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7 Vor & Nachteile einer Kastration beim Rüden

Hast du auch einen Rüden? Dann stehst du genau wie ich irgendwann vor der Entscheidung, ob eine Kastration bei ihm Sinn macht.

Deswegen habe ich mich bei vielen Tierärzten und Experten erkundigt. Außerdem habe ich mit Hundebesitzern geredet, deren Rüde eine Kastration hinter sich hat.

Diese Informationen möchte ich mit dir in diesem Ratgeber gerne teilen und hoffe, dass es dir bei deiner Entscheidung weiterhilft.

Artikel Übersicht

Was ist eine Kastration?

Eine Kastration ist ein chirurgischer Eingriff unter Narkose, bei dem die Keimdrüsen eines Hundes entfernt werden. Bei Rüden sind es die Hoden, bei einer Hündin die Eierstöcke.

Dagegen werden bei einer Sterilisation die Keimdrüsen außer Funktion gesetzt. Hier werden bei der Hündin die Eileiter blockiert. Beim Rüden werden die Samenleiter durchtrennt. Die Sterilisation beim Rüden wird meistens Vasektomie genannt.

Beide Eingriffe stoppen die Fruchtbarkeit.

Was sagen Gesetze und Tierschutz dazu?

Hund schläft auf Büchern

Das Wohl von Tieren wird durch das Tierschutzgesetz geregelt. 

Demnach darf einem Tier laut Paragraph eins ohne vernünftigen Grund keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Die Paragraphen fünf und sechs regeln Eingriffe an Tieren. Demnach verbietet das Gesetz die Amputation von Körperteilen bei Wirbeltieren ohne medizinischen Grund. 

Das heißt, ein Hundehalter darf sich nicht aus reiner Bequemlichkeit dazu entscheiden, seine Fellnase kastrieren zu lassen. 

Es muss ein triftiger Grund für eine Kastration vorliegen, der die Lebensqualität deines Schützlings eventuell verbessern könnte. 

Dies darf nur dein Tierarzt entscheiden. Auch der Eingriff selbst darf nur von einem Tierarzt vorgenommen werden.

Vorteile einer Kastration

1. Verhaltensstörungen

Manche Hundebesitzer entscheiden sich für eine Kastration ihres Rüden, weil sein Verhalten Probleme bereitet. Bei diesen Verhaltensstörungen handelt es sich meistens um folgende:

  • Aggressivität gegenüber anderen Hunden oder auch Menschen
  • Hyperaktivität
  • Angstzustände
  • Sexualverhalten des Rüden (Streunen, Jaulen, Unruhe, Appetitlosigkeit, Urinieren, Aufspringen)
  • Ungehorsamkeit

Leider ist die Kastration kein Geheimmittel für solche Verhaltensstörungen.

Es besteht die Möglichkeit, dass sich solche Verhaltensstörungen durch die Kastration legen oder ganz verschwinden. Allerdings hängt dies auch stark von der Erziehung ab.

In der Zwischenzeit angelerntes Fehlverhalten wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nach der Kastration nicht legen.

Die Operation verspricht nur eine eventuelle Besserung von Störungen, die durch sexuelle Hormone gesteuert sind. 

Allerdings kann das Risiko auch nach einer OP bestehen, wenn der Rüde zum Beispiel schon älter ist. In diesem Fall wäre das Fehlverhalten schon angelernt. 

Manche Rüden haben ein extremes Sexualverhalten. Falls sich in der nahen Umgebung eine läufige Hündin aufhält, wird er besonders empfindlich.

Er könnte sein Futter verweigern, entlaufen oder ständig jaulen und damit die Nachbarschaft stören. Hier kann eine Kastration durch das Sinken des Sexualtriebs tatsächlich hilfreich sein.

Ob eine Kastration einen positiven Einfluss auf das unerwünschte Verhalten deines Hundes hat, kannst du mit einem sogenannten „Kastrations-Chip“ überprüfen.

Dieser Chip wird implantiert. Er simuliert mit bestimmten Hormonen eine Kastration. Je nachdem ob sich nun das Verhalten deines Pelzträgers verbessert, kannst du entscheiden, ob eine Kastration sinnvoll ist.

2. Fortpflanzungskontrolle

Die Fortpflanzungskontrolle durch eine Kastration spielt in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Das ist nicht überall in der EU so. Insbesondere in Ländern, wo es noch zahlreiche Straßenhunde gibt, steht bei der Kastration die Fortpflanzungskontrolle an erster Stelle.

Leben in einem Haushalt Rüde und Hündin zusammen, kannst du deinen Tierarzt nach alternativen Verhütungsmethoden fragen, falls du gegen eine Kastration bist. 

3. Medizinische Ursachen

Verschiedene medizinische Gründe können eine Kastration unabdingbar machen. 

Dabei kann eine Kastration sogar das Leben deines Rüden retten. Insbesondere bei folgenden Krankheiten, ist eine Kastration ein unumgängliches Verfahren:

  1. Hormonbedingte Hypersexualität oder Hormonstörungen
    Hormonstörungen beim Rüden oder auch Hypersexualität können für ihn eine enorme Last sein und seine Lebensqualität stark beeinträchtigen.

    Manche Rüden verweigern bei der Läufigkeitssaison ihr Futter, jaulen und sind sehr unruhig. Auch können sie in solchen Zeiten sehr aggressiv gegenüber anderen Rüden sein.

    Manche Hormonstörungen beim Rüden wie der Hyperöstrogenismus können sogar zu Tumoren führen. Beim Hyperöstrogenismus liegt eine Überproduktion der weiblichen Hormone vor. Andere Rüden können sogar den kastrierten Rüden auf einmal attraktiv finden. 

  2. Kryptorchismus
    Kryptorchismus ist eine Lageanomalie des Hodens. Der Hoden ist vorübergehend oder dauernd außerhalb des Hodensacks. Die Ursache ist ein unvollständiger Hodenabstieg. Diese können zu einer tumorösen Entartung neigen.

  3. Prostataerkrankungen 
    Prostataerkrankungen tauchen im Allgemeinen bei älteren Rüden auf. Dabei handelt es sich meistens um eine gutartige Vergrößerung der Prostata.

    Bei fortgeschrittener Größe der Prostata kann die Defäkation schwieriger und schmerzhaft sein. Auch kann aus der Harnröhre eine blutige Flüssigkeit hervorkommen oder der Urin selbst kann blutig sein.

    Bei einer Kastration verkleinert sich die Prostata im Allgemeinen schnell, da die Wirkung der männlichen Sexualhormone wegfällt.

  4. Hodentumore 
    Es gibt verschieden Arten von Hodentumoren. Sie kommen meistens bei älteren Rüden vor. Nicht alle sind bösartig. Ob bösartig oder nicht, hier wird meistens eine Kastration empfohlen.

  5. Perianaldrüsentumore 
    Perianaldrüsen sind Drüsen im Umfeld des Afters. Diese können tumorös entarten. 80% dieser Tumore sind gutartig. Die Prognosen bei einer Entfernung dieser Tumore und einer Kastration sind im Allgemeinen gut.

Nachteile einer Kastration (Risiken)

trauriger hund icon

Du darfst nicht vergessen, dass eine Kastration ein operativer Eingriff ist, den dein Tierarzt unter Narkose vornimmt. Jeder operativer Eingriff unter Narkose bringt Risiken mit sich. Insbesondere bei fortgeschritten Alter.

Auch die Kastration selbst kann unerwünschte Folgen haben. Es kann zu Nachblutungen im Hodensack kommen. So kann sich die Naht durch starke Bewegungen die lockern.

Gerinnungsstörungen können zu einer erhöhten Blutung führen.

Lecken an der Wunde kann zu einer Nachblutung und zu Infektionen führen.

Bitte besprich deswegen im Vorfeld die Risiken mit deinem Tierarzt. Du kannst viele dieser Gefahren mit einer entsprechenden Vorkehrung verhindern.

Nach einer Kastration besteht das Risiko einer Gewichtszunahme. Bei Rüden ist die Gewichtszunahme nicht so ausgeprägt wie bei Hündinnen. 

Die Geschlechtshormone regulieren Appetit und den Stoffwechsel. Nach einer Kastration fällt die Wirkung dieser Hormone weg. So hat ein kastrierter Vierbeiner mehr Appetit, allerdings auch einen niedrigeren Energiebedarf.

Die Gewichtszunahme ist vermeidbar. Du kannst bei deinem Rüden für mehr Bewegung sorgen und seine Ernährung umstellen. Gerne kannst du zu diesem Thema auch unsere Seite „Futter für kastrierte Hunde“ besuchen.

Bei manchen Hunderassen kann es nach einer Kastration zu Fellveränderungen kommen. Gerade bei langhaarigen Rassen soll man ein starkes Wachstum der Unterwolle beobachten können. Allerdings beruhen diese Behauptungen mehr auf Erfahrungen als auf wissenschaftlichen Erhebungen.

Ab welchem Alter sollte kastriert werden?

Ab welchem Alter ein Rüde kastriert werden sollte, hängt von vielen Umständen, den Gründen und Risikofaktoren ab. Es ist nicht möglich, darauf eine pauschale Antwort zu geben.

Rüden, die jünger sind als ein Jahr, sollten nicht kastriert werden. Denn es gibt Berichte, dass sich kastrierte Junghunde nach der OP aggressiv verhalten.

Im Allgemeinen sollte der Rüde ausgewachsen sein. Denn der Rüde braucht die  Geschlechtshormone für seine Entwicklung. Eine zu frühe Kastration könnte die gesunde Entwicklung seines Körpers beeinträchtigen. Auch sein Sozialverhalten könnte sich verschlechtern.

Grundsätzlich kann eine Kastration bei ausgewachsenen Vierbeinern in jedem Alter erfolgen. Bei älteren Tieren ist die Operation mit einem höheren Narkoserisiko verbunden. Besonders hoch ist es, wenn zusätzliche Risikofaktoren, wie Übergewicht oder Herzerkrankungen, hinzukommen.

Was sollte ich vor der OP beachten?

Du solltest ein Tag vor und mindestens ein Tag nach dem OP-Termin Urlaub nehmen. Nach der OP sollte unbedingt jemand  24 Stunden lang deinen Schützling überwachen, bis er wieder munter ist.

  • Vor der OP muss dein Liebling nüchtern sein. Deswegen darfst du ihm 12 Stunden vorher nichts mehr zu Fressen geben. Sein Trinkwasser sollte er allerdings immer bereit haben. Kurz vor der OP wäre es gut, wenn du mit deinem treuen Begleiter noch kurz „Pippi“ gehst.
  • Bereite in deiner Wohnung einen Ruheplatz für deinen Liebling vor. Der Bereich sollte leise und ruhig gelegen sein. Hier kann er sich danach erholen.
  • Vergiss nicht, dass dein haariger Freund nach Aufwachen aus der Narkose noch eine Weile Schwierigkeiten haben wird, sein Gleichgewicht zu halten. Entferne alle Gegenstände in der Umgebung, an denen er sich beim Taumeln verletzen könnte. Außerdem sollte er nicht die Möglichkeit dazu haben, auf Möbel zu springen.
  • Es wäre gut, wenn sich bei dir kein Besuch aufhält, insbesondere Personen, die dein Vierbeiner nicht kennt oder mag.
  • Für den Transport nach der OP, solltest du für deinen Liebling einen angenehmen Liegeplatz im Auto oder in der Transportbox vorbereiten. Polstere den Platz mit saugfähigem Material aus. Denn es kann sein, dass er nach der OP uriniert oder aufgrund der Narkose erbricht.

Was muss ich nach der OP beachten?

Es sollte dich beim Abholen eine Person begleiten, die deiner Fellnase vertraut ist. Denn alleine könnte sich der Transport für dich schwierig gestalten.

  • Während der Fahrt nach Hause solltest du sehr vorsichtig fahren und holprige Straßen vermeiden.
  • Bringe deinen Schützling sofort an seinen Erholungsplatz. Es wäre gut, wenn du das Zimmer oder den Bereich verdunkelst.
  • Ruhe ist angesagt! Hunde sind nach einer Narkose meistens geräuschempfindlich.
  • Wenn dein Vierbeiner es gewohnt ist in der Hundebox zu bleiben und genügend Platz vorhanden ist, kannst du ihn bei geöffneter Tür darin lassen. So kannst du einfacher kontrollieren, ob er schon munter genug ist.
  • Du solltest deinem Pelzträger erst wieder Futter geben, nachdem er richtig wach ist. Das ist meistens acht bis zwölf Stunden nach der OP. Die Nahrung sollte leicht und gut verträglich sein. Wasser darf er immer trinken.
  • Vermeide in den darauf folgenden Tagen lange Spaziergänge mit ihm. Halte ihn draußen immer an der Leine. So kannst du auch sein Tempo besser bestimmen. Außerdem darfst du nicht mit ihm spielen. Zu viel Aktivität kann die Wunde strapazieren.
  • Vermeide den Kontakt mit anderen Hunden, bis seine Wunde ausgeheilt ist.
  • Dein Vierbeiner darf seine Wunde nicht ablecken. Er könnte versuchen, an der Naht zu zerren oder zu knabbern. Hier ist es am besten, wenn du ihm eine Halskrause umlegst. Er könnte sich zu Anfang dagegen sträuben und versuchen, sie loszuwerden. Mit ein bisschen Geduld wird er sich daran gewöhnen. Wichtig ist, dass er seine Wunde nicht berühren kann.
  • Bis die Wund ausgeheilt ist, solltest du deinen Liebling immer gut beobachten. Wie geht der Heilvorgang der Wunde voran? Wie ist sein Verhalten?
  • Falls du irgendetwas Sonderbares bemerken solltest, musst sofort Kontakt mit deiner Tierpraxis aufnehmen.

Alternative zur Kastration

hunde gesicht icon

Die bekannteste Alternative zur Kastration ist der Hormonchip, der auch chemische Kastration genannt wird. Die genaue Bezeichnung des Chips heißt Suprelorin-Implantat.

Er enthält das Hormon Deslorelin, der die Hoden des Rüden normalerweise anregt. Allerdings wird die Aktivität in den Hoden vermindert, wenn ständig eine kleine Menge Deslorelin ausgeschüttet wird.

Somit wird der sexuelle Antrieb und die Fortpflanzungsfähigkeit verhindert.

Der Chip hat eine Wirkung für sechs bis zwölf Monate. Es dauert etwa sechs Wochen, bis die Implantation völlig wirkt.

Für das Einsetzen des Chips wird keine OP durchgeführt. Auch ist eine Betäubung nicht nötig. Es wird mit einer Spritze in den Körper des Rüden implantiert. Nach der Wirkungsdauer zersetzt sich der Chip im Körper von selbst.

Auch bei der chemischen Kastration kann es zu Fellveränderungen, Gewichtszunahme, geringe Aktivität kommen.

Sollte der Chip vom Körper entfernt werden normalisiert sich der Hormonspiegel des Rüden wieder. Er wird also wieder zeugungsfähig.

Der Hormon-Chip kann auch eine Entscheidungshilfe für eine operative Kastration sein.

Ob der Chip Tumor-Erkrankungen begünstigt, ist nicht nachgewiesen. 

Es gibt auch chemische Spritzen und Tabletten, die ähnliche Wirkung haben. Allerdings ist deren Wirkungszeit kürzer, sodass sie etwa alle sechs Wochen verabreicht werden müssen.

Häufig gestellte Fragen

Die Kastration bei Rüden kann für eine positive Verhaltensänderung bei aggressivem Verhalten und anderen Störungen sorgen. Außerdem verhindert sie die ungewollte Fortpflanzung. Auch gewisse medizinische Ursachen machen eine Kastration unabdingbar, wie beispielsweise ein Hodentumor.

Eine Kastration beim Rüden kostet zwischen 45 und 140 Euro. Dieser Preis ist durch die Deutsche Gebührenordnung der Tierärzte festgelegt. Dieser Preis betrifft nur die OP kosten.

Um eine normale Entwicklung des Hundes zu ermöglichen, sollte er erst nach der Vollendung des ersten Lebensjahres kastriert werden. Ab diesem Zeitpunkt kann die Kastration nach Absprache mit dem Tierarzt jeder Zeit erfolgen.

Es gibt einen Hormonchip, der wie eine chemische Kastration wirkt. Der Chip hat denselben Effekt wie eine operative Kastration und wirkt bis zu zwölf Monate lang. Dadurch kann getestet werden, ob eine Kastration beispielsweise für eine Verhaltensbesserung Sinn macht.

Eine Operation unter Vollnarkose birgt immer die Gefahr von lebensgefährlichen Komplikationen, gerade bei alten oder kranken Tieren. Außerdem kann es nach der OP zu Infektionen oder Blutungen kommen. 

Merke dir also diese Infografik

Kastration Rüde

Mein Fazit

Solange dein Rüde nicht an einer Erkrankung leidet, kannst du eine chemische Kastration ausprobieren, um danach entscheiden zu können, ob eine operative Kastration sinnvoll ist.

Bitte bedenke, dass du eine operative Kastration nicht mehr rückgängig machen kannst.

So oder so wird eine operative Kastration sowohl für deinen Liebling als auch für dich eine „Umstellung“ bedeuten. Nicht nur zu Hause oder bei seiner Ernährung, sondern auch draußen:

Seine Artgenossen, die ihn bereits kennen, werden zu Anfang anders auf ihn reagieren. Das liegt daran, dass er nach dem Eingriff ganz anders riechen wird.

Deswegen solltest du dir bei der Entscheidung Zeit lassen und nicht voreilig handeln.

Eventuell wäre es gut, wenn du dir dabei zusätzlichen Rat von einem zweiten Tierarzt oder einem Verhaltenstherapeuten nimmst.

Verfasst von Sandra Maier
Verfasst von Sandra Maier

Ich bin Medizin Journalistin und spezialisiert auf das Thema Hunde Gesundheit. Ich bilde mich in diesem Themen laufend fort und aktualisiere regelmäßig die Artikel mit neuen Erkenntnissen und Tipps.

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