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Wolfskralle beim Hund (Was ist das genau?)

In diesem Beitrag verraten wir dir alles wichtige zur Wolfskralle. Woher Sie kommt, wie sie aufgebaut ist und was du im Notfall machen kannst, falls Sie verletzt ist. Außerdem haben wir uns für diesen Artikel Beratung vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic eingeholt.

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Artikel Übersicht

Der zusätzliche Zeh auf den Hinterbeinen bei Hunden wird Wolfskralle oder auch Afterzehe bzw. Afterkralle genannt.

Aufbau und Funktion der Wolfskralle (Was ist die Wolfskralle überhaupt?)

Die Wolfskralle ist sozusagen ein zusätzlicher Zeh beim Hund. Genauer, der erste Zeh an der Innenseite der Hinterläufe. Er enthält meistens einen Knochen. Hierbei kann es sich um einen oder mehrere Knochenstücke handeln. Man unterscheidet zwischen gelenkig verbundenen oder nicht gelenkig verbundenen. 

Die Verbindung mit der Haut besteht aus Bindegewebe und ist relativ locker. Deswegen ist hier die Verletzungsgefahr hoch. Eine gelenkige Verbindung ist fester, da die Kralle mit dem Handwurzelknochen verbunden ist. Diese Art wird „dicke Wolfskralle“ genannt. 

Ähnlich dem sechsten Zeh beim Menschen kann sich vor der Geburt des Hundes eine zweite Wolfskralle bilden. Hier spricht man von einer „doppelten Wolfskralle“. Die Wolfskralle entspricht aus anatomischer Sicht dem großen Zeh des Menschen.

Während alle Hunde an den Vorderpfoten fünf Zehen haben, haben sie an den Hinterpfoten meistens nur vier. Der zusätzliche fünfte Zeh, die Wolfskralle, kommt nicht bei allen Hunden vor. 

Wie die meisten fleischfressenden Säugetiere bewegen sich Hunde auf ihren Zehen fort. Dies wird als sogenannte digitigrade Gangart bezeichnet. 

Allerdings befindet sich die Wolfskralle weit oben am Mittelfußknochen und kann gar nicht beim Laufen genutzt werden. Dadurch wird sie auch nicht auf natürlichem Wege gekürzt. 

Demnach hat die Wolfskralle keinerlei Nutzen oder eine Funktion. Nicht nur das, sie bringt auch Nachteile mit sich. Dein Vierbeiner könnte leicht damit hängenbleiben und Verletzungen davontragen.

Woher stammt die Wolfskralle ab (ein Überbleibsel?)

Da der Wolf keine Wolfskralle aufweist, kann man von einem noch älteren Urahnen des Haushundes als Träger der Kralle ausgehen. 

Wenn man sich den „Grundriss“ einer ursprünglichen Pfote ansieht, besteht diese immer aus fünf Zehen. Die Wolfkralle entspricht demnach dem ersten Zeh bzw. Daumen. 

Evolutionsbedingt werden diese fünf Zehen auf einzelne reduziert. Diese durch die Evolution entstandenen Rückbildungen werden Rudimente genannt. 

Dieser Fall ist beim ersten Zeh des Hundes eingetreten. Er hat sich gänzlich zurückgebildet. Bei einigen Fellnasen kann er allerdings individuell oder rassebedingt wieder als Wolfskralle auftreten. Besonders bei größeren Hunderassen kann dies der Fall sein.

Ist die Wolfskralle von der Rasse abhängig?

So gesehen kann jedem Hund je nach individueller Veranlagung eine Wolfskralle wachsen. 

Allerdings tritt sie bei bestimmten Rassen verstärkt auf. Hier einige Beispiele:

  • Afghane
  • Beauceron
  • Berger de Brie
  • Berner Sennenhund
  • Bracco Italiano
  • Briard
  • Deutsche Dogge
  • Gos d’Atura Català
  • Kangal
  • Malinois
Bei einigen Rassen gehört die Wolfskralle zum FCI-Standard und ist ein vorgeschriebenes Rassemerkmal. Beispielsweise werden beim Beauceron oder Kuvasz sogar zwei Wolfskrallen als Rassestandard vorgeschrieben. 

Das Gegenteil kann aber auch der Fall sein. Die FCI schreibt bei manchen Hundearten die operative Entfernung einer Wolfskralle vor. Sofern dies natürlich gesetzlich im jeweiligen Land erlaubt ist.

 

Wolfskrallen entfernen – ist das erlaubt?

Wenn die Wolfskralle bei deinem Liebling verletzt ist, kann eine Entfernung erforderlich sein. In diesem Fall ist es erlaubt, sie operativ entfernen zu lassen. 

Ansonsten greift hier das Verbot für die Amputation von Körperteilen, §6 (1) des Tierschutzgesetzes. Dieses Gesetz verhindert, dass ein Tier ohne zwingenden Grund Schmerzen erleiden muss oder geschädigt wird. 

Es gibt bestimmte Fälle, in denen dieses Gesetz nicht greift: Der Tierarzt kann aus gesundheitlichen Gründen eine Entfernung verordnen. Auch wenn der Hund als Jagdhund eingesetzt wird, ist die Entfernung erlaubt. 

Die Wolfskralle muss in Form einer Amputation chirurgisch entfernt werden. In Folge einer leichten Narkose (Sedierung) wird ein Hautschnitt gemacht. 

Wolfskrallen, die nicht gelenkig verbunden sind, lassen sich leichter entfernen, als gelenkig verbundene. Nach der Entfernung erfolgt eine Hautnaht zum Verschluss der Wunde.

Gesundheitliche Gründe, die für eine Entfernung sprechen, sind beispielsweise:

  • Tumor
  • Trauma
  • eitrige Entzündungen
  • Verletzungen
  • Verletzungsgefahr für sich 
  • Verletzungsgefahr für andere „Mithaustiere“
Wenn kein akuter Entfernungsgrund vorliegt, kann man mit dem Eingriff auf einen anderen, z.B. eine Sterilisation, warten. So vermeidet man, den Hund öfter einer Narkose auszusetzen.

Kosten für eine Entfernung

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Die Grundgebührenordnung für Tierärzte schreibt genauso wie alle Kosten auch diese vor. Die reinen Amputationskosten belaufen sich auf circa 17 Euro. 

Allerdings entstehen noch andere Kosten wie beispielsweise für Röntgenaufnahmen, die Narkose oder Materialen für die Operation. 

Frage deinen Tierarzt nach dem gesamten Kostenumfang für einen genauen Betrag. 

Verletzungen der Wolfskralle

Zu allererst sei gesagt, dass eine verletzte Wolfskralle eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit ist. Deshalb kann es sein, dass dein Hund bei einer Berührung der Verletzung sogar zubeißt. Nimm dich in Acht, bevor du ihn genauer untersuchst. 

Ein Maulkorb kann hier zu deinem Schutz hilfreich sein. Falls die Wolfskralle nur angebrochen ist und nicht blutet, reich es sie mit Jodsalbe zu behandeln und zu verbinden. Es ist wichtig, den Verband nach einer Nacht/einem Tag abzunehmen und den Zustand zu untersuchen. 

Wenn nur ein kleines Krallenstück abgebrochen ist, genügt es, sie zu kürzen. Wenn die Wolfskralle komplett abgebrochen ist, wird eine Amputation unumgänglich. 

Bei einer stark blutenden Wunde ist die Kralle wahrscheinlich eingerissen oder komplett ausgerissen. Hier musst du erst einmal einen Schutzverband anlegen, damit dein Liebling die Wunde nicht ableckt. So können keine Keime hinein gelangen. 

In diesem Fall sind eine Naht und eine Antibiotikabehandlung notwendig. Bis die Wunde endgültig verheilt ist, muss dein Schützling wahrscheinlich einen Trichter tragen. 

Du solltest bei jeder Verletzung der Wolfkralle den Tierarzt deines Vertrauens aufsuchen. Nur er kann fachgerecht abschätzen, ob eine medikamentöse oder chirurgische Behandlung notwendig ist.

Verletzungen vorbeugen

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Die Wolfskralle kann abstehen oder einwachsen. Daher sollte die Kralle zur Vermeidung von Verletzungen regelmäßig gekürzt werden. Du solltest alle sechs bis acht Wochen eine Kürzung durchführen. 

So lässt sich auch ein Einwachsen verhindern. Durch die kurze Kralle wird auch ein Einreißen beispielsweise während des Spielens weitgehend verhindert.

Häufig gestellte Fragen

Die sogenannte Wolfskralle ist ein Überbleibsel der Vorfahren des Hundes. Sie entspricht anatomisch dem Daumen und wird nicht von jedem Hund ausgebildet. Sie hat keinen Nutzen.

Man darf die Wolfskralle nur bei Verletzungen oder Entzündungen entfernen lassen. Ist die Wolfskralle gesund, stellt sie keine Gefahr für deinen Hund dar.

Am besten kürzt du die Wolfskralle deines Hundes regelmäßig. Dadurch wird das Risiko einer Verletzung minimiert, weil dein Hund nicht mehr so leicht mit seiner Kralle hängenbleiben kann.

Empfehlung vom Tierarzt

Nicht jeder Hund hat zwingend eine Wolfskralle. Überprüfe zuerst, ob sie bei deinem Schützling vorhanden ist. 

Letztendlich liegt es am Tierarzt, ob die Wolfskralle entfernt werden muss. Ansonsten liegt es in deiner Verantwortung sie regelmäßig zu kürzen, um Verletzungen zu verhindern.

Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic
Geprüft vom Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Ich bin Tierarzt und Autor für Tiergesundheitsthemen. Tiere sind meine Leidenschaft und es ist mir ein persönliches Anliegen, medizinisch akkurate Artikel und Videos zu erstellen, um Tierbesitzer so gut es geht zu informieren.

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