Ohrmilben beim Hund (Der große Ratgeber + Praxis Tipps)

Kratzt sich Dein Hund sehr häufig? Zeigt er andere ungewöhnliche Verhaltensweisen mit dem Kopf? 

Dann könnte es sich um Ohrmilben handeln. Eine Infektion mit diesem Parasiten ist für deinen Hund äußerst unangenehm und kann bei nicht Behandlung zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. 

Was genau eine Ohrräude ist, was die Symptome sind, wie sie behandelt werden kann und wie Du der Infektion am besten vorbeugst, erfährst Du in diesem Artikel. 

Was sind Ohrmilben beim Hund?

Ohr

In unserem großen Ratgeber zu Milben haben wir dir unter anderem die Ohrmilbe vorgestellt. Bei Ohrmilben handelt es sich um Parasiten, die auch unter den Bezeichnungen „Räudemilben“ oder „Otodectes cynotis“ bekannt sind. Es sind winzig kleine Tierchen, die mit den bloßen Augen kaum zu erkennen sind. 

Ein Befall bei Hunden kommt recht selten vor und tritt vor allem bei jungen Tieren auf. Erfahrungsgemäß toleriert der betroffene Wirt die Ohrmilben relativ gut, und oftmals werden sie erst erkannt, wenn sich die Infektion schon stark ausgebreitet und deutliche gesundheitliche Schäden verursacht hat. 

Räudemilben besiedeln bevorzugt die Ohren, die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang von fleischfressenden Tieren. Dort ernähren sie sich von Ohrenschmalz und Hautschuppen. 

Haben sie von einem Hörorgan erst einmal Besitz genommen und es erfolgt keine Gegenmaßnahme, vermehren sie sich rasant und breiten sich immer mehr aus. Die Weibchen legen 15 bis 20 Eier, und nach drei Wochen schlüpfen die Nachkommen aus.

Symptome erkennen

Ist Dein Hund mit den Parasiten infiziert, erkennst Du dies an seinem ungewohnten Verhalten. Da die Milben einen erhöhten Juckreiz auf der Haut verursachen, versucht er die Qualen auf verschiedene Weise zu beseitigen:

  • Intensives Kratzen am befallenen Ohr 
  • Reiben des Kopfes an harten Gegenständen und am Boden 
  • Unkoordinierte Kopfbewegungen 
  • Schütteln des Kopfes beziehungsweise der Ohren
Hält der Befall an und die Milben breiten sich immer weiter aus, verstärken sich auch die körperlichen Symptome:
 
  • Die Ohren zeigen eine braun-schwarze Verschmutzung 
  • Die Haut zeigt Abschürfungen, Verkrustungen, verstärkte Schuppenbildung, rote Stellen oder sie blutet 
  • Fellhaare an den Ohren fallen ab und kahle Stellen entstehen 
  • Die Menge an Ohrenschmalz verstärkt sich 
  • Das Tier hält des Öfteren den Kopf schief 
  • Das Ohr ist abgeknickt oder hängt 
  • Der Hund ist unruhig, wirkt krank und fiept 
  • Er zeigt beim Gehen Gleichgewichtsstörungen
Die Zunahme von Ohrenschmalz entsteht durch den Speichel, den die Milben auf der Haut ausbringen. Das Sekret schafft die ideale Voraussetzung für die Ausbreitung von Keimen und Bakterien. Die Folge ist eine bakterielle Infektion.
 
Durch eine späte Behandlung und Verschleppung der Krankheit kann der Hund zusätzliche gesundheitliche Schäden erleiden:
 
  • Eine schwer zu behandelnde Mittelohrentzündung 
  • Eine Beschädigung des Trommelfells 
  • Dauerhafte Taubheit 
  • Ein sogenanntes Blutohr, bei der in der Ohrmuschel ein Bluterguss entsteht. Die Behandlung muss der Tierarzt unter Narkose durchführen.

 

Die Untersuchung durch den Tierarzt

Eine Ohrräude verschwindet nicht von selbst, und die medizinische Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen. Stellst Du einen anhaltenden Juckreiz bei Deinem Hund fest, musst Du sofort mit ihm zum Tierarzt gehen. 

Die Untersuchung ist nicht einfach, da die kleinen Lebewesen sehr schwer zu entdecken sind. Ein kompetenter Arzt betrachtet Deinen Vierbeiner zu aller erst ganzheitlich, macht sich einen Eindruck von seinem Allgemeinzustand und misst Fieber. 

Anschließend untersucht er die Ohren nach Spuren von Parasiten und stellt fest, ob bereits eine bakterielle Entzündung vorliegt. Für diese Untersuchung verwendet er ein Otoskop. 

Das ist ein handliches medizinisches Gerät mit einer beleuchteten Lupe. Mit diesem kann man den Gehörgang und das Trommelfell eines Patienten auf einfache Weise, schonend und sehr genau untersuchen. Die Milben reagieren auf das Licht des Otoskops, werden beweglicher und sind dadurch leichter zu entdecken.

Im Anschluss an die Untersuchung nimmt der Arzt einen Abstrich am Innenbereich des Ohres und untersucht diesen anhand eines Mikroskops nach den Milben und deren Eier.

Die richtige Behandlung

Stellt Dein Arzt die Ohrräude sicher fest, beginnt die Behandlung. Er reinigt die Ohren gründlich, sucht sie nach möglichen Schäden ab und testet die Funktion des Trommelfells. 

Ist das Trommelfell geschädigt, muss er tiefer greifende medizinische Maßnahmen vornehmen. Ist das Trommelfell intakt, reibt er eine spezielle, Milben abtötende Salbe an die befallenen Stellen am Ohr. 

Die Salbe mildert außerdem den Juckreiz, wodurch die Entstehung weiterer Schäden am Ohr und Infektionen verhindert werden. Die Behandlung findet 3x täglich statt. In der Regel wirkt die Salbe rasch. Die meisten Milben sind nach den ersten Einreibungen vernichtet und es tauchen keine weiteren Parasiten mehr auf. 

Damit aber auch noch mögliche übrig gebliebene Eier und neu ausgeschlüpfte Parasiten verschwinden, erfolgt eine wiederholte Behandlung nach einer Pause von ungefähr einer Woche. Konnte die Infektion sich schon sehr stark ausprägen, kann das tägliche Auftragen der Salbe notwendig werden. 

Nach ungefähr drei Wochen Behandlungsdauer ist ein erneuter Besuch beim Tierarzt ratsam. Dieser stellt anhand einer weiteren Untersuchung fest, ob auch alle Plagegeister beseitigt sind. 

Falls zusätzlich zum Milbenbefall eine Entzündung des Gehörgangs entstanden ist, wird Dein Tierarzt eventuell eine Antibiotika verschreiben. Oftmals empfiehlt er zusätzlich ein sogenanntes Spot-On Präparat zur Behandlung von Ohrmilben. Dieses trägst Du auf den Nacken Deines Hundes auf, wo er mit dem Maul nicht hinkommt und es ablecken kann. 

Damit Dein Hund keine dauerhaften Beeinträchtigungen seiner Gesundheit erleiden muss, ist die rechtzeitige und gründliche Behandlung notwendig. Eine Milbe hat einen Überlebenszeitraum von ungefähr 21. Tagen. 

Dabei fühlen sie sich nicht nur im Ohr Deines Hundes wohl, sondern können auch außerhalb einige Wochen überleben. Bei einer Infektion ist es ratsam, das Halsband Deines Hundes und seinen Schlafplatz gründlich zu reinigen. 

Leben in Deinem Haushalt noch andere Vierbeiner? Dann sollten Sie ebenfalls untersucht werden. Außerdem solltest Du den Kontakt Deines Hundes mit anderen Tieren nach Möglichkeit vermeiden.

Übrigens können sich die Tiere auch untereinander gegenseitig anstecken.

Wie Du einen erneuten Milbenbefall vorbeugst

Vorbeugen

Bestimmte Vorsichtsmaßnahmen verhindern eine Ohrräude:

Wichtig ist eine regelmäßige und sanfte Reinigung der Ohren. 

Dazu gut geeignet sind Feuchttücher für Babys. Diese sind in Drogeriemärkten und Supermärkten erhältlich. Wichtig ist, dass sie pH-neutral und ohne Duftstoffe sind. 

Gegen leichte Reizungen kann Kamillentee helfen. Dazu gibst Du einige Tropfen auf einen Wattebausch und reinigst den äußeren Bereich der Ohrmuschel. 

Eine Reinigung des inneren Ohrbereiches und des Gehörganges mit Wattestäbchen solltest Du vermeiden. Auf diese Weise kann das empfindliche Trommelfell leicht Schaden nehmen.

Mein Fazit

Nicht jeder Juckreiz am Ohr muss unbedingt auf Ohrmilben deuten. 

Dennoch solltest Du Deinen Hund bei auffälligen Verhaltensänderungen gut beobachten und nicht lange zögern, wenn diese nicht in 1-2 Tagen von selbst abklingen.

Nehme Kontakt mit Deinem Tierarzt oder einem Tierheilpraktiker auf, damit eine sichere Diagnose gestellt werden kann. Denn ohne eine handkräftige Diagnose kann jede Behandlung den Bach herunter gehen – auch wenn sie noch so gut gemeint ist.

Vergiss bitte nicht, dass Dein Hund leidet und die Zeit nicht gegen Euch sein wird, sondern Euch sicher begleitet, wenn Du die richtigen Schritte angehst!

Weiterführende Quellen:

esccap.org
allianz.de

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