Hund Humpelt (4 Ursachen & Lösungen)

Wenn dein Hund lahmt und humpelt ist dies im ersten Moment ein Schreck. Was ist passiert und wie schlimm ist es? Muss ich jetzt sofort zum Tierarzt oder kann ich selbst erste Hilfe leisten? 

In diesem Artikel zeige ich dir, welche Ursachen das Humpeln hervorrufen können und wie du dann vorgehen solltest. Somit kannst du deinen treuen Freund gezielter und schneller unterstützen.

Schritt 1: Die Ausgangssituation

Wenn dein Hund sein Bein nachzieht, sehr steif läuft oder ihm das Aufstehen manchmal schwerfällt, hat dies meist einen Grund. Dies gilt auch, wenn er vor einer Treppe stehen bleibt, humpelt oder nicht mehr ins Auto springen möchte. 

Das Gangbild verändert sich und möglicherweise auch die Verhaltensweisen. Gereiztheit oder Aggression wären Indikatoren dafür.

Weitere Hinweise wären, wenn er:

  • Probleme hat mit einer Pfote aufzutreten
  • Muskelkrämpfe am Schenkel oder am Hinterfuß erleidet,
  • Seine Bewegungsabläufe generell nicht mehr so schwungvoll sind wie zuvor
  • Beim Lauf ein Bein besonders stark anzieht
  • Ein Bein entlastet und vorne auf den Zehenspitzen läuft (dreibeiniges Laufen)
  • Ein Bein nicht mehr im Gang verwendet und dies seitlich von sich in der Luft hält
  • Ein tragisches Ereignis erlebt hat wie einen Treppensturz oder einen anderen Unfall
  • Über zittrige Beine verfügt
  • Angeschwollene Gelenke oder Muskeln hat
  • Auf einmal brettharte Muskeln hat, gerade am Bein und am Unterleib
  • Beim Sitzen oder Liegen ein Bein nicht unter den Körper zieht, sondern es von sich wegstreckt
Manche Hunde sind gut darin, Verletzungen zu vertuschen oder zu ignorieren. So kann er nur zeitweise Humpeln und sobald er bemerkt, dass er beobachtet wird verbirgt er es.

Sobald du eines dieser Unregelmäßigkeiten und Verhaltensweisen an deinem Hund bemerkst, gilt es die Ursache festzustellen.

 

Schritt 2: Ursache feststellen

Gründe, weshalb dein Hund humpelt und lahmt, gibt es einige. Deshalb gilt es im zweiten Schritt festzustellen, welche Ursache diese Blessur hervorgerufen hat. So lässt sich im weiteren Verlauf erkennen, welche Behandlung die richtige ist.

1. Altersbedingte Ursachen für Lahmheit

Zeitweises Humpeln in der Wachstumsphase eines Junghundes werden immer wieder berichtet. Der Grund hierfür sind die Wachstumsschübe

Aber auch bei einem älteren Hund kann eine Lahmheit altersbedingt sein. Ein Beispiel hierfür wären degenerative Gelenkerkrankungen (Arthrose)

Generell wird dein Hund anfälliger für Krankheiten und auch für Lahmheit im Alter. Gelenk- und Knorpelverschleiß sowie Probleme mit der Wirbelsäule sind der Grund dafür.

2. Überanstrengung/ kleinere Verletzungen

Eine weitere Ursache kann ebenso eine sportliche Überforderung deines Hundes sein. Dies gilt besonders für Junghunde. So kann er sich eine leichte Zerrung oder einen Muskelkater zugezogen haben. Aber auch eine Schleimbeutel- oder Sehnen-Entzündung ist möglich.  

Hervorrufen kann dies beispielsweise ungewohntes Nebenherlaufen bei einer längeren Fahrradtour. 

Genau wie wir Menschen kann auch dein Hund umknicken. Wenn er in ein Loch tritt oder beim Überspringen eines Hindernisses falsch landet. Eine Verstauchung, Verrenkung oder sogar eine Sehnenzerrung können die Folge sein. Aber auch eine Muskelzerrung sowie Gelenkprobleme ausgelöst durch ein überdehntes, angerissenes oder gerissenes Kreuzband. 

Bei einem Spaziergang in der Stadt kann sich dein Hund einen Fremdkörper in die Pfoten eintreten. Dies können kleine Steinchen oder gar Glassplitter im Pfoten, Ballen oder ein Insektenstich sein. Deshalb muss die Pfote genau untersucht werden. 

Gerade ein kleiner Glassplitter ist schwer zu erkennen und muss unbedingt entfernt werden. Eine fehlerhafte Diagnose kann ein wochenlanges Humpeln nach sich ziehen.

3. Schwerere Verletzungen als Ursache

Dramatische Unfälle können natürlich auch Ursachen für Lahmheit sein. Sehnen- und Muskelrisse, Knochenbrüche sowie Probleme an der Wirbelsäule. Hervorgerufen durch einen Sturz oder falscher Landung nach einem Sprung. 

Aber Gelenk- oder Blutergüsse sowie Patellaluxation (herausgesprungene Kniescheibe) und auch Nervenschäden können Folgen sein. Auch eine Kontusion (schwere Quetschungen durch Gewalt von außen) kann dafür verantwortlich sein. Dabei gelangt in das umliegende Gewebe Blut und Gewebewasser.

4. Übergewicht

Damit dein Hund gesund und lebensfroh bleibt, ist es wichtig, auf seine Ernährung zu achten. Übergewicht kann auch Folgen auf die Bewegungsabläufe und somit die Beine haben. Gelenkkapsel-Verletzungen bzw. Gelenkprobleme gerade an der Schulter oder im Ellbogenbereich sind Folgen von zu viel Gewicht.

5. Organische Beschwerden oder Genetik

Organische Beschwerden oder genetisch bedingte Krankheiten können weitere Ursachen für Lahmheit sein. Dazu zählen unter anderem bösartige Tumore, Muskelschwund oder Osteochondrose (Wachstumsstörungen bei einem Junghund).

 

3. Schritt: Grad der Lahmheit feststellen

Die Begriffe Humpeln und Hinken sind umgangssprachlich. Lahmheit hingegen stammt aus der Veterinärmedizin und ist ein wissenschaftlich definierter Begriff. Damit wird eine Störung des Gangs beschrieben, wodurch sich diese noch in einzelne Grade unterteilen lassen:

Lahmheit 1. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist nur sehr leicht gestört.

Lahmheit 2. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist sichtbar gestört. Das betroffene Bein wird aber dennoch zur Fortbewegung eingesetzt.

Lahmheit 3. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist sehr deutlich gestört. Das betroffene Bein wird teilweise nicht mehr zur Fortbewegung eingesetzt. Teilweise hält er dieses Bein in der Luft.

Lahmheit 4. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist sehr stark gestört. Das betroffene Bein wird nicht mehr zur Fortbewegung eingesetzt und hat keinerlei Kontakt zum Boden mehr.

Sobald eine Störung eines Beins vorliegt werden andere Körperteile stärker beansprucht. Darunter sind andere Gelenke und auch die Wirbelsäule. Gerade bei Lahmheit 3. oder 4. Grades können Folgeschäden entstehen.

Welche Sofortmaßnahmen möglich sind

Wenn sich dein Hund eine leichte Zerrung oder einen Muskelkater zugezogen hat, gehören diese Blessuren nach der ersten Versorgung schnell der Vergangenheit an. Sobald sich sein Gangbild aber einen längeren Zeitraum verändert zeigt, wird es ernsthafter. Wie du dies erkennst, habe ich dir bereits am Anfang dieses Artikels bereitgestellt.

 

1. Wind aus den Segeln nehmen und den Schongang betätigen.

Sobald du eine Veränderung des Gangbildes erkennst, gilt es deinen Hund zu schonen. Das bedeutet erst einmal wenig Bewegung und auch kein Auslauf. Einzig und allein Gassi-Runden an der Leine. 

Insofern nämlich eine schlimmere Schädigung vorliegt, kann beispielsweise ein angerissenes Kreuzband komplett abreisen. Es gilt also schlimmere Verletzungen abzuwenden bzw. zu vermeiden.

2. Untersuche und taste ihn vorsichtig ab

Keiner kennt deinen Hund besser als du selbst. Aus diesem Grund solltest du auch prüfen, ob sich dein treuer Begleiter Verletzungen zugezogen hat. 

Es gilt, äußere Verletzungen zu identifizieren und gegebenenfalls auch zu behandeln. Achte dabei immer auf Schmerzreaktionen deines Vierbeiners.

  • Prüfe, ob er sich etwas zwischen die Pfoten oder Zehen eingetreten hat – dabei sollte keine Kralle vergessen werden (Auch Wolfskralle!)
  • Ganz genau absuchen auf Dornen und Glassplitter. Diese sind oftmals schwer zu erkennen und können sehr tief im Pfoten Ballen sitzen
  • Überprüfe, ob Einrisse oder wunde Stellen am Pfoten Ballen vorliegen
  • Überprüfe, ob ein Zecken- oder eventuell sogar ein Schlangenbiss vorliegt (Dies gilt vor allen Dingen dann, wenn du mit deinem Hund ausschließlich in ländlichen Region unterwegs bist)
  • Taste die Gelenke ab und überprüfe, ob diese angeschwollen sind 
  • Dies gilt auch für die Muskeln und gegebenenfalls die Lymphknoten
  • Sollte die Einschränkung der Bewegungsfreiheit aufgrund einer sportlichen Belastung aufgetreten sein, so prüfe vorsichtig, ob eine Muskelmassage hilft
  • Bewege jedes der einzelnen Gelenke einzeln – langsam und vorsichtig, achte dabei stets auf Schmerzreaktionen 
  • Lähmungserscheinungen und Koordinationsprobleme sowie ein unsicherer Gang können auf ein akutes Wirbelsäulenproblem hinweisen.

3. Weiterführende Maßnahmen

Lahmheit beziehungsweise Humpeln ist keine Krankheit. Es ist viel mehr der Weg, wie sich eine Störung der Gesundheit bemerkbar macht, also das Symptom. Aus diesem Grund muss nicht das Hinken bekämpft werden, sondern die eigentliche Ursache. 

Sobald du also auf einen Punkt gestoßen bist, der deinem Hund Schmerzen bereitet, gilt es genauer hinzusehen. Das gilt auch für Körperteile, die anders sind, als sie eigentlich sein sollten. 

Sollte dein Hund beim Abtasten mit den Pfoten Probleme haben, solltest du weiter in diese Richtung untersuchen. Das gilt auch bei Krallenverletzungen. Beispielsweise, wenn eine Kralle ab- oder eingerissen ist.

  • Für bessere Sicht bei längerem Fell diese vorsichtig kürzen.
  • Wenn möglich die Pfote reinigen und sollten Fremdkörper eingedrungen sein, diese entfernen. 
  • Pfote mit Desinfektionsspray desinfizieren.
Bei einem Sturz, wildem Herumtollen oder einem Fehltritt in ein Loch solltest du prüfen, ob ein Knochenbruch vorliegt. Für eine hundertprozentige Diagnose wird ein Röntgenbild benötigt, insofern es nicht klar erkenntlich ist – ein offener Bruch ist meist klar erkenntlich. Sollte dem nicht so sein, du es dennoch vermutest, solltest du folgende Maßnahmen ergreifen:
 
  • Damit sich die Verletzung nicht verschlimmert halte deinen Hund ruhig.
  • Die gebrochene Gliedmaße ruhigstellen und stabilisieren, bei Möglichkeit auch vorsichtig schienen.
  • Umgehend einen Tierarzt kontaktieren beziehungsweise bestellen.

WICHTIG: Bei einem offenen Bruch solltest du folgendes zu beachten!

achtung
  • Beruhige deinen Hund, damit sich die Verletzung nicht weiter verschlimmert.
  • Ein offener Bruch darf auf keinen Fall geschient werden! 
  • Mit einer sterilen Wundauflage und einem leichten Verband die Wunde vor Schmutz schützen.
  • Starke Blutungen müssen unbedingt versorgt werden! – Wenn möglich, die Blutung mittels Druckverband stoppen. Dafür die Wunde mit einem sterilen Vlies abdecken und so druckvoll verbinden, sodass kein Blut mehr austritt.
  • Sollte ein Druckverband nicht möglich sein, dann muss das Körperteil abgebunden werden. 10 MINUTEN ABBINDEN, KURZE PAUSE, UND WIEDER ABBINDEN! 
    • Dies ist NICHT am Bauch, Hals oder der Schnauze möglich. Nur am Schwanz und den Beinen. 
  • Zu guter Letzt muss dein Hund so schnell wie möglich zu einem Tierarzt!
  • Neben einem Knochenbruch können weitere Schädigungen vorliegen, die von außen gar nicht zu erkennen sind. Deshalb muss mit einer Verschlechterung des Zustands gerechnet und der Hund stets überwacht werden.

 

Wann sollte ich zum Tierarzt?

Im Zweifelsfall oder nach einem schweren Unfall solltest du deinen Tierarzt immer einen Besuch abstatten! Sollte das Hinken und Humpeln zwei Tage nach Auftreten noch nicht überstanden sein, dann selbstverständlich auch. Dies gilt außerdem, wenn die Lahmheit immer wieder ein Thema ist.

Welche Informationen sind hilfreich für deinen Tierarzt?

  1. Wann konntest du das Humpeln und Hinken zum ersten Mal feststellen?
  2. Welche Ursache könnte dafür infrage kommen? Welche Ereignisse oder Aktivitäten gingen voraus?
  3. Hatte dein Hund mit Lahmheit in der Vergangenheit schon einmal Probleme?
  4. Wie lange sind die Phasen dieser Einschränkung? (Stunden, Tage, Wochen)
  5. Fing dein Hund direkt nach dem Ereignis an, zu humpeln oder startete dies erst im weiteren Verlauf?
  6. Auch solltest du weitere Daten und Informationen zu deinem Hund bereithalten wie:
    • Alter
    • Verletzungen und Erkrankungen in der Vergangenheit
    • Züchterbescheinigungen – Ist dein Hund Dysplasie frei?
    • Diagnosen und Dokumente von Voruntersuchungen (falls vorhanden)
    • Des Weiteren ist es von Vorteil zu wissen, ob dein Hund aus dem Mittelmeerraum oder Südosteuropa stammt oder sich dort in letzter Zeit aufgehalten hat. Beispielsweise im Urlaub? – Verdacht auf Mittelmeerkrankheiten

Mein Fazit

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Wer seinen Hund liebt und schätzt kennt ihn am besten. Das bedeutet, dass jede noch so kleine Veränderung sofort erkannt wird. 

Dies gilt auch für die Bewegungsabläufe bei der Fortbewegung. Sobald du also bemerkst, dass dein Hund sich anders bewegt als sonst oder er Schmerzen beim Laufen verspürt, solltest du ihn umgehend untersuchen. 

Welche Körperteile sind davon betroffen und sind äußere Verletzungen zu erkennen?  Stelle darauffolgend fest, was die Ursache für dieses Verhalten sein könnte. Wie kam es zu dieser Blessur? 

Wenn das Humpeln nach zwei Tagen nicht nachlässt und auch deine Untersuchung zu keinem Ergebnis führt, solltest du einen Tierarzt hinzuziehen. Im Zweifelsfall kannst du dies auch sofort tun.

Weiterführende Quellen:

petmd.com
akc.org

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