Wildschwein, Aujeszky, Pseudowut

Alles zur gefährlichen Aujeszkysche Krankheit

Geschrieben von:

Enrico
Enrico

Aujeszkysche Virus

Ich gehe liebend gerne mit meinem Hund an einen ländlichen Ort im Wald spazieren. Das sind Zeiten, an denen wir beide am Wochenende richtig abschalten können.

Da kann sie sich richtig austoben, ihre Ur-Instinkte ins Spielen bringen, sich an ihre Ahnen erinnern. Hier und da schnuppern. 

Gerüche und Empfindungen die unsere lieben Vierbeiner so sehr vermissen, genauso wie Mensch. Wir haben vieles im Zeitalter der Großstädte und des künstlichen Komforts verlernt.

Diese Momente im Wald, im Schoß der Mutter Natur, sind sowohl für meine Daisy als auch für mich eine Reise in das Ur-Sein. 

Bis ich auf meinem Spaziergang einen Jäger traf. Er machte mich darauf aufmerksam, dass es besser für Daisy wäre, wenn ich sie an der Leine halte. Als ich ihn nach dem Grund fragte, erzählte er mir über die Pseudowut und wie sie übertragen wird.

Seine Worte vergesse ich nie: 

„Ihr Stadtmenschen wisst zwar, dass Ihr Eure Hunde nicht mit rohem Schweinefleisch füttern sollt… Ja, wisst Ihr eigentlich auch, dass Eure Hunde mit dem eigentlichen Krankheitserreger direkt konfrontiert sind, wenn sie unkontrolliert im Wald mal hier, mal da schnuppern? Mein lieber Mann, das geht ruck zuck! … Mit der Natur ist nicht zu spaßen! … Vorsicht ist besser als Nachsicht!“

Da habe ich erst begriffen, wie unbewusst wir als „bewusste Stadtmenschen“ manchmal handeln und denken. 

Auch wenn ich nicht abergläubisch bin: Der Jäger war zugleich Geschenk und Warnung für mich – wie ein vorauswarnender Schutzengel… 

Denn kaum hatte ich Daisy an ihre Leine gebunden und bin ein Stück weitergelaufen mit ihr, da fing sie an zu zerren: Ungefähr zwei Meter rechts entfernt sah ich ein Aas von einem Waldtier…!

Gleich am selben Abend habe ich angefangen über die Pseudowut zu recherchieren. Was ich alles darüber erfahren habe, möchte ich gerne mit Dir teilen.

In den Wald gehen wir beide immer noch sehr gerne. 

Aber diesmal begleitet uns auch die Vor-Sicht 😉

Was ist Pseudowut?

Allergie

Die Aujeszky-Krankheit (auch bekannt als Morbus Aujeszky; Pseudowut; Pseudorabies; infektiöse Bulbärparalyse; Juckseuche; mad itch) wird durch den Herpesvirus Suid Herpesvirus 1, SuHV-1 verursacht. 

Der ungarische Veterinär Aladár Aujeszky beschrieb erstmals das SuHV-1 im Jahre 1902. Erst in den 1930er Jahren erkannten Forscher in ihm den Auslöser der Pseudowut und das Schwein als natürlicher Wirt oder Hauswirt.

Die Aujeszky ist eine weltweit verbreitete Tierseuche. Ein Verdacht auf Aujeszky bei Hausschweinen und anderen Haustieren ist anzeigepflichtig. 

Die Feststellung der Aujeszky bei Wildschweinen ist jedoch weder anzeige- noch meldepflichtig. Dennoch stellt das Vorkommen dieser Krankheit bei Wildschweinen Gefahr für unsere Haustiere und Hausschweine dar. 

So wurden zum Beispiel 2011 bei einem Monitoring in Niedersachsen die ersten positiven Diagnosen berichtet. 

Der Virus infiziert das Zentralnervensystem und andere Organe, wie die Atemwege von Säugetieren wie Hunde, Katzen, Rind, Schaf, Kaninchen usw. Bei diesen Endwirten endet die Infektion tödlich. Ausgenommen davon sind Menschen und höhere Primaten. Warum Mensch oder höhere Primaten gegen diesen Virus immun sind, ist unbekannt.

Der natürliche Wirt oder Hauptwirt – das Schwein – bleibt nach einer klinischen Erholung latent infiziert. Ausgenommen davon sind Ferkel im Alter von bis zu zwei Wochen. 

Folglich ist das Schwein (Haus- und Wildschwein) die einzige Spezies, die eine Infektion durch diesen Virus überlebt. Deswegen dient er auch als Hauptwirt. Haus- sowie Wildschweine entwickeln bei einer Infektion in erster Linie Krankheiten in den Atemwegen. Allerdings kann der Virus bei trächtigen Säuen die Plazenta durchqueren, die Föten infizieren und töten.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Die Aujeszky-Krankheit gehört zu den epidemischen Krankheiten. Deutschland startete 1989 ein Ausrottungsprogramm, welches dazu führte, dass unser Land seit 2003 offiziell SuHV-1 frei ist. 

Dies gilt allerdings nur für Hausschweine und nicht für Wildschweine. Demnach besteht immer noch das Risiko, dass andere Säugetiere durch Wildschweine infiziert werden können. 

Was sind die Übertragunswege?

Maul

Der Virus ist sehr widerstandsfähig. Er kann bei 4 °C monatelang, bei 25 °C bis zu 40 Tage, bei 56 °C dreißig Minuten und bei 80 °C etwa acht Minuten überleben. Eine Inaktivierung des Virus‘ erfolgt erst über 55 °C.

Die Übertragung ist nicht an eine Jahreszeit gebunden.

Hunde können an Aujeszky erkranken, wenn sie mit infizierten, nicht erhitzten, unbehandelten Schweineprodukten in Kontakt kommen. 

Theoretisch kann der Virus sich auch über Schuhe und Kleidung übertragen. Daher ist eine Übertragung vom Hauswirt zum Endwirt – hier der Hund – nicht auszuschließen. Das Risiko hängt aber auch von der Virusmenge ab. 

Es gibt Berichte über Übertragungen außerhalb von Wirtstieren. Allerdings sind keine genaueren Studien darüber bekannt, die nachweisen, dass der Virus in der freien Umwelt ansteckend ist.

Die bis jetzt in Europa bekannten Fälle stehen in Verbindung mit der Jagd, erledigten Wildschweinen und deren Organe oder Fleisch. Deswegen ist die Wahrscheinlichkeit einer indirekten Infizierung gering.

Eine Infektion eines (Jagd-)hundes durch Kontakt mit infiziertem Blut eines Wildschweines kann gut möglich sein.

Die Aufnahme des Virus‘ erfolgt über Maul- und Nasenschleimhäute. Dass der potentielle Endwirt mit der Schleimhaut des infizierten Schweines nur in Kontakt kommt und nicht gebissen wird, reicht also völlig aus.

Nachdem der Virus über die Maul- und Nasenschleimhaut aufgenommen wird, gelangt der Erreger in den Magen-Darmtrakt. Von dort geht er in das Nervensystem und zum Gehirn, zum Hirnstamm und zu den Hirnnervkernen. Das Hirngewebe wird zerstört und es kommt zum Ausfall des Nervensystems.

Die Inkubationszeit beträgt 2-9 Tage. Bei vielen Fällen können das 3-5 Tage sein. Leider ist diese Krankheit nicht behandlungsfähig. 

Zudem ist die Behandlung dieser Krankheit gesetzlich verboten. Denn diese Krankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Für die Bekämpfung müssen Landwirte und Tierärzte sich strengstens an die Verordnung zum Schutz gegen die Aujeszkysche Krankheit halten.

Es gibt keinen Impfstoff gegen diesen Virus. Eins bis zwei Tage nach Auftreten der ersten Symptome endet die Infektion mit dem Tod.

Welche Symptome gibt es bei Hunden?

Nervensystem

Die Anzeichen einer Infektion ähneln stark der Tollwut. Deswegen wir diese Krankheit auch Pseudowut genannt. Allerdings sind die Tiere nicht wie bei der Tollwut aggressiv und haben Durst.

Nach einer Infektion kommt es sehr schnell zu einer Gehirn- und Rückenmarksentzündung, wodurch auch das Nervensystem stark beschädigt wird. 

Das vorherrschende Symptom für eine Infektion ist ein intensiver Juckreiz. Der betroffene Hund kratzt oder nagt an den juckenden Stellen so heftig, dass es an sehr starken Gewebeverletzungen leidet. Der Juckreiz beginnt am Kopfbereich, insbesondere an den Ohren und verbreitet sich auf den ganzen Körper.

Hinzu kommen Atemnot oder erhöhte Atemfrequenz, Schluckbeschwerden, verstärkte Speichelproduktion, Durchfall und Erbrechen. Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit, verstärkte Atmung können auftreten. Viele der infizierten Tiere haben eine erhöhte Temperatur von 41 °C. 

Trübung des Bewusstseins, Krämpfe und Lähmungen begleiten die letzte Phase der Infektion. Innerhalb von 24 bis maximal 48 Stunden verliert der Hund am Ende sein Bewusstsein und stirbt.

Die Krankheit endet bei Hunden und Katzen immer mit dem Tod. 

Eine sichere Diagnose kann leider erst nach dem Tod gestellt werden, da die Krankheit sehr rasch voranschreitet.

Nehme bei den ersten Anzeichen sofort Kontakt mit Deinem Tierarzt auf! Allerdings kann Dein Tierarzt nichts mehr für einen infizierten Hund machen. Außer ihn von seinem Leid zu erlösen.

Wie kann ich eine Ansteckung vermeiden?

Training

Falls Du in einer ländlichen Gegend wohnst oder mit Deinem Hund gerne Ausflüge in Wälder machst, dann solltest Du besonders vorsichtig sein. Das gilt insbesondere, wenn Du gerne Jagen gehst.

Alle Gebiete, in denen Wildschweine vorkommen können, gelten als Risiko-Gebiete. Auch wenn die meisten Regionen der EU inzwischen als Epidemie-frei gelten, sind damit nur Hausschweine gemeint.

Lasse Deinen Hund niemals außer Kontrolle, insbesondere wenn ihr Spaziergänge in Waldgebieten macht. Das Risiko, dass Dein Hund mit einem Aujeszky infiziertem Wildschwein in Kontakt kommt ist zu hoch. Am besten ist es, wenn Dein Hund an der Leine lässt.

Auch solltest Du bei Euren Spaziergängen darauf achten, dass Dein Hund nicht in Kontakt kommt mit Aas oder Fleisch von gejagten Wildschweinresten oder Blut.

Falls Du mit Deinem Hund Jagen gehst, achte darauf, dass er nicht mit Schusswunden eines Wildschweines in Kontakt gerät.

Ernähre Deinen Hund auf keinen Fall mit rohem Fleisch und Innereien vom Haus- oder Wildschwein. Schon eine geringste Menge von rohem infiziertem Fleisch kann den Virus Deinem Hund übertragen.

Falls Du Deinen Hund mit Schweinefleisch fütterst: Das Schweinefleisch unbedingt gründlich abkochen oder braten!

Fazit

Auch wenn unsere Gebiete und einige EU-Länder amtlich von der Aujeszky Krankheit befreit sind. Wir dürfen nicht übersehen, dass es sich dabei um Haussschweine handelt. Das Risiko besteht weiterhin bei Wildschweinen.

Hier möchte ich die Zitate meines Schutzengels in Jägergestalt nochmal wiederholen:

„Vor-sicht ist besser als Nach-sicht!“

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Hunde insbesondere in Gebieten mit Wildschweinen mit diesem Risiko konfrontiert sind.

Deswegen:

Lieber kontrolliert spazieren gehen und mit Leine!

Lieber Schweinefleisch – egal ob Wild oder Stallzucht – gut abkochen!

Zwei winzige Verhaltensänderungen können das Leben anhaltend erfreulicher gestalten!

Ich hoffe dir mit meinen Tipps geholfen zu haben. Wenn du noch auf der Suche nach den geeigneten Futter für deinen Liebling bist empfehle ich dir in meinen ausführlichen Hundefutter Test zu lesen.

Wenn du lieber selbst kochen willst, dann empfehle ich dir noch meine 15 Tipps für Barf Anfänger.

Gefällt dir dieser Inhalt?

Jetzt bist du dran...

Ich würde gerne deine Erfahrungen hören:

Hat dir der Beitrag gefallen oder hast du noch eine Frage?

Egal was, lass es mich wissen und schreibe unten deinen Kommentar.
 
Ich werde dir persönlich darauf antworten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.