung abläuft und wie du dich vorbereitest.

Das Wichtigste in Kürze
  • Pflicht für alle neuen Halter: Niedersachsen (seit 2013) und Bremen (seit 1. Juli 2026), jeweils Theorie vor der Aufnahme und Praxis im ersten Jahr
  • Pflicht für große Hunde ab 40 cm oder 20 kg: Nordrhein-Westfalen
  • Freiwillig mit Vorteil: Hamburg und Berlin befreien mit Nachweis von der allgemeinen Leinenpflicht
  • Neu 2026: Bremen und ganz Österreich verlangen den Nachweis seit 1. Juli 2026
  • Kosten legen die Prüfer fest, dazu kommen je nach Land Behördengebühren
  • Haftpflicht: In Niedersachsen und Bremen für alle Hunde Pflicht, in NRW für große Hunde

Hundeführerschein oder Sachkundenachweis: was ist der Unterschied?

Eine Person steht auf einem Feld und hält eine Hundeleine. Ein kleiner schwarzer Hund steht neben ihr. Im Hintergrund Bäume unter bewölktem Himmel.

Im Alltag werden beide Wörter für dasselbe benutzt. Rechtlich gibt es einen Unterschied.

Sachkundenachweis heißt der Nachweis, den ein Landesgesetz verlangt. Du legst ihn bei einem amtlich anerkannten Prüfer ab. Was geprüft wird, regelt das jeweilige Land. In Niedersachsen und Bremen gehören Theorie und Praxis dazu, in NRW verlangt die Verordnung für große Hunde theoretische Kenntnisse.

Hundeführerschein ist kein geschützter Begriff. Meist ist ein freiwilliger Nachweis eines Verbands gemeint, etwa der Hundeführerschein des Berufsverbands der Hundeerzieher (BHV). Er prüft dich und deinen Hund als Team in Theorie und Praxis. Ob er als Sachkundenachweis zählt, entscheidet das Land: Niedersachsen erkennt unter anderem den BHV-Hundeführerschein an, Hamburg Hundeführerscheine großer Verbände für die Befreiung von der Anleinpflicht.

Wo ist der Sachkundenachweis Pflicht?

Hunderecht ist Ländersache. Deshalb gibt es 16 verschiedene Regeln. Die Übersicht zeigt den Stand vom 1. Oktober 2026.

BundeslandPflicht oder Auflagen fürFreiwilliger Nachweis bringt
Niedersachsenalle, die einen Hund aufnehmen (Ausnahme: 2 Jahre Hundehaltung in den letzten 10 Jahren)
Bremenalle, die ab 1. Juli 2026 einen Hund aufnehmen
Nordrhein-WestfalenHalter großer Hunde (ab 40 cm oder 20 kg) und gefährlicher Hunde
BerlinHalter gefährlicher HundeBefreiung von der allgemeinen Leinenpflicht
HamburgHalter gefährlicher HundeBefreiung von der allgemeinen Anleinpflicht
Baden-Württemberg, BayernHalter gefährlicher Hundein einzelnen Städten Steuervorteile, etwa Mannheim und München
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-HolsteinHalter von Hunden, die im Einzelfall als gefährlich gelten (keine Rasseliste)
Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThüringenHalter gefährlicher Hunde

Niedersachsen. Seit dem 1. Juli 2013 brauchst du den Sachkundenachweis, bevor du einen Hund aufnimmst. Die Theorie legst du vor der Aufnahme ab, online oder auf Papier bei einem anerkannten Prüfer. Die praktische Prüfung folgt im ersten Jahr und muss nicht mit dem eigenen Hund sein. Befreit ist, wer in den letzten zehn Jahren vor der Aufnahme mindestens zwei Jahre ununterbrochen einen Hund gehalten hat. 2022 wurden in Niedersachsen 17.181 Theorieprüfungen abgelegt.

Bremen. Wer ab dem 1. Juli 2026 einen Hund aufnimmt, muss vorher die Theorie bestehen und innerhalb eines Jahres die Praxis mit genau diesem Hund. Hast du in den letzten fünf Jahren mindestens zwei Jahre einen Hund gehalten und die Theorie schon bestanden, reicht beim nächsten Hund die Praxis. Die praktische Prüfung ist mit jedem neuen Hund fällig. Ausgenommen sind unter anderem alle, die ihren Hund schon vor dem Stichtag hatten.

Nordrhein-Westfalen. Wer einen Hund hält, der ausgewachsen mindestens 40 cm Schulterhöhe oder 20 kg erreicht, braucht eine Sachkundebescheinigung. Dazu kommen Anzeige beim Ordnungsamt, Chip und Haftpflicht. Alle Details stehen in unserem Ratgeber zum Sachkundenachweis in NRW.

Berlin und Hamburg. Hier ist der Nachweis freiwillig, aber nützlich. In Berlin befreit die Sachkundebescheinigung von der allgemeinen Leinenpflicht, nicht aber für Listenhunde. In Hamburg brauchst du dafür die Gehorsamsprüfung bei einem anerkannten Sachverständigen oder einen gleichwertigen Hundeführerschein eines großen Verbands.

Was ist 2026 neu?

Bremen ist seit dem 1. Juli 2026 nach Niedersachsen das zweite Land mit einer Pflicht für alle neuen Hundehalter.

Österreich verlangt seit dem 1. Juli 2026 bundesweit einen Sachkundenachweis. Wer zum ersten Mal einen Hund hält, besucht vor der Aufnahme einen vierstündigen Theoriekurs und innerhalb eines Jahres zwei Stunden Praxis mit dem eigenen Hund. Eine Prüfung wie in Niedersachsen ist der Bundeskurs nicht, es zählt die Teilnahme. Einzelne Länder wie Wien und Oberösterreich haben zusätzlich eigene Regeln.

Nordrhein-Westfalen diskutiert eine Pflicht für alle Halter. Die SPD-Fraktion hat dazu im März 2026 einen Antrag eingebracht, im September 2026 gab es eine Anhörung im Landtag. Ein Gesetzentwurf liegt bis heute (1. Oktober 2026) nicht vor.

Baden-Württemberg hat eine Pflicht im Januar 2026 abgelehnt und will den freiwilligen Nachweis stattdessen ausbauen.

In der Schweiz wurde der nationale Sachkundenachweis 2017 abgeschafft. Einige Kantone verlangen wieder Kurse, zum Beispiel Zürich seit Juni 2025 einen Theoriekurs mit Prüfung für Ersthalter und Praxislektionen für jeden Hund.

Wie läuft die Prüfung ab?

Die Prüfung besteht fast überall aus zwei Teilen. Die Einzelheiten legen das Land oder der Verband fest.

Theorie. Du beantwortest Fragen zu Verhalten und Körpersprache, Haltung und Pflege, Gefahrensituationen, Lernen und Erziehung sowie zum Recht. In Bremen sind es 35 Fragen. Bestanden hast du mit mindestens 26 richtigen Antworten und mindestens 4 von 7 in jedem Themenbereich. In Niedersachsen sind es ebenfalls 35 Fragen. Beim BHV-Hundeführerschein brauchst du 80 Prozent der Punkte, falsche Antworten kosten Punkte.

Praxis. Ein Prüfer begleitet dich mit deinem Hund durch Alltagssituationen. In Bremen findet die Prüfung an mindestens zwei Orten statt: in einem ruhigen Bereich wie einer Grünanlage und im Straßenverkehr. Du zeigst, dass du deinen Hund einschätzen kannst, Gefahren früh erkennst und andere nicht belästigt werden. Typische Situationen sind Begegnungen mit Menschen, Radfahrern und anderen Hunden, Leinenführigkeit und Grundgehorsam wie Sitz, Platz und Bleib.

Was kostet der Hundeführerschein?

Einen festen Preis gibt es nicht, die Prüfer legen ihre Honorare selbst fest. Frag deshalb vorher nach dem Gesamtpreis für Theorie und Praxis. Belegt sind diese Beträge:

  • Berlin: Die Sachkundebescheinigung kostet nach einer Prüfung mindestens 41 Euro Gebühr, dazu kommen die Prüfungskosten.
  • Hamburg: Die Befreiung von der Anleinpflicht kostet 35 Euro beim Sachverständigen oder 55 Euro beim Amt, plus Kosten der Gehorsamsprüfung.
  • Niedersachsen: Der Bremer Senat rechnet mit rund 200 Euro pro Person für Theorie und Praxis.

Die Hundesteuer regelt jede Stadt selbst. Einzelne Städte belohnen den freiwilligen Nachweis: München erlässt die Hundesteuer für ein Jahr, Mannheim für zwei Jahre. Frag bei deiner Stadt nach, ob es eine solche Regel gibt.

So bereitest du dich vor

Für die Theorie lohnt es sich, nicht nur Fragen auswendig zu lernen. Wer versteht, warum ein Hund knurrt oder wie er lernt, besteht die Prüfung leichter und braucht das Wissen danach jeden Tag. Gute Grundlagen sind unsere Ratgeber zur Hundesprache und zum Hundetraining. Viele Prüfstellen stellen Übungsfragen bereit, in Niedersachsen zum Beispiel das Landwirtschaftsministerium.

Für die Praxis zählt Training im Alltag. Übe Hundebegegnungen, ruhiges Gehen an lockerer Leine und Warten auf Signal, bevor die Prüfung ansteht. Eine Hundeschule hilft, wenn du Rückmeldung von außen brauchst.

Denk auch an die Hundehaftpflicht. In Niedersachsen und Bremen ist sie für jeden Hund Pflicht, in NRW für große Hunde. Welche Regeln in deinem Land gelten, steht in unserer Übersicht Hundehaftpflicht nach Bundesland.

Hast du aufgepasst?

Frage 1 von 3

In welchen Bundesländern brauchen alle neuen Hundehalter einen Sachkundenachweis?

Für den praktischen Teil gibt es in der Hundeo App den Kurs „Vorbereitung zum Hundeführerschein“. Er zeigt dir in Videolektionen Schritt für Schritt, wie du die typischen Prüfungssituationen mit deinem Hund trainierst.

Häufig gestellte Fragen

Ist der Hundeführerschein in Deutschland Pflicht?

Nicht bundesweit. In Niedersachsen (seit 2013) und Bremen (seit 1. Juli 2026) brauchen alle, die einen Hund aufnehmen, einen Sachkundenachweis mit Theorie und Praxis. In NRW gilt die Pflicht für Halter großer Hunde ab 40 cm oder 20 kg. In den übrigen Ländern betrifft sie nur gefährliche Hunde.

Was ist der Unterschied zwischen Hundeführerschein und Sachkundenachweis?

Der Sachkundenachweis ist im Landesrecht geregelt und wird bei amtlich anerkannten Prüfern abgelegt. Hundeführerschein ist kein geschützter Begriff, sondern meist der Name eines freiwilligen Verbandsnachweises (zum Beispiel BHV). Niedersachsen und Hamburg erkennen solche Verbandsprüfungen teilweise an.

Was kostet der Hundeführerschein?

Das legen die Prüfer selbst fest. Belegt sind die Behördengebühren: in Berlin ab 41 Euro für die Sachkundebescheinigung, in Hamburg 35 oder 55 Euro für die Befreiung von der Anleinpflicht, jeweils plus Prüfungskosten. Für Niedersachsen rechnet der Bremer Senat mit rund 200 Euro pro Person.

Muss ich in Bremen jetzt einen Hundeführerschein machen?

Ja, wenn du ab dem 1. Juli 2026 einen Hund aufnimmst. Die Theorie (35 Fragen, mindestens 26 richtig) legst du vor der Aufnahme ab, die Praxis innerhalb eines Jahres mit genau diesem Hund. Wer seinen Hund schon vorher hatte, ist ausgenommen.

Welche Vorteile bringt der freiwillige Hundeführerschein?

In Hamburg und Berlin befreit ein anerkannter Nachweis von der allgemeinen Leinenpflicht. Manche Städte erlassen nach der Prüfung die Hundesteuer für eine Zeit, etwa München für ein Jahr. Eine Landesregel für Steuer- oder Versicherungsrabatte gibt es nicht.

Claudia Weise

Geschrieben von

Claudia Weise

Chefredakteurin, zertifizierte Ernährungsberaterin & Tierschutz-Praxis

Chefredakteurin bei HundeoZertifizierte Ernährungsberaterin für HundeTäglich im Tierschutz und mit Hunden aktiv

Claudia begleitet Hundeo seit der Anfangszeit eng an Enricos Seite. Sie ist zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, arbeitet täglich mit Tierschutzthemen und Hunden und bringt diese Praxis als Chefredakteurin in Gesundheits-, Pflege-, Rassen- und Zubehörinhalte ein.

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