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Dein Hund Humpelt? [4 Ursachen & Sofort Lösungen]

Wenn dein Hund lahmt und humpelt ist dies im ersten Moment ein Schreck. Was ist passiert und wie schlimm ist es? Muss ich jetzt sofort zum Tierarzt oder kann ich selbst erste Hilfe leisten? Genau diese Fragen und noch mehr beantworten wir dir in diesem Beitrag. Außerdem haben wir uns für diesen Artikel Beratung vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic eingeholt.

Dein Hund Humpelt? [4 Ursachen & Sofort Lösungen] 1
Artikel Übersicht

In diesem Artikel zeige ich dir, welche Ursachen das Humpeln hervorrufen können und wie du dann vorgehen solltest. Somit kannst du deinen treuen Freund gezielter und schneller unterstützen.

Schritt 1: Die Ausgangssituation

Wenn dein Hund sein Bein nachzieht, sehr steif läuft oder ihm das Aufstehen manchmal schwerfällt, hat dies meist einen Grund. Dies gilt auch, wenn er vor einer Treppe stehen bleibt, humpelt oder nicht mehr ins Auto springen möchte. 

Das Gangbild verändert sich und möglicherweise auch die Verhaltensweisen. Gereiztheit oder Aggression sind Anzeichen dafür.

Weitere Hinweise wären, wenn er:

  • Probleme hat mit einer Pfote aufzutreten
  • Muskelkrämpfe am Schenkel oder am Hinterfuß erleidet
  • Seine Bewegungsabläufe generell nicht mehr so schwungvoll sind wie zuvor
  • Beim Lauf ein Bein besonders stark anzieht
  • Ein Bein entlastet und vorne auf den Zehenspitzen läuft (dreibeiniges Laufen)
  • Ein Bein nicht mehr im Gang verwendet und dies seitlich von sich in der Luft hält
  • Ein tragisches Ereignis erlebt hat wie einen Treppensturz oder einen anderen Unfall
  • Über zittrige Beine verfügt
  • Angeschwollene Gelenke oder Muskeln hat
  • Auf einmal brettharte Muskeln hat, gerade am Bein und am Unterleib
  • Beim Sitzen oder Liegen ein Bein nicht unter den Körper zieht, sondern es von sich wegstreckt

Manche Vierbeiner sind gut darin, Verletzungen zu vertuschen oder zu ignorieren. So kann er nur zeitweise Humpeln und es verbergen, sobald er bemerkt, dass er beobachtet wird.

Sobald du eine dieser Unregelmäßigkeiten und Verhaltensweisen an deinem Schützling bemerkst, gilt es die Ursache festzustellen.

 

Schritt 2: Ursache feststellen

Gründe, weshalb dein Liebling humpelt und lahmt, gibt es einige. Deshalb gilt es im zweiten Schritt festzustellen, welche Ursache diese Blessur hervorgerufen hat. So lässt sich im weiteren Verlauf erkennen, welche Behandlung die richtige ist.

1. Altersbedingte Ursachen für Lahmheit

Zeitweises Humpeln in der Wachstumsphase eines Junghundes wird immer wieder beobachtet. Der Grund hierfür sind die Wachstumsschübe

Auch bei einem älteren Vierbeiner kann eine Lahmheit altersbedingt sein. Ein Beispiel hierfür wären degenerative Gelenkerkrankungen (Arthrose)

Generell wird deine Fellnase anfälliger für Krankheiten und auch für Lahmheit im Alter. Gelenk- und Knorpelverschleiß sowie Probleme mit der Wirbelsäule sind der Grund dafür.

2. Überanstrengung/ kleinere Verletzungen

Eine weitere Ursache kann ebenso eine sportliche Überforderung deines treuen Gefährten sein. Dies gilt besonders für Junghunde. So kann er sich eine leichte Zerrung oder einen Muskelkater zugezogen haben. Aber auch eine Schleimbeutel- oder Sehnen-Entzündung ist möglich.  

Hervorrufen kann dies beispielsweise ungewohntes Nebenherlaufen bei einer längeren Fahrradtour. 

Genau wie wir Menschen kann auch dein Liebling umknicken. Wenn er in ein Loch tritt oder beim Überspringen eines Hindernisses falsch landet. Eine Verstauchung, Verrenkung oder sogar eine Sehnenzerrung können die Folge sein. Aber auch eine Muskelzerrung sowie Gelenkprobleme ausgelöst durch ein überdehntes, angerissenes oder gerissenes Kreuzband. 

Bei einem Spaziergang in der Stadt kann sich dein haariger Begleiter einen Fremdkörper in die Pfoten eintreten. Dies können kleine Steine, Glassplitter oder Insektenstiche in den Pfotenballen sein. Deshalb muss die Pfote genau untersucht werden. 

Gerade ein kleiner Glassplitter ist schwer zu erkennen und muss unbedingt entfernt werden. Eine fehlerhafte Diagnose kann ein wochenlanges Humpeln nach sich ziehen.

3. Schwerere Verletzungen als Ursache

Schwere Unfälle können natürlich auch Ursachen für Lahmheit sein. Sehnen- und Muskelrisse, Knochenbrüche sowie Probleme an der Wirbelsäule. Hervorgerufen durch einen Sturz oder falscher Landung nach einem Sprung. 

Aber Gelenk- oder Blutergüsse und auch Nervenschäden können Folgen sein. Auch eine Kontusion (schwere Quetschungen durch Gewalt von außen) kann dafür verantwortlich sein. Dabei gelangt in das umliegende Gewebe Blut und Gewebewasser.

4. Übergewicht

Damit dein Schützling gesund und lebensfroh bleibt, ist es wichtig, auf seine Ernährung zu achten. Übergewicht kann auch Folgen auf die Bewegungsabläufe und somit die Beine haben. Gelenkkapsel-Verletzungen bzw. Gelenkprobleme gerade an der Schulter oder im Ellbogenbereich sind Folgen von zu viel Gewicht.

5. Organbeschwerden oder Genetik

Organbeschwerden oder genetisch bedingte Krankheiten können weitere Ursachen für Lahmheit sein. Dazu zählen unter anderem bösartige Tumore, Muskelschwund oder eine Ellbogendysplasie (Wachstumsstörungen bei einem Junghund).

 

Schritt 3: Grad der Lahmheit feststellen

Die Begriffe Humpeln und Hinken sind umgangssprachlich. Lahmheit hingegen stammt aus der Veterinärmedizin und ist ein wissenschaftlich definierter Begriff. Damit wird eine Störung des Gangs beschrieben, wodurch sich diese noch in einzelne Grade unterteilen lassen:

Lahmheit 1. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist nur sehr leicht gestört. Die Lahmheit ist gerade noch für einen geübten Untersucher sichtbar.

Lahmheit 2. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist sichtbar gestört. Es handelt sich um eine geringe, aber immer sicher erkennbare Lahmheit. Das betroffene Bein wird aber dennoch zur Fortbewegung eingesetzt.

Lahmheit 3. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist deutlich gestört. Das betroffene Bein wird teilweise nicht mehr zur Fortbewegung eingesetzt. Es handelt sich um eine mittelgradige, klar erkennbare Lahmheit mit Ausgleichsbewegungen von vorne nach hinten und umgekehrt.

Lahmheit 4. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist stark gestört. Es handelt sich um eine hochgradige Lahmheit mit Ausgleichsbewegungen von vorne nach hinten und umgekehrt (d.h. der Hund zeigt starke Bewegung des Kopfes bzw. der Kruppe). Das betroffene Bein wird gerade noch belastet.

Lahmheit 5. Grades: Das Gangbild deines Hundes ist sehr stark gestört. Die Gliedmaße wird im Schritt bzw. Trab nur an der Zehenspitze (d.h. Kralle) oder gar nicht belastet. Der Hund bewegt sich auf 3 Beinen hüpfend fort.

Sobald eine Störung eines Beins vorliegt werden andere Körperteile stärker beansprucht. Darunter sind andere Gelenke und auch die Wirbelsäule. Gerade bei Lahmheit 4. oder 5. Grades können Folgeschäden entstehen.

Sofortmaßnahmen

Wenn sich dein Liebling eine leichte Zerrung oder einen Muskelkater zugezogen hat, gehören diese Blessuren nach der ersten Versorgung schnell der Vergangenheit an. Sobald sich sein Gangbild aber einen längeren Zeitraum verändert zeigt, wird es ernsthafter. Wie du dies erkennst, habe ich dir bereits am Anfang dieses Artikels bereitgestellt.

1. Wind aus den Segeln nehmen und den Schongang betätigen.

Sobald du eine Veränderung des Gangbildes erkennst, gilt es deinen Liebling zu schonen. Das bedeutet erst einmal wenig Bewegung und auch kein Auslauf. Einzig und allein Gassi-Runden an der Leine. 

Insofern nämlich eine schlimmere Schädigung vorliegt, kann beispielsweise ein angerissenes Kreuzband komplett abreisen. Es gilt also schlimmere Verletzungen zu vermeiden.

2. Taste ihn vorsichtig ab

Keiner kennt deinen Schützling besser als du selbst. Aus diesem Grund solltest du auch prüfen, ob sich dein treuer Begleiter Verletzungen zugezogen hat. 

Es gilt äußere Verletzungen zu identifizieren und gegebenenfalls auch zu behandeln. Achte dabei immer auf Schmerzreaktionen deiner Fellnase.

  • Prüfe, ob er sich etwas zwischen die Pfoten oder Zehen eingetreten hat – dabei sollte keine Kralle vergessen werden (Auch Wolfskralle!)
  • Suche ihn genau auf Dornen und Glassplitter ab. Diese sind oftmals schwer zu erkennen und können sehr tief im Pfoten Ballen sitzen
  • Überprüfe, ob Einrisse oder wunde Stellen am Pfoten Ballen vorliegen
  • Überprüfe, ob ein Zecken- oder eventuell sogar ein Schlangenbiss vorliegt (Dies gilt vor allen Dingen dann, wenn du mit deinem Liebling ausschließlich in ländlichen Region unterwegs bist)
  • Taste die Gelenke ab und überprüfe, ob diese angeschwollen sind 
  • Dies gilt auch für die Muskeln und gegebenenfalls die Lymphknoten
  • Sollte die Einschränkung der Bewegungsfreiheit aufgrund einer sportlichen Belastung aufgetreten sein, so prüfe vorsichtig, ob eine Muskelmassage hilft
  • Bewege jedes der einzelnen Gelenke einzeln – langsam und vorsichtig, achte dabei stets auf Schmerzreaktionen 
  • Lähmungserscheinungen und Koordinationsprobleme sowie ein unsicherer Gang können auf ein akutes Wirbelsäulenproblem hinweisen.

3. Weiterführende Maßnahmen

Lahmheit beziehungsweise Humpeln ist keine Krankheit. Es ist ein Symptom, durch das sich eine Störung der Gesundheit bemerkbar macht. Aus diesem Grund muss nicht das Hinken bekämpft werden, sondern die eigentliche Ursache. 

Sobald du also auf einen Punkt gestoßen bist, der deinem Vierbeiner Schmerzen bereitet, gilt es genauer hinzusehen. Das gilt auch für Körperteile, die anders sind, als sie eigentlich sein sollten. 

Sollte dein Vierbeiner beim Abtasten mit den Pfoten Probleme haben, solltest du weiter in diese Richtung untersuchen. Das gilt auch bei Krallenverletzungen. Beispielsweise, wenn eine Kralle ab- oder eingerissen ist.

  • Wenn möglich die Pfote reinigen und sollten Fremdkörper eingedrungen sein, diese entfernen. 
  • Pfote mit Desinfektionsspray desinfizieren.
  • Das Fell bei Bedarf kürzen
Bei einem Sturz, wildem Herumtollen oder einem Fehltritt in ein Loch solltest du prüfen, ob ein Knochenbruch vorliegt. Für eine hundertprozentige Diagnose wird ein Röntgenbild benötigt, insofern der Bruch nicht klar erkenntlich ist. Vermutest du einen Knochenbruch, solltest du folgende Maßnahmen ergreifen:
 
  • Damit sich die Verletzung nicht verschlimmert halte deinen Hund ruhig.
  • Die gebrochene Gliedmaße ruhigstellen und stabilisieren.
  • Umgehend einen Tierarzt kontaktieren beziehungsweise bestellen.
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WICHTIG: Bei einem offenen Bruch solltest du folgendes beachten!

  • Beruhige deinen Liebling, damit sich die Verletzung nicht weiter verschlimmert.
  • Ein offener Bruch darf auf keinen Fall geschient werden! 
  • Mit einer sterilen Wundauflage und einem leichten Verband die Wunde vor Schmutz schützen.
  • Starke Blutungen müssen unbedingt versorgt werden! – Wenn möglich, die Blutung mittels Druckverband stoppen. Dafür die Wunde mit einem sterilen Vlies abdecken und so druckvoll verbinden, sodass kein Blut mehr austritt. 
  • Zu guter Letzt muss dein Vier so schnell wie möglich zu einem Tierarzt!
  • Neben einem Knochenbruch können weitere Schädigungen vorliegen, die von außen gar nicht zu erkennen sind. Deshalb muss mit einer Verschlechterung des Zustands gerechnet und der Hund stets überwacht werden.

Merke dir also folgende Infografik

Hund humpelt

Wann sollte ich zum Tierarzt?

Im Zweifelsfall oder nach einem schweren Unfall solltest du deinem Tierarzt immer einen Besuch abstatten! Sollte das Hinken und Humpeln zwei Tage nach Auftreten noch nicht überstanden sein, dann selbstverständlich auch. Dies gilt außerdem, wenn die Lahmheit immer wieder vorkommt.

Welche Informationen sind hilfreich für deinen Tierarzt?

  1. Wann konntest du das Humpeln und Hinken zum ersten Mal feststellen?
  2. Welche Ursache könnte dafür infrage kommen? Welche Ereignisse oder Aktivitäten gingen voraus?
  3. Hatte dein Hund mit Lahmheit in der Vergangenheit schon einmal Probleme?
  4. Wie lange sind die Phasen dieser Einschränkung? (Stunden, Tage, Wochen)
  5. Fing dein Hund direkt nach dem Ereignis an, zu humpeln oder startete dies erst im weiteren Verlauf?
  6. Auch solltest du weitere Daten und Informationen zu deinem Hund bereithalten wie:
    • Alter
    • Verletzungen und Erkrankungen in der Vergangenheit
    • Diagnosen und Dokumente von Voruntersuchungen (falls vorhanden)
    • Des Weiteren ist es von Vorteil zu wissen, ob dein Hund aus dem Mittelmeerraum oder Südosteuropa stammt oder sich dort in letzter Zeit aufgehalten hat. Beispielsweise im Urlaub? – Verdacht auf Mittelmeerkrankheiten

Häufig gestellte Fragen

Humpeln kann bei einem Hund viele Ursachen haben. Sie können harmlos oder auch ernst sein. Sie reichen von leichten Prellungen oder Verstauchungen zu Knochenbrüchen, Entzündungen oder Arthrose. 

Je nach dem wie dein stark das Lahmen deines Hundes ausfällt, musst auch du reagieren. Humpelt dein Hund kaum merkbar und hört nach kurzer Zeit wieder auf, solltest du ihn fürs Erste nur genauer beobachten. Humpelt er sehr stark und zeigt deutliche Anzeichen von Schmerzen, solltest du ihn ruhigstellen und einen Tierarzt aufsuchen.

Wenn dein Hund einen offenen Bruch hat, musst du ihn unbedingt beruhigen, stillhalten und davon abhalten sich noch mehr zu verletzen. Decke den Bruch ab, um ihn vor Verunreinigungen zu schützen und lege einen Druckverband an, falls er stark blutet. Dann bring deinen Hund sofort zum Tierarzt.

Wenn das Humpeln nach zwei Tagen nicht aufhört, schlimmer wird und noch andere Symptome wie Fieber dazu kommen, solltest du deinen Hund sofort zum Tierarzt bringen.

Beobachte deinen Hund sehr genau. Untersuche sein lahmes Bein und Pfote auf Verletzungen oder Fremdkörper. Taste ihn behutsam und genau ab. Kontrolliere auch seine Krallen. Wenn er empfindlich reagiert, kannst du die verletzte Stelle orten.

Empfehlung vom Tierarzt

Wer seinen Hund liebt und schätzt, kennt ihn auch am besten. Das bedeutet, dass jede noch so kleine Veränderung sofort erkannt wird. 

Das gilt auch für die Bewegungsabläufe bei der Fortbewegung. Sobald du also bemerkst, dass dein Schützling sich anders bewegt als sonst oder er Schmerzen beim Laufen verspürt, solltest du ihn umgehend untersuchen. 

Welche Körperteile sind davon betroffen und sind äußere Verletzungen zu erkennen?  Stelle darauffolgend fest, was die Ursache für dieses Verhalten sein könnte. Wie kam es zu dieser Blessur? 

Wenn das Humpeln nach zwei Tagen nicht nachlässt und auch deine Untersuchung zu keinem Ergebnis führt, solltest du einen Tierarzt hinzuziehen. Im Zweifelsfall kannst du dies auch sofort tun.

Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic
Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Ich bin Tierarzt und Autor für Tiergesundheitsthemen. Tiere sind meine Leidenschaft und es ist mir ein persönliches Anliegen, medizinisch akkurate Artikel und Videos zu erstellen, um Tierbesitzer so gut es geht zu informieren.

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