Juckreiz

Räudemilben bei Hunden & Was du dagegen tun kannst

Geschrieben von:

Enrico
Enrico

Räude: Ein Alptraum für deinen treuen Vierbeiner und dich. Dabei handelt es sich um eine sehr ansteckende Krankheit, wobei sich die Haut entzündet. Die Ursache sind Milben.

Je mehr du darüber weißt, desto schneller kannst du reagieren und deinen Vierbeiner vor weiteren schwerwiegenden Plagen in Schutz nehmen.

In diesem Artikel erkläre ich dir alles über das Thema Räude bei Hunden. Was es genau ist, die Ursachen und was du dagegen machen kannst.

Was ist Räude?

Die Räude (lat. Scabies) ist eine hochansteckende entzündliche Hauterkrankung, welche durch den Befall mit Milben hervorgerufen wird. Hierbei gibt es zwei Arten von Räude, die am häufigsten auftreten: Demodikose und Sarcoptes-Räude

In beiden Fällen wird eine entsprechende Erkrankung durch winzige Spinnentiere (Milben) verursacht, die deinem Liebling stark zusetzen. 

Durch den intensiven Drang sich zu kratzen, fügen sich viele Hunde zusätzlich schmerzhafte Hautverletzungen zu. 

Da ein derartig parasitärer Befall sowohl auf andere Tiere wie auch auf Menschen übertragen werden kann und die betroffenen Tiere stark unter dieser Erkrankung leiden, ist eine sofortige medikamentöse Behandlung unerlässlich.

Ursachen

Die Hauptursache für die Ansteckung mit Räudemilben ist der Kontakt zu anderen infizierten Tieren, da die Milben sich sehr schnell von Tier zu Tier bewegen. Auch der Kontakt mit befallenen Liege- oder Schlafplätzen kann zu einer Infektion führen. 

Die bevorzugten Wirte dieser Parasiten sind der Fuchs und der Marder sowie in alpinen Regionen das Gamswild. Daher können sich Hunde auch bei Waldspaziergängen anstecken.

Darüber hinaus bedingt ein bestimmter Gendefekt zusätzlich das Auftreten einer spezifischen Form der Räude sowie auch Krankheiten, die das Immunsystem deines Weggefährten angreifen.

Räudemilben

Milben gehören allesamt der Unterklasse der Spinnentiere an. Als solche besitzen sie vier Beinpaare. Die kleinsten unter ihnen sind nur 0,1mm groß.

Neben den Arten, die sich von Pflanzen oder Pilzen ernähren, existieren auch Raubmilben, die in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden und solche, die sich von Aas oder abgestorbenem Gewebe ernähren. Zum Leidwesen anderer Organismen – wie deinem besten Freund – gibt es jedoch auch parasitär lebende Arten.

Verschiedene Milbenarten sind dabei in der Lage bei deiner Fellnase eine Räude auszulösen. Dazu gehören u.a. Grab- bzw. Krätzemilben (Sarcoptes-Milben), Ohrräude-Milben (Otodectes cynotis), Grasmilben (Trombicula) und Haarbalgmilben (Demodex canis).

So wie sich die Charakteristika der Milben unterscheiden, ruft ein Befall spezifische Symptome hervor. Im Folgenden stelle ich dir die zwei häufigsten Milben-Erkrankungen vor: Demodikose und Sarcoptesräude

Demodikose

Bei der Demodikose vermehren sich die Demodex-Milben, die natürlicherweise auf der Hautoberfläche behaarter Säugetiere (auch auf der des Menschen) vorkommen, rasant auf deinem Vierbeiner. Ihr bevorzugter Lebensraum beschränkt sich dabei zumeist auf die Haarfollikel sowie Schweiß- und Talgdrüsen. 

Außerhalb der Wirtstiere sind Demodex-Milben kaum überlebensfähig und sterben recht schnell ab.

Ursachen

Es wurde beobachtet, dass einige Hunderassen besonders anfällig für eine Erkrankung sind. 

Dazu zählen besonders kurzhaarige Hunde wie Dackel, Mops, englische- oder französische Bulldogge, Terrier usw. Über diese Veranlagungen hinaus scheint es zudem eine erbliche Prädisposition zur Ausbildung einer Demodikose zu geben. 

Hierfür wird der Defekt von sogenannten T-Lymphozyten verantwortlich gemacht. Diese Lymphozyten kontrollieren bei gesunden Tieren die Population der Demodexmilben, sodass eine exzessive Vermehrung unterbunden wird.

Symptome

Der Erreger verursacht eine Schädigung der Haarfollikel und stört damit die Bildung neuer Haare, sodass sich diese Form der Erkrankung entweder durch lokalisierten oder generalisierten (am ganzen Körper) auftretenden Haarausfall kennzeichnet. Zumeist tritt jedoch ein kreisrunder Haarausfall auf, der oftmals mit einem Pilzbefall verwechselt wird. 

An den kahlen Hautstellen tritt daneben häufig eine vermehrte Schuppen- oder Talgbildung auf. Im weiteren Verlauf kann es zu einer gräulichen Verfärbung geschädigter Hautareale kommen. 

Kommt eine bakterielle Infektion (meist handelt es sich um Staphylococcus pseudointermedius) hinzu, können sich daneben Papeln, Hautrötungen und Juckreiz bemerkbar machen. 

Eine Besonderheit dieser Erkrankung stellt die Pododemodikose dar. Diese kann als Resultat einer generalisierten Demodikose in Erscheinung treten oder als selbstständige Form. 

Charakteristisch sind starke und schmerzhafte Schwellungen an den Pfoten mit eventuell zusätzlicher Fistelbildung, die der Hund durch vermehrtes Lecken deutlich anzeigt.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt beim Tierarzt anhand eines so genannten „Hautgeschabsel“. 

Hierbei wird ein Teil der obersten Hautschicht des Hundes mit einem Löffel oder einem Spatel abgeschabt und mikroskopisch betrachtet. In einigen Fällen kann jedoch auch eine Hautbiopsie notwendig sein.

Dies gilt vor allem dann, wenn die Pfoten der Tiere befallen sind oder es sich um eine Rasse mit sehr tiefliegenden Haarfollikeln handelt. Die Biopsie wird entweder unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen.

Behandlung

Gesundheit

Die lokalisierte Form der Demodikose, welche zumeist bei Jungtieren auftritt, heilt in 90% der Fälle ohne medizinisches Zutun ab. Somit hat diese eine sehr positive Prognose. 

Die Behandlung einer Demodikose bei erwachsenen Tieren ist dagegen sehr viel aufwendiger. Zum einen zielt sie auf die Abtötung der Milben ab, zum anderen sollte nach dem Auslöser geforscht werden. 

Die Abtötung der Milben kann durch spezielle Lösungen, Shampoos oder Gels erfolgen. Zusätzlich können auch Tabletten verabreicht werden. Besteht eine bakterielle Sekundärinfektion ist zudem der Einsatz von Antibiotika sinnvoll. 

Bei einer generalisierten Demodikose erwachsener Vierbeiner versucht dein Tierarzt darüber hinaus anhand verschiedener Untersuchungen den Auslöser der Erkrankung zu finden, der eine Immunschwäche verursacht und damit die Überpopulation der Demodexmilben begünstigt hat. 

Um einen erfolgreichen Therapieverlauf zu gewährleisten, empfehle ich dir, in regelmäßigen Abständen eine zytologische Kontrolle (Hautabstrich) bei deinem Tierarzt durchführen zu lassen. 

Als geheilt gilt deine Fellnase erst dann, wenn das Ergebnis von zwei Hautgeschabseln im Abstand von vier Wochen negativ ausfällt, eine fortlaufende Therapie vier weitere Wochen durchgeführt wurde und nach 12 Monaten kein Rückfall zu verzeichnen ist.

Sarcoptesräude

Sarcoptesmilben sind auf der Hautoberfläche ihrer Wirtstiere beheimatet. Die weiblichen Parasiten bohren dabei Tunnel in die oberste Schicht der Epidermis infizierter Tiere, wo sie schließlich subkutan ihre Eier ablegen. Aus den Eiern entwickeln sich nach 17 bis 21 Tagen Larven. 

Nach einiger Zeit bilden sich aus den Larven Nymphen und letztlich adulte Milben. Weibliche Milben können so 3 bis 5 Eier pro Tag legen und kommen damit in ihrem Lebenszyklus auf eine Eiproduktion von etwa 50 Stück pro Tier. 

Ohne Wirtstier sind diese Parasiten bis zu drei Wochen überlebensfähig. Durch diese Eigenschaft gewinnen sie immer mehr an Bedeutung.

Ursachen

Ein Befall mit Sarcoptes-Milben kann sowohl durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren als auch indirekt (z.B. durch infizierte Gegenstände) erfolgen. 

Symptome

Bei einer Infektion mit Sarcoptes-Milben kommt es zu starkem, quälenden Juckreiz, der mit kaum einer anderen Hauterkrankung vergleichbar ist. Typisch ist zudem, dass er ganzjährig unverändert intensiv in Erscheinung tritt. 

Gut erkennbar für dich als Hundebesitzer ist dieser Erreger an seinem grundlegenden Verteilungsmuster. Zu Beginn der Erkrankung befinden sich besonders im Bereich der Ohrmuscheln, der Ellenbogen und Sprunggelenke sowie am Bauch am häufigsten auffällige Hautareale in Form von kleinen Knötchen und Pusteln. Im weiteren Verlauf finden sie sich am Rücken und Kopf deines Hundes. 

Schließlich folgen gerötete Stellen, der Hund kratzt sich sehr stark. Durch das Kratzen und Beißen der juckenden Haut kommt es schnell zu offenen Wunden und damit zu bakteriellen Infektionen. 

Die Folge davon sind Haarverlust, Entzündungen, Verkrustungen und letztendlich eine chronische Veränderung der Haut, die sich anhand von Verdickungen mit Schwarzfärbungen manifestiert.

Zusätzlich treten Gewichtsverlust, mitunter Wesensveränderungen (wie zunehmende Aggressivität) und Ruhelosigkeit auf. Typisch ist zudem eine Verstärkung der Symptome in Ruhephasen und unter Wärme. 

Dies grenzt eine Infektion mit Sarcoptes-Milben deutlich von Allergien ab, bei denen eine Verstärkung des Juckreizes während der Nacht eher ungewöhnlich ist.

Diagnose

Da bereits wenige Milben ausreichen, um bei ihrem Wirt einen starken Juckreiz auszulösen, gestaltet sich die Diagnose anhand eines direkten Nachweises mitunter schwierig. Es kann jedoch versucht werden die Sarcoptesmilben durch mehrere Hautgeschabsel, welche mikroskopisch untersucht werden, nachzuweisen.

Ist die Symptomatik recht eindeutig und lassen sich die Milben nicht anhand der Geschabsel identifizieren, kann ein indirekter Nachweis durch Blutentnahme erfolgen. Hierbei wird nach spezifischen Sarcoptes-Antikörpern gesucht. 

Eine solche Untersuchungsmethode kann jedoch erst 2 bis 4 Wochen nach Ansteckung erfolgen, da die Antikörper ansonsten nicht messbar sind. Ihr Ergebnis ist daher zum Teil kritisch zu betrachten. 

Zudem kann selbst dann ein positives Testergebnis vorliegen, wenn kein akuter Befall vorliegt, da der Titer im Blut auch nach dem erfolgreichen Abtöten der Milben über einige Monate hinweg ein positives Resultat liefern kann. Daneben bildet eine geringe Anzahl an Hunden auch bei bestehenden Sarcoptes-Milben-Befall keine Antikörper aus. 

Eine diagnostische Therapie mit einem sicher wirksamen Medikament kann so in einigen Fällen zur Sicherung der Diagnosestellung herangezogen werden.

Behandlung

Gesundheit

Da diese Milben auch außerhalb ihres Wirtes einige Zeit überlebensfähig sind, ist eine Behandlung der Umgebung des infizierten Tieres unumgänglich. Hierzu gibt es spezielle Mittel zu kaufen. Da eine einzige Anwendung jedoch nicht ausreicht, um alle Entwicklungsstadien der Milben abzudecken, muss eine Umgebungsbehandlung mehrfach wiederholt werden. 

Wird die Sarcoptesräude frühzeitig behandelt, ist die Prognose sehr positiv zu betrachten. 

Zur Behandlung steht eine Vielzahl von hochwirksamen Mitteln (Sprays, Spülungen, Spot-on-Präparate und Injektionen) bereit. Hunde mit sehr dichtem und/oder langem Fell müssen jedoch für einen erfolgreichen Therapieverlauf z.T. geschoren werden.

Die meisten Medikamente erfordern außerdem eine Mehrfachbehandlung, um alle Entwicklungsstadien der Parasiten abzutöten.

Bei sehr starkem Juckreiz, sodass das Tier sich selbst Wunden zufügt, können zur Vermeidung weiterer Schädigungen der Haut und zur Verhinderung von Sekundärinfektionen juckreizstillende Medikamente verabreicht werden.

Meine Empfehlung

hunde gesundheit

Wie bei allen Krankheiten der Fall ist, ist es sehr wichtig, dass du schnell reagierst.

Leider haben unsere lieben Vierbeiner nicht die Möglichkeit, uns direkt zu vermitteln, dass sie sich nicht wohl fühlen.

Deswegen ist hier dein Einfühlungs- und Beobachtungsvermögen gefragt, um überhaupt mit deinem treuen Freund „kommunizieren“ zu können. Somit kannst du sofort feststellen, dass etwas nicht stimmt und die Symptome besser einordnen.

Je schneller du danach reagierst und deinen Tierarzt einschaltest, desto leichter wird die Heilung seinen Weg gestalten können.

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