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Räudemilben bei Hunden & Was du dagegen tun kannst

Die Räude: Ein Albtraum für deinen treuen Freund und dich. Dabei handelt es sich um eine höchst ansteckende Krankheit, bei der sich die Haut entzündet. Die Ursache dafür sind Milben.

Je mehr du darüber weißt, desto schneller kannst du reagieren und deinen Hund vor weiteren schwerwiegenden Plagen in Schutz nehmen.

In diesem Artikel erkläre ich dir alles über das Thema Räude bei Hunden. Was es genau ist, die Ursachen und was du dagegen machen kannst.

Außerdem haben wir uns für diesen Artikel Beratung vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic eingeholt.

Artikel Übersicht

Was ist Räude?

Juckreiz

Die Räude (lat. Scabies) ist eine hochansteckende entzündliche Hauterkrankung, welche durch den Befall von Milben hervorgerufen wird. Hierbei gibt es zwei Arten von Räude, die häufig auftreten: Demodikose und Sarcoptes-Räude

In beiden Fällen wird eine entsprechende Erkrankung durch winzige Spinnentiere (Milben) verursacht, die deinem Liebling stark zusetzen. 

Durch den intensiven Drang sich zu kratzen, fügen sich viele Vierbeiner zusätzlich schmerzhafte Hautverletzungen zu. 

Ein derartiger parasitärer Befall kann auf andere Tiere und Menschen übertragen werden. Da die Erkrankten stark darunter leiden, ist eine sofortige medikamentöse Behandlung unerlässlich.

Ursachen

Die Hauptursache für die Ansteckung mit Räudemilben ist der Kontakt zu anderen infizierten Tieren. Die Milben bewegen sich rasch von Tier zu Tier. Auch der Kontakt mit befallenen Liege- oder Schlafplätzen kann zu einer Infektion führen. 

Die bevorzugten Wirte dieser Parasiten sind der Fuchs und der Marder sowie in alpinen Regionen das Gamswild. Daher können sich Hunde auch bei Waldspaziergängen anstecken.

Darüber hinaus bedingt ein bestimmter Gendefekt zusätzlich das Auftreten einer spezifischen Form der Räude und Krankheiten, die das Immunsystem deines Weggefährten angreifen.

Räudemilben

Milben gehören allesamt der Unterklasse der Spinnentiere an. Als solche besitzen sie vier Beinpaare. Die kleinsten unter ihnen sind nur 0,1mm groß.

Neben vegetarischen Arten existieren auch Raubmilben, die in der Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden und solche, die sich von Aas oder abgestorbenem Gewebe ernähren. Zum Leidwesen anderer Organismen – wie deinem besten Freund – gibt es jedoch auch parasitär lebende Arten.

Verschiedene Milbenarten sind dabei in der Lage bei deiner Fellnase eine Räude auszulösen. Dazu gehören u.a. Grab- bzw. Krätzemilben (Sarcoptes-Milben), Ohrräude-Milben (Otodectes cynotis), Grasmilben (Trombicula) und Haarbalgmilben (Demodex canis).

So wie sich die Charakteristika der Milben unterscheiden, ruft ein Befall spezifische Symptome hervor. Im Folgenden stelle ich dir die zwei häufigsten Milben-Erkrankungen vor: Demodikose und Sarcoptesräude

Demodikose

Bei der Demodikose vermehren sich die Demodex-Milben, die natürlicherweise auf der Hautoberfläche behaarter Säugetiere (auch auf der des Menschen) vorkommen, rasant auf deinem Vierbeiner. Ihr bevorzugter Lebensraum beschränkt sich dabei zumeist auf die Haarfollikel sowie Schweiß- und Talgdrüsen.  Außerhalb der Wirtstiere sind Demodex-Milben kaum überlebensfähig und sterben recht schnell ab.

Anfällige Rassen

Es wurde beobachtet, dass einige Hunderassen besonders anfällig für eine Erkrankung sind. 

Dazu zählen besonders kurzhaarige Hunde wie Dackel, Mops, englische- oder französische Bulldogge, Terrier usw. Über diese Veranlagungen hinaus scheint es zudem eine erbliche Prädisposition zur Ausbildung einer Demodikose zu geben. 

Hierfür wird der Defekt von sogenannten T-Lymphozyten verantwortlich gemacht. Diese Lymphozyten kontrollieren bei gesunden Tieren die Population der Demodexmilben, sodass eine exzessive Vermehrung unterbunden wird.

Symptome

Der Erreger verursacht eine Schädigung der Haarfollikel und stört damit die Bildung neuer Haare, sodass sich diese Form der Erkrankung entweder durch lokalisierten oder generalisierten (am ganzen Körper) auftretenden Haarausfall kennzeichnet. Zumeist tritt jedoch ein kreisrunder Haarausfall auf, der oftmals mit einem Pilzbefall verwechselt wird.

An den kahlen Hautstellen tritt daneben häufig eine vermehrte Schuppen- oder Talgbildung auf. Im weiteren Verlauf kann es zu einer gräulichen Verfärbung geschädigter Hautareale kommen. 

Kommt eine bakterielle Infektion (meist handelt es sich um Staphylococcus pseudointermedius) hinzu, können sich daneben Papeln, Hautrötungen und Juckreiz bemerkbar machen. 

Eine Besonderheit dieser Erkrankung stellt die Pododemodikose dar. Diese kann als Resultat einer generalisierten Demodikose in Erscheinung treten oder als selbstständige Form. 

Charakteristisch sind starke und schmerzhafte Schwellungen an den Pfoten mit eventuell zusätzlicher Fistelbildung, die dein Schützling durch vermehrtes Lecken deutlich anzeigt.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt beim Tierarzt anhand eines so genannten „Hautgeschabsel“.

Hierbei wird ein Teil der obersten Hautschicht des Hundes mit einem Löffel oder einem Spatel abgeschabt und mikroskopisch betrachtet. In einigen Fällen kann jedoch auch eine Hautbiopsie notwendig sein.

Dies gilt vor allem dann, wenn die Pfoten der Tiere befallen sind oder es sich um eine Rasse mit sehr tiefliegenden Haarfollikeln handelt. Die Biopsie wird entweder unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen.

Behandlung

Die lokalisierte Form der Demodikose, welche zumeist bei Jungtieren auftritt, heilt in 90% der Fälle ohne medizinisches Zutun ab. Somit hat diese eine sehr positive Prognose.

Die Behandlung einer Demodikose bei erwachsenen Tieren ist dagegen sehr viel aufwendiger. Zum einen zielt sie auf die Abtötung der Milben ab, zum anderen sollte nach dem Auslöser geforscht werden. 

Die Abtötung der Milben kann durch spezielle Lösungen, Shampoos oder Gels erfolgen. Zusätzlich können auch Tabletten verabreicht werden. Besteht eine bakterielle Sekundärinfektion, ist zudem der Einsatz von Antibiotika sinnvoll. 

Bei einer generalisierten Demodikose erwachsener Vierbeiner versucht dein Tierarzt den Auslöser der Erkrankung zu finden. Da er eine Immunschwäche verursacht und damit die Überpopulation der Demodexmilben begünstigt hat. 

Um einen erfolgreichen Therapieverlauf zu gewährleisten, empfehle ich dir, in regelmäßigen Abständen einen Hautabstrich bei deinem Tierarzt durchführen zu lassen. 

Als geheilt gilt deine Fellnase erst dann, wenn das Ergebnis von zwei Hautgeschabseln im Abstand von vier Wochen negativ ausfällt. Außerdem muss eine weitere Therapie vier Wochen lang durchgeführt werden. Wenn nach 12 Monaten kein Rückfall zu verzeichnen ist, ist die Erkrankung überstanden.

Sarcoptesräude

Sarcoptesmilben sind auf der Hautoberfläche ihrer Wirtstiere beheimatet. Die weiblichen Parasiten bohren dabei Tunnel in die oberste Schicht der Epidermis infizierter Tiere, wo sie schließlich subkutan ihre Eier ablegen. Aus den Eiern entwickeln sich nach 17 bis 21 Tagen Larven. 

Nach einiger Zeit bilden sich aus den Larven Nymphen und letztlich erwachsene Milben. Weibliche Milben können so 3 bis 5 Eier pro Tag legen und kommen damit in ihrem Lebenszyklus auf eine Eiproduktion von etwa 50 Stück pro Tier. 

Ohne Wirtstier sind diese Parasiten bis zu drei Wochen überlebensfähig.

Sarcoptesräude Ursachen

Ein Befall mit Sarcoptes-Milben kann sowohl durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren als auch indirekt (z.B. durch infizierte Gegenstände) erfolgen. 

Sarcoptesräude Symptome

Bei einer Infektion mit Sarcoptes-Milben kommt es zu starkem, quälenden Juckreiz, der mit fast keiner anderen Hauterkrankung vergleichbar ist. Typisch ist zudem, dass er ganzjährig unverändert intensiv in Erscheinung tritt.

Gut erkennbar für dich als Hundebesitzer ist dieser Erreger an seinem grundlegenden Verteilungsmuster. Zu Beginn der Erkrankung befinden sich besonders im Bereich der Ohrmuscheln, der Ellenbogen und Sprunggelenke sowie am Bauch kleinen Knötchen und Pusteln. Im weiteren Verlauf finden sie sich am Rücken und Kopf deines Schützlings wieder. 

Schließlich folgen gerötete Stellen, die dein Schützling stark kratzt. Durch das Kratzen und Beißen der juckenden Haut kommt es schnell zu offenen Wunden und damit zu bakteriellen Infektionen. 

Die Folge davon sind Haarverlust, Entzündungen, Verkrustungen und letztendlich eine chronische Veränderung der Haut, die sich anhand von Verdickungen mit Schwarzfärbungen manifestiert.

Zusätzlich treten Gewichtsverlust, mitunter Wesensveränderungen (wie zunehmende Aggressivität) und Ruhelosigkeit auf. Typisch ist zudem eine Verstärkung der Symptome in Ruhephasen und unter Wärme. 

Dies grenzt eine Infektion mit Sarcoptes-Milben deutlich von Allergien ab, bei denen eine Verstärkung des Juckreizes während der Nacht eher ungewöhnlich ist.

Sarcoptesräude Diagnose

Da bereits wenige Milben ausreichen, um einen starken Juckreiz auszulösen, gestaltet sich die Diagnose schwierig.

Es kann jedoch versucht werden die Sarcoptesmilben durch mehrere Hautgeschabsel nachzuweisen.

Ist die Symptomatik recht eindeutig und lassen sich die Milben nicht anhand der Geschabsel identifizieren, kann ein indirekter Nachweis durch Blutentnahme erfolgen. Hierbei wird nach spezifischen Sarcoptes-Antikörpern gesucht. 

Eine solche Untersuchungsmethode kann jedoch erst 2 bis 4 Wochen nach Ansteckung erfolgen, da die Antikörper ansonsten nicht messbar sind. 

Zudem kann selbst dann ein positives Testergebnis vorliegen, wenn kein akuter Befall vorliegt, da die Antikörper im Blut noch lange nach dem Befall vorhanden sind. Außerdem bildet eine geringe Anzahl an Hunden auch bei bestehenden Sarcoptes-Milben-Befall keine Antikörper aus. 

Eine diagnostische Therapie mit einem sicher wirksamen Medikament kann so in einigen Fällen zur Sicherung der Diagnose herangezogen werden.

Sarcoptesräude Behandlung

Da diese Milben auch außerhalb ihres Wirtes einige Zeit überlebensfähig sind, ist eine Behandlung der Umgebung des infizierten Tieres unumgänglich. Hierzu gibt es spezielle Mittel zu kaufen. Da eine einzige Anwendung jedoch nicht ausreicht, um alle Milben abzutöten, muss sie mehrfach wiederholt werden. 

Wird die Sarcoptesräude frühzeitig behandelt, wird es deinem Liebling sehr wahrscheinlich schnell besser gehen. 

Zur Behandlung steht eine Vielzahl von hochwirksamen Mitteln (Sprays, Spülungen, Spot-on-Präparate und Injektionen) bereit. Hunde mit sehr dichtem und/oder langem Fell müssen jedoch für einen erfolgreichen Therapieverlauf z.T. geschoren werden.

Die meisten Medikamente erfordern außerdem eine Mehrfachbehandlung, um alle Entwicklungsstadien der Parasiten abzutöten.

Bei sehr starkem Juckreiz, können juckreizstillende Medikamente verabreicht werden, damit sich dein Schützling beim Kratzen nicht selbst verletzt.

Häufig gestellte Fragen

Die Räude ist eine Hauterkrankung, die durch einen parasitären Milbenbefall ausgelöst wird. Sie löst einen extrem starken Juckreiz aus, in dessen Folge kommt es durch das Kratzen des Hundes zu Selbstverletzungen, Entzündungen der Haut und bleibenden Hautveränderungen. Erkennst du die Räude bei deinem Hund, musst du ihn schnellstmöglich behandeln lassen.

Milben sind kleine Spinnentiere, die fast überall vorkommen. Es gibt Arten, die im Fell gesunder Hunde leben und keine Probleme verursachen. Es gibt jedoch auch solche, die starken Juckreiz und Hauterkrankungen auslösen können.

Die meisten Milben sind nicht vom Hund auf den Menschen übertragbar. Manche Arten können aber auch bei Menschen Juckreiz und Rötungen verursachen. 

Das offensichtlichste Symptom eines Milbenbefalls ist starker Juckreiz. Kratzt sich dein Hund öfter als normal, solltest du sein Fell untersuchen. Findest du dunkle Körner, die sich bei Kontakt mit Wasser rot färben, dann spricht das sehr wahrscheinlich für einen Milbenbefall.

Die Behandlung richtet sich je nach Milbenart, von der dein Schützling befallen ist. Deswegen solltest du ihn zum Tierarzt bringen. Achte während der Zeit des Milbenbefalls übermäßig auf eine ausreichende Hygiene und behandle unbedingt alle deine Hunde.

Erwärmtes Kokosöl kann den Juckreiz stillen und die Milben auf der Haut ersticken. Achte unbedingt darauf, dass es nicht zu heiß ist, sondern gerade so warm, dass es flüssig wird. Außerdem können Teebaumöl und Neemöl, sowie Lachsölpräparate helfen.

Empfehlung vom Tierarzt

Wie es bei allen Krankheiten der Fall ist, musst du schnell reagieren.

Leider haben unsere lieben Freunde nicht die Möglichkeit, uns direkt zu vermitteln, dass es ihnen schlecht geht.

Deswegen ist hier dein Einfühlungs- und Beobachtungsvermögen gefragt, um überhaupt mit deinem treuen Freund „kommunizieren“ zu können. Somit kannst du sofort feststellen, dass etwas nicht stimmt und die Symptome besser einordnen.

Je schneller du danach reagierst und deinen Tierarzt einschaltest, desto leichter wird die Heilung erfolgen können.

Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic
Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Ich bin Tierarzt und Autor für Tiergesundheitsthemen. Tiere sind meine Leidenschaft und es ist mir ein persönliches Anliegen, medizinisch akkurate Artikel und Videos zu erstellen, um Tierbesitzer so gut es geht zu informieren.

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