Spondylose bei Hunden (Was du dagegen tun kannst)

Was für eine Krankheit die Spondylose ist, welches die Anzeichen sind und was man dagegen tun kann, erfährst du hier. Außerdem haben wir uns für diesen Artikel Beratung vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic eingeholt.

Boxer Spondylose
Artikel Übersicht

Bei der Spondylose beim Hund handelt es sich um eine Erkrankung der Wirbelsäule. 

Diese bringt erhebliche Einschränkungen in der Bewegung und starke Schmerzen mit sich. Damit dein Tierarzt eine genaue Diagnose stellen und die Folgen des Leidens eindämmen kann, ist eine frühzeitige Behandlung entscheidend.

Was ist eine Spondylose?

Die Medizin beschreibt die Spondylose als eine krankhafte Veränderung der Wirbelsäule, die aufgrund von starkem Verschleiß entsteht. Die Folgen sind Einschränkungen in der Bewegung, Reizung der Nerven, starke Schmerzen und Versteifungen. 

Die auftretenden Abnutzungserscheinungen sind an der ganzen Wirbelsäule möglich. Dennoch treten sie bevorzugt im Bereich der Lendenwirbel auf. 

Die Erkrankung verläuft in der Regel in Schüben und zeigt sich deutlich, wenn sich der Hund ungewöhnlich bewegt und bestimmte Aktivitäten nur schwer oder gar nicht mehr ausüben kann.

Aufbau der Wirbelsäule

Um den Ablauf eines krankhaften Prozesses im Skelett zu verstehen, möchte ich dir kurz den Aufbau der Wirbelsäule beschreiben.

Die Wirbelsäule ist dafür da, um für eine gute Beweglichkeit zu sorgen und die Stabilität des Körpers zu sichern. Sie besteht aus mehreren einzelnen Wirbeln. Der Abschnitt zwischen Hals- und Lendenwirbel setzt sich aus 27 unabhängigen Wirbelteilen zusammen. 

Dazu kommen drei zusammenhängende Wirbel im Kreuzbein und bis zu 20 Schwanzwirbel je nach Hunderasse. Jeder einzelne Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper, einem Wirbelbogen, einem Dornfortsatz, zwei Querfortsätzen und vier Gelenkfortsätzen. 

Die Zusammensetzung der unterschiedlichen Abschnitte der Wirbelsäule ist ihrer Funktion angepasst. Damit sie stabil bleibt, befinden sich an den Dorn- und Querfortsätzen Bänder und Muskeln. Die Wirbel vom Hals abwärts müssen weniger beweglich sein, aber mehr Belastung aushalten können und sind deshalb deutlich größer als die anderen.

Bandscheiben & Wirbelkörper

Zwischen den einzelnen Wirbeln sitzen die Bandscheiben. Diese verbinden sie miteinander, dienen als Stoßdämpfer und sorgen für eine geschmeidige und schmerzlose Beweglichkeit. Die obersten zwei Halswirbel und der zusammengewachsene Wirbel von Kreuz- und Steißbein besitzen keine Bandscheibe. 

Ein wichtiger Teil eines Wirbels sind die  Wirbelkörper. Sie tragen mit den dazwischen liegenden Bandscheiben einen großen Teil des Gewichtes. Die umliegende Muskulatur wirkt unterstützend und stabilisierend. Auf den Wirbelkörpern befinden sich die Wirbelbögen. 

Innerhalb eines Bogens und der Hinterseite des Wirbelkörpers liegt das Wirbelloch. Die Wirbellöcher der einzelnen Wirbel bilden den Wirbelkanal, in dem sich das Rückenmark befindet.

Ist die Wirbelsäule ungewöhnlichen Belastungen ausgesetzt, verschleißen ihre Teile. Dabei verändert sie ihre Form und schränkt ihre Funktion ein. Der Körper versucht dem Mangel entgegenzuwirken, indem er an den Wirbelkörpern knöcherne Gebilde zur Unterstützung entwickelt.

Dadurch vergrößert sich die eigentliche Knochenstruktur, und es entstehen verschieden starke und spitze Knochengebilde am Rand der Wirbelkörper. Diese Zacken tragen die Bezeichnung Spondylophyten und beeinflussen den Wirbel in der Funktion. Damit beeinträchtigen sie die normale Funktion der Muskeln. 

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer Spondylose sind vielfältiger Natur. Möglich ist eine angeborene Schwäche des Stützgewebes. Dadurch wird die Belastungen auf das Skelett schlecht abgefedert werden und die Knochen nehmen mit der Zeit Schaden.

Neben der genetischen Ursache gibt es aber auch vermeidbare Fehler bei der Haltung eines Hundes. 

Zu nennen sind: Übergewicht, Fehlhaltungen und Abnutzung des Bewegungsapparates, insbesondere von Bandscheiben und Wirbelkörpern.

Eine Überbelastung des Skelettes erfolgt schon durch übermäßiges Spiel und zu hohen sportlichen Ansprüchen an den Hund. Starke schwingende Bewegungen wie beispielsweise bei Agility oder hohes Ball werfen und auffangen schaden auf Dauer der Wirbelsäule. 

Von einer Entstehung der Spondylose sind überwiegend große und schwere Vierbeiner betroffen. Grund dafür ist die körperliche Belastung auf die Knochen. Zu ihnen gehören beispielsweise Boxer, Labrador und Bernhardiner. 

Auch bei Hunden mit langem Rücken wie Dackel kommen Schäden an der Wirbelsäule vor. Der Rücken ist proportional zum Skelett zu lang und somit entstehen Überbelastungen im Bereich der Wirbelsäule.

Symptome

Zu Beginn des Leidens sind es oft die kleinen Anzeichen, die darauf hinweisen:

  • Schweres Aufstehen nach dem Liegen 
  • Längeres sitzen fällt schwer 
  • Schmerzen an unterschiedlichen Bereichen 
  • Ungleichmäßige Gehbewegungen 
  • Einschränkung bei Sprüngen und anderen schnellen Bewegungen 
Verschlimmert sich die Krankheit, verschlimmern sich auch die Schmerzen, und die Bewegungsfreiheit wird zunehmend eingeschränkt. In der Folge können schwerwiegende Folgeerscheinungen entstehen:

  • Lähmungen an Kopf und Gliedmaßen
  • Probleme bei Rüden das Bein zu heben 
  • Hängender Schwanz 
  • Versteifungen im Bewegungsapparat 
  • Schleifender Gang 
  • Problem beim Bewegen des Kopfes oder Nackens 
  • Aufstehen aus der Liegeposition nur mit Hilfe
  • Erschwertes Treppensteigen
  • Verschleiß von Bändern und Bandscheiben 
  • Bandscheibenvorfall 
  • Zunehmende stechende Schmerzen 
  • Zucken und Fiepen beim Berühren am Rücken 
  • Krümmen des Rückens bei einer Berührung 
  • Schonhaltung 
  • Häufiges stehen oder sich hinlegen bei langen Bewegungsabläufen oder Spaziergängen

In der Regel tritt die Spondylose in Schüben auf. In den Ruhephasen wirkt deine Fellnase gesund und die Schmerzen halten sich im Rahmen. Dieses Verhalten macht es vor allem zu Beginn des Leidens schwer, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen.

Bei Fortschreiten verstärken sich nicht nur die Symptome, es kommt oft eine Arthrose der Knochen dazu, sodass sich die Schmerzen verschärfen.

Der Hund verspürt überwiegend stechende und ziehende Schmerzen im Bewegungsapparat beim Bereich der Hals- oder Lendenwirbelsäule und im Nacken. 

Die Schmerzen strahlen oftmals in den Rücken und Gliedmaßen aus

Die kranken Bereiche verursachen ein kribbelndes und taubes Gefühl. 

Die Symptome verändern sich je nach Wetterlage. Während sie bei trockener Wärme schwächer werden, verstärken sie sich bei nass-kaltem Wetter deutlich.

Der Besuch beim Tierarzt bringt Aufschluss

Bei der Untersuchung des Hundes durch einen guten Tierarzt stehen der Allgemeinzustand und die Symptome der Erkrankung im Vordergrund. Der Arzt erkundigt sich bei dir über die Haltung deines Lieblings, über seine Bewegungsabläufe und den erkennbaren Einschränkungen. 

Eine gründliche Tastuntersuchung gibt erste Aufschlüsse über die Veränderungen der Knochen, der Gelenke und der Muskeln. Um eine tatsächliche Sicherheit über das Krankheitsbild zu erhalten, wird dein Tierarzt Röntgenaufnahmen machen.

Verschiedene Behandlungen möglich

Nach medizinischer Sicht ist eine Spondylose nicht heilbar. 

Dein Schützling behält die Verknöcherungen an den Wirbeln sein Leben lang und muss damit zurechtkommen. Die richtige Behandlung hilft ihm dabei.

Zweck ist es, die Symptome und das Fortschreiten der Spondylose einzudämmen, sowie auftretende Entzündungen und einen Bandscheibenvorfall zu vermeiden.

Das Wichtigste ist der Erhalt der Lebensqualität deines Schützlings:

  • Gegen auftretende starke Schmerzen verordnet der Tierarzt Medikamente 
  • Regelmäßige Schmerz- und Physiotherapien sowie Magnetfeldtherapien können die Beschwerden spürbar vermindern 
  • Durch spezielle Bewegungsübungen kann die Becken- und Oberschenkelmuskulatur des Hundes trainiert und Verkümmerung vorgebeugt werden 
  • Massagen lockern die angespannten Muskeln 
  • Eine Akupunktur kann die Schmerzen lindern 

Was sagt die Naturheilkunde?

Die Naturheilkunde rät bei Spondylose und Arthrose ebenfalls zur Physiotherapie und Massage zur Erleichterung des Skeletts und der Muskeln. Vor allem Unterwassermassagen sind für den Körper entlastend. Die Akupunktur aus der traditionellen chinesischen Medizin soll die Schmerzen lindern. Außerdem soll sie die Reizung der Nerven verringern und für eine verbesserte Beweglichkeit sorgen.

Des Weiteren helfen natürliche Mittel gegen Schmerzen und Entzündungen. Anwendung finden beispielsweise Teufelskralle, Fisch- oder Pflanzenöle, Grünlippmuschel-Extrakt und Weihrauchextrakt. 

Dabei solltest du bedenken, dass auch natürliche Heilmittel vom Arzt oder einem professionellen Heilpraktiker kontrolliert verabreicht werden müssen. Wichtig ist, dass die Behandlung von einem Fachmann durchgeführt wird und genau auf das Leiden deines Liebligs abgestimmt wird.

Wie du deinem Hund helfen kannst

Durch die angemessene Haltung deines Pelzträgers, kannst du ihm dabei helfen, dass er sich trotz Spondylose wohl fühlt:

  • Wichtig sind gleichmäßige und kontrollierte Bewegungen 
  • Täglichen Aktivitäten sind der Krankheit anzupassen 
  • Abruptes Bremsen, ruckartiges bewegen, schweres Aufkommen auf harten Böden, hohe Sprünge und Treppensteigen sind zu vermeiden 
  • Körpergewicht sollte ein ideales Maß haben. Jedes Gramm, das zu viel ist, belastet die geschädigten Knochen und die Muskulatur deines Lieblings
  • Eine vernünftige Ernährung beeinträchtigt den negativen Verlauf der Erkrankung und den Verschleiß der Knochen positiv 
  • Schwimmen, gleichmäßiges Laufen und Spaziergänge auf Naturböden sorgen für eine geschmeidige und starke Muskulatur 
  • Täglich kleine Gymnastikübungen helfen beim Aufbau der Muskulatur, lindern Schmerzen und Einschränkungen bei der Bewegung 
  • Um die Halswirbelsäule zu schonen, kannst du deinem Hund das Bücken erleichtern, indem du die Wasser- und Fressnäpfe höherstellst 
  • In leichten Fällen kann eine Bestrahlung mit Rotlicht helfen
  • Verwende ein Brustgeschirr als Leine. Somit vermeidest du extra druck an der Hals- und Nackengegend.

Häufig gestellte Fragen

Die Medizin beschreibt die Spondylose als eine krankhafte Veränderung der Wirbelsäule, die aufgrund von starkem Verschleiß entsteht. Die Folgen sind Einschränkungen in der Bewegung, Reizung der Nerven, starke Schmerzen und Versteifungen.

Es gibt verschiedene Auslöser für Spondylose bei Hunden. Sie kann erblich bedingt sein, durch Krankheiten, Unfälle, Verletzungen oder Übergewicht verursacht werden.

Zu Beginn des Leidens sind es oft die kleinen Anzeichen, die darauf hinweisen:

  • Schweres Aufstehen nach dem Liegen 
  • Längeres sitzen fällt schwer 
  • Schmerzen an unterschiedlichen Bereichen 
  • Ungleichmäßige Gehbewegungen 
  • Einschränkung bei Sprüngen und anderen schnellen Bewegungen 

Du solltest deinen Hund beim Sport nicht übermäßig strapazieren und auf sein allgemeines Wohlbefinden achten. Ein ideales Körpergewicht ist von großem Vorteil. Hochgestellte Fressnäpfe schonen ebenfalls die Wirbelsäule. Für weitere Tipps lies unseren Artikel. 

Grünlippmuschelextrakt, Teufelskralle und CBD können die Symptome der Spondylose bei deinem Hund lindern. Außerdem kannst du ihm Traumeel als homöopathisches Schmerzmittel verabreichen.

Empfehlung vom Tierarzt

Indem du deinen Schützling körperlich nicht überforderst und ungewöhnliche Bewegungen oder Schmerzverhalten rechtzeitig erkennst, verhinderst du die Spondylose oder ihr Fortschreiten. Somit behält dein treuer Gefährte seine Lebensqualität.

Ein Besuch beim Arzt ist unabdingbar, um das Stadium der Krankheit zu erkennen und die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

Auch wenn Spondylose nicht ganz heilbar ist: Dein Tierarzt wird mit einer richtigen Diagnose und einer speziell abgestimmten Behandlung helfen können. Das wird für ein erfülltes und langes Leben sorgen, an dem du und dein Liebling noch sehr viel Spaß haben werdet.

Zu Anfang könnte die Umstellung deinen Liebling ein bisschen irritieren, aber er wird sich daran gewöhnen und schnell bemerken, dass es ihm so besser ergeht. Hier sind deine Geduld und Ruhe gefragt, die sich auch in kurzer Zeit bewähren werden.

Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic
Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Ich bin Tierarzt und Autor für Tiergesundheitsthemen. Tiere sind meine Leidenschaft und es ist mir ein persönliches Anliegen, medizinisch akkurate Artikel und Videos zu erstellen, um Tierbesitzer so gut es geht zu informieren.

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