hund krank

Patellaluxation beim Hund (Von Ursachen bis zur OP)

Wenn Dein Hund plötzlich dreibeinig hüpft oder gar Anzeichen von Lahmheit zeigt, hat er sich wahrscheinlich die Kniescheibe verrenkt. 

Die Krankheit wird als Patella-(für Kniescheibe)-Luxation (Verrenkung) bezeichnet und verläuft oft sehr schmerzhaft. 

Hier erfährst Du, welche Hunde besonders anfällig sind. Welche Therapiemöglichkeiten es gibt und wie Du Beschwerden vorbeugen kannst. 

Aufgabe der Patella beim Hund

Die Beine des Hundes bestehen aus dem Schienbein und dem Oberschenkelknochen sowie einem sehr dünnen Wadenbein. Über eine Sehne ist der große Oberschenkelmuskel mit dem Unterschenkel verbunden. 

Damit die Gelenke an den Knochen beim Strecken und Beugen nicht zu rasch abnutzen, verstärkt die Patella, also die Kniescheibe, diese Sehne. Von der Patella gehen 13 Bänder aus, welche ein Verschieben der Knochen verhindern. Gepuffert wird alles vom Meniskus. 

Dieses Kissen zwischen Schienbein und dem Knochen des Oberschenkels ist für die einwandfreie Führung ohne Verschieben verantwortlich. Bei einer Verletzung wie der Patellaluxation ist die Führung des großen Kniestreckers nicht mehr gegeben.

Krankheitsbild der Patellaluxation

Krank

Erleidet ein Hund eine Patellaluxation, dann rutscht die Patella aus der Führungsrinne. Dadurch kann sie ihre Gelenkfunktion nicht erfüllen. Die Gelenkkapsel reißt durch diese Verschiebung ein. 

Betroffene Hunde haben in der Folge Probleme beim Strecken und Beugen des Gelenks. Je nach Ursache und Schwere kann das Krankheitsbild gar nicht sichtbar sein, nur gelegentlich auftauchen oder dauerhaft bestehen bleiben. 

Entsprechend der Beschwerden wird der Krankheitsverlauf einer Patellaluxation beim Hund in vier Grade unterteilt:

  • Eine Patellaluxation im ersten Grad wird oft vom Hundebesitzer nicht erkannt. Die Patella gerät spontan aus ihrer Position und springt ebenso spontan wieder zurück. Schongang oder Lahmheit sind hier nicht zu beobachten.

  • Bei einer Patellaluxation Grad Zwei geschieht die Verrenkung häufiger. Betroffene Hunde entlasten das betroffene Bein, weil die Kraftübertragung bei der Bewegung nicht möglich ist. Falls Du solches Lauf- bzw. Schonverhalten öfter siehst, solltest Du bereits jetzt zum Tierarzt gehen. Ansonsten könnte sich die Verletzung zu einer der schwereren Formen entwickeln.

  • Grad Drei verursacht sichtlich Schmerzen, weil die Patella immer öfter außen oder innen verrenkt. Spätestens jetzt können nur Therapiemöglichkeiten das Fortschreiten aufhalten.

  • Um eine Patellaluxation Grad Vier zu behandeln, hilft nur noch eine Operation. Denn jetzt hat das oft jahrelange Verrenken bereits zu einer Arthrose, also einem erheblichen Gelenkverschleiß geführt.

 

häufig betroffene Hunde

Eine Patellaluxation kann in jedem Alter auftreten. Besonders häufig ist der auffällige Schongang bei diesen Hundetypen zu beobachten: 

 

1. Hundewelpen und Junghunde

Während des Wachstums im Welpenalter kann es zu Wachstumsverschiebungen und somit einer Fehlstellung der Patella kommen. Das Risiko der Verletzung wird spätestens ab Erreichen des ersten Lebensjahres geringer. Hauptsächlich sind junge Hunde betroffen, welche die Schwäche von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben. 

 

2. Hunde kleiner und sehr kleiner Rassen

In der Hundezucht gibt es aktuell einen Trend, Hunde immer kleiner zu züchten. Aber gerade die kleinen und kleinsten Hunde haben häufig lebenslang Probleme mit der Patella. 

Hinsichtlich des Alters kann die Verrenkung jederzeit auftreten und wieder verschwinden. Dennoch ist ein Besuch beim Tierarzt unumgänglich, sobald Du erste Aussetzer und Schonhaltungen beim Laufen des Hundes bemerkst. 

 

3. Mittelgroße und große Hunderassen

Mittelgroße Hunde sind seltener von der Patellaluxation betroffen. Allerdings können Veranlagung und Ernährungsmängel auch hier während der Wachstumsphase zu Verschiebungen führen. 

Große Hunderassen entwickeln das Problem ebenfalls früh, wobei sehr agile Hunde stärker betroffen sind als gemütliche Charaktere. Bei mittelgroßen und großen Hunderassen schützt eine frühe Diagnose vor dauerhaften Einschränkungen der Beweglichkeit und somit der Lebensqualität.

 

4. Hundesenioren

Ein gewisser Verschleiß der Patella ist im Laufe eines Hundelebens nicht zu vermeiden. Ab einem Alter von etwa sieben Jahren kann die dauerhafte Schonhaltung verstärkt beobachtet werden. Allerdings besteht die Erkrankung dann schon länger. 

Eventuell ist Dir das gelegentliche Schonen oder Verdrehen bislang einfach nicht aufgefallen. Spätestens ab dem Seniorenalter kann die richtige Kost Beschwerden vermindern. 

 

Ursachen für die Verletzung

Für die Patellaluxation beim Hund kommen mehrere Ursachen in Betracht. Vererbung gilt als häufig, lässt sich aber nur bei Rassehunden mit bekanntem Stammbaum und bekannten ähnlichen Beschwerden der Hundeeltern nachweisen. 

Während des ersten Lebensjahres können Ernährungsmängel und damit verbundene Wachstumsstörungen ursächlich sein. Wie beim erwachsenen Menschen ist auch für erwachsene Hunde Übergewicht förderlich für die Entwicklung einer Patellaluxation. 

Mit zunehmendem Alter ist ein gewisser Verschleiß nicht auszuschließen. Aber auch hier sind manche Hunderassen und -größen stärker von Beschwerden betroffen als andere. 

Die Symptome

Zeitweise belastet Dein Hund alle Beine, bis er plötzlich hüpft. Anschließend scheint alles wieder normal. Das Hüpfen sieht manchmal auch aus, als würde er sein Bein für eine Millisekunde gar nicht spüren. 

Tatsächlich verursacht die Patellaluxation ab einem gewissen Grad Erscheinungen von Lahmheit. Taucht die spontane Entlastung eines Beines öfter auf, ist sofortiges Handeln geboten. Denn ab jetzt entstehen Risse, und es kann sogar zu Miniaturbrüchen und Knochenabsplitterungen kommen. 

Eine Patellaluxation führt ab Grad Zwei auch zu starken Schmerzen. Falls Dir noch nichts Besonderes aufgefallen ist, geht Dein Hund möglicherweise nicht mehr gerne oder weit spazieren. 

In schlimmen Fällen führen die Schmerzen zu Appetitlosigkeit

Auch bei bloßem Verdacht auf Patellaluxation muss der Tierarzt zu Rate gezogen werden. Nur er kann eine sichere Diagnose stellen und Therapiemöglichkeiten gegen die Symptome finden. 

Diagnose der Verletzung

Um andere Verletzungen oder Erkrankungen auszuschließen, ist ein Röntgenbild die sicherste Diagnosemöglichkeit. 

Je nachdem, ob Dein Hund vorn oder hinten schont, werden beide Gelenke (vorn oder hinten) geröntgt und auf dem Röntgenbild miteinander verglichen. 

Sofern die Symptome erst kurz und nur selten auftreten, kann auch ein Abtasten der Patella Aufschluss über das Vorliegen einer Luxation geben. 

Je nach Tierarzt genügt oft ein kurzer Spaziergang durch die Praxis, um das Hüpfen und Schonen sicher zu erkennen. Doch dies kann auch von einem Kreuzbandriss verursacht sein und gilt daher als keine ausschließende Diagnose für eine Patellaluxation. 

Falls Du mit Deinem Hund züchten möchtest, bist Du zur Diagnose sogar verpflichtet. Denn nur Hunde völlig ohne vorliegende Patellaluxation werden zur Zucht zugelassen.

Einer Patellaluxation vorbeugen

Zuchtverbände versuchen das Phänomen der Patellaluxation durch strenge Zulassungskriterien einzudämmen. Du solltest deshalb einen Hund von einem bekannten Züchter kaufen, am besten mit dem Diagnoseergebnis eines Tierarztes. 

Auch Nachfragen nach bekannten Problemen mit der Patella durch die Eltern des Hundes hilft, das Risiko späterer Beschwerden zu minimieren. Möglicherweise hat Dein Hund die Veranlagung für eine Patellaluxation geerbt

Dennoch ist ein schmerz- und symptomfreies Hundeleben möglich. Aus gutem Grund bieten Tierfutterhersteller für Welpen, erwachsene Hunde und Hundesenioren jeweils geeignetes Hundefutter an. Dadurch werden unter anderem alle Gelenke altersgerecht mit den nötigen Nährstoffen versorgt. 

Außerdem ist das Füttern in Maßen, also nach Empfehlung des Tierarztes, eine gute Maßnahme zum Vorbeugen. Ein normalgewichtiger Hund neigt weniger oder nur im höheren Alter überhaupt zu Anzeichen einer Patellaluxation. 

Natürlich gilt auch beim Hund der Grundsatz: Starke Muskeln entlasten das Skelett. Deshalb sind Spaziergänge, Spiel und gezieltes Lauftraining (altersgerecht) vorteilhaft. Je kräftiger die Muskeln am Ober- und Unterschenkel sind, desto unwahrscheinlicher renkt sich die Patella überhaupt aus. 

Nichtoperative Therapiemöglichkeiten

Treten die Symptome einer Patellaluxation nur gelegentlich auf, verschwinden sie in der Regel für lange Zeit durch die tägliche Gabe von gelenkfreundlichen Nahrungsergänzungsmitteln. 

Mit solchen Futterzusätzen bekommen alle Gelenke mehr Schmierung und Nährstoffe für einen stärkeren Knorpel. Gute Ergebnisse bei regelmäßiger Gabe erzielen vor allem diese gängigen Ergänzungen:

  • Weidenrinde und Teufelskralle unterstützen die Zellversorgung bis in die Gelenke. Dies wird durch enthaltene Metaboliten vom Körper selbst reguliert.
  • Grünlippmuschel enthält Glykosaminoglykane und Omega-3-Fettsäuren. Beide sind vorteilhaft für einen ausgewogenen Gelenkstoffwechsel. Glykosamin gibt es auch als eigenes Nahrungsergänzungsmittel. Es hält den Gelenkknorpel elastisch.
  • MSM (Methylsulfonylmethan) ist für Gelenke, Bänder und Sehnen eine Schwefelquelle. Es ist in verschiedenen für Hunde geeigneten Gelenktabletten enthalten.
  • Spurenelemente und Vitamine versorgen nicht nur die Gelenke und die Patella, sondern auch Muskeln, Nerven und Sehnen Deines Hundes rundum mit allem Nötigen für gesundes Wachstum.

Ist die Patellaluxation bereits so fortgeschritten, dass Dein Hund Schmerzen zeigt, können Schmerzmittel und vom Tierarzt zusammengestellte Nährstoffe mit Spezialfutter die Lebensqualität wieder verbessern. Diese Kombination wird häufig bei Hundesenioren für einen angenehmen Lebensabend als Dauertherapie eingesetzt. 

Falls Dein Hund eine Patellaluxation als Folge von Übergewicht entwickelt, muss er dringend abnehmen. Dein Tierarzt kann einen Ernährungs- und Trainingsplan aufstellen. Denn einfach weniger füttern würde die Symptome eher verstärken. 

Beim Abnehmen helfen physiotherapeutische Stunden mit Wasserlaufen gut. Auch andere krankengymnastische Therapien helfen oft gut, mindestens gegen eine Verschlechterung. 

Operationsmöglichkeiten

Gegen Grad Drei und Grad Vier einer Patellaluxation hilft auch beim Hund nur noch eine Operation. Dabei gibt es unterschiedlich aufwändige Verfahren zur Stabilisierung. 

Allerdings ist diese mit Kosten verbunden und eine vollständige Heilung nicht möglich. Dennoch ist sie bei starken Dauerschmerzen die einzige Chance, wenigstens die Symptome zu bekämpfen. 

Bevor Du Dich für eine Operation Deines Hundes entscheidest, solltest Du überlegen, ob dies sinnvoll zu einer Verbesserung der Symptome führen kann:

In diesen Fällen versuche zunächst eine Therapie ohne Operation

  • Bei jungen Hunden bis etwa einem bzw. eineinhalb Jahren würde eine Operation nicht zum gewünschten Erfolg führen. Denn durch das Wachstum ist durchaus noch eine Selbstausrichtung möglich. Nahrungsergänzungen und Gelenktabletten sind hier die bessere Unterstützung.

  • Solange die Diagnose nicht eindeutig eine Patellaluxation zeigt, sollten eher mehrere Meinungen eingeholt als eine OP geplant werden.

  • Selbst, wenn eine Patellaluxation häufiger auftritt, kann diese schmerzfrei verlaufen. In solchen Fällen helfen die nichtoperativen Unterstützungen gut dabei, den Verlauf zu lindern.

  • Solange eine Patellaluxation nicht ernsthafte Einschränkungen verursacht, sollte von einer Operation besser abgesehen werden.

In diesen Fällen ist die Operation die einzige Alternative

  • Bei deutlich erkennbarem, dauerhaft bestehendem Schmerz kann nur eine Operation helfen.

  • Tritt nach einer Weile der nichtoperativen Therapie keinerlei Linderung ein, ist die Operation die letzte Option.

  • Ist ein betroffener Hund zu schwer für seine Kniegelenke, dauert das Abnehmen mit Physiotherapie oft zu lang, um ihm Linderung zu verschaffen. In diesem Fall führt der Orthopäde die Operation bevorzugt durch.

Kosten einer Operation am Kniegelenk

Die Operation einer Patellaluxation kostet im Durchschnitt pro Bein ca. 800 Euro ohne Mehrwertsteuer. 

Bereits während der Diagnosephase müssen weitere Kosten eingerechnet werden. Nach der Operation wird der Hund weiter bis zum Abheilen der Operationswunde behandelt. 

Auch hierfür entstehen eigene Kosten für Untersuchungen, Wundversorgung und Verbrauchsmaterialien. 

Damit die Kosten nicht zum Problem werden, ist eine Hundekrankenversicherung oder eine spezielle OP-Versicherung sinnvoll. 

Allerdings gibt es Versicherer, die für bestimmte Hunderassen nur einen Teil der Kosten tragen oder im Kleingedruckten solche Rassen sogar gänzlich von Leistungen ausschließen. 

Deshalb sollte frühzeitig verglichen und erst das für die Kostenübernahme günstigste Angebot geprüft werden.

Ablauf der Operation

Für die Operation an der Patella kommen unterschiedliche Methoden in Frage:

Operative Wiederherstellung der richtigen Position 

Bei dieser aufwändigen Prozedur wird ein Stück des Unterschenkelknochens gelöst und auf die inkorrekte Seite der Patella versetzt. Per Zuggurtung wird der versetzte Knochen stabil fixiert. Die Führungsrinne der Patella wird bei der gleichen Operation vertieft. 

Die durchgeführten Knochenschnitte werden mit Weichteilzügelungen vor Veränderungen gesichert. Je nach Heilungsverlauf kann eine Nachoperation zum Entfernen der Nägel nötig sein. 

In schweren Fällen Einsatz von Prothesen 

Manchmal wird die Patellaluxation erst in viel zu spätem Stadium erkannt. Dann muss der schadhafte Knorpel gegen eine Halbprothese getauscht werden. 

Bei der entsprechenden Operation wird die Oberschenkelrinne komplett abgesägt und gegen ein Implantat aus Titan ausgetauscht. Dieses Implantat besteht aus zwei Teilen, so dass die Gelenkfunktion in der Bewegung wieder korrekt ist. 

 

Heilungschancen

Die Prothesenvariante ist ein Hundeleben lang die einzige Möglichkeit, dem Hund ein normales, schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Ein späteres Entfernen der Halbprothese ist nicht möglich. 

Allerdings ist die Prognose für künftige Schmerzfreiheit sehr gut. Voraussetzung dafür ist, dass der Heilungsprozess unter Kontrolle des Tierarztes gut verläuft. Nach etwa vier bis sechs Wochen erfolgt die Nachkontrolle. 

Die Heilungschancen sind umso besser, je mehr Zusatzbetreuung der operierte Hund bekommt. 

Zu Schmerzmitteln können Gelenktabletten für guten Knorpelschutz gegeben werden. 

Soweit alle Operationsschritte erledigt sind, stärkt ein gezieltes Schwimmtraining die Belastbarkeit des Beins wieder. 

Der Tierarzt sollte regelmäßig Nachkontrollen durchführen, um Komplikationen zu vermeiden oder rasch zu erkennen und zu therapieren.

Mein Fazit

Die Patellaluxation beim Hund ist eine oft vererbte oder aus anderen Gründen auftretende Verrenkung des Kniegelenks. Rasseanfälligkeit, Übergewicht und andere Ursachen begünstigen einen Verlauf mit immer stärkeren Verschleißerscheinungen. 

Zum Glück: Nicht in allen Fällen ist eine Operation nötig. 

Falls aber Dein Hund starke Schmerzen hat, solltest Du mehrere Diagnosen einholen und für die Kosten am besten frühzeitig eine Hundekrankenversicherung oder Hunde-OP-Versicherung abschließen.

Gefällt dir dieser Inhalt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.