Ein Hund, der freudig anspringt, meint es nicht böse. Aber 30 Kilo, die auf dich zustürmen, sind für Kinder, ältere Menschen und Fremde ein Problem. Woher das kommt: Junghunde lecken der Mutter die Lefzen, um Futter zu erbetteln. Bei Menschen versuchen sie dasselbe, nur dass unser Gesicht zu weit oben ist. Also springen Hunde hoch. Wer das nicht von Anfang an lenkt, hat es später schwerer.

Begrüßung. Der häufigste Grund. Wenn du nach Hause kommst, ist die Aufregung groß. Dein Hund will dein Gesicht erreichen, so wie er es als junger Hund bei seiner Mutter getan hat. Das Hochspringen ist sein Versuch, dir nah zu sein.
Aufmerksamkeit. Dein Hund hat gelernt, dass Anspringen funktioniert. Selbst ein „Nein" oder ein Wegschieben ist für ihn eine Reaktion. Er bekommt, was er will: deine Aufmerksamkeit. Je öfter das Anspringen mit einer Reaktion belohnt wurde, desto hartnäckiger hält der Hund daran fest.
Erregung. Manche Hunde bellen dabei und springen bei jeder Aufregung hoch, nicht nur zum Grüßen. Besuch klingelt, ein anderer Hund taucht auf, das Lieblingsspielzeug kommt raus. Wenn der Hund bellt und anspringt, ist das Verhalten ein Ventil für überschüssige Energie. Hier hilft gezieltes Training der Impulskontrolle. Dass Hunde fremde Menschen anspringen, hat fast immer mit fehlender Erziehung zu tun.
Stress. In seltenen Fällen springt ein Hund aus Überforderung. Wenn zu viele Reize gleichzeitig auf ihn einwirken und er keinen Ausweg findet, kann das Anspringen eine Übersprungshandlung sein. Das erkennst du an hektischem Auf- und Abspringen, oft begleitet von Winseln.
Mit dem Training solltest du so früh wie möglich beginnen. Bei jungen Hunden sieht das Verhalten harmlos aus. Ein junger Hund, der dir die Pfoten auf die Knie legt, ist niedlich. Aber genau hier wird das Muster angelegt. Wenn du einen 8 Wochen alten Hund für das Springen bestätigst (durch Streicheln, Lachen oder Aufheben), lernt er: Springen lohnt sich. Mit 25 Kilo Körpergewicht wird dasselbe Verhalten zum Problem.
So gehst du vor. Wenn er anspringt, reagiere nicht. Kein Blickkontakt, kein Wort, kein Anfassen. Dreh dich zur Seite oder geh ein paar Schritte weg. Sobald er mit vier Pfoten auf dem Boden steht, begrüße ihn: Streicheln, Loben, Leckerchen. Er verknüpft: Am Boden stehen = Aufmerksamkeit. Springen = nichts passiert.
Das funktioniert in der Regel innerhalb von 2-3 Wochen, wenn alle Familienmitglieder konsequent mitmachen. Ein einziges Familienmitglied, das den jungen Hund hochhebt, wenn er springt, reicht aus, um den Lerneffekt zu zerstören. In einer Hundeschule bekommt dein Hund das gleiche Feedback von anderen Hundehaltern.
Bei einem erwachsenen Vierbeiner dauert das Umlernen länger. Das Anspringen hat sich über Monate oder Jahre verfestigt. Das Prinzip bleibt aber gleich: unerwünschtes Verhalten ignorieren, erwünschtes Verhalten belohnen.
Methode 1: Ignorieren und bestätigen. Funktioniert wie bei jungen Hunden, braucht aber mehr Geduld. Dreh dich weg, sobald er springt. Keine Reaktion, kein Blickkontakt. Warte, bis er mit allen Pfoten am Boden steht. Dann sofort belohnen. Konsequenz ist hier alles. Springt der Hund dennoch, jedes Mal ignorieren.
Methode 2: Sitz als Alternative. Trainiere „Sitz" als festes Ritual, wenn du nach Hause kommst. Sagst du „Sitz", bevor der Hund springt, und er setzt sich, wird er sofort begrüßt. So lernt er: Wer sitzt, bekommt Zuwendung. Wer springt, bekommt nichts. Dieses Alternativverhalten gibt dem Hund eine klare Handlungsanweisung, statt nur zu verbieten.
Methode 3: Leckerli auf den Boden. Wirf beim Reinkommen sofort ein paar Leckerli auf den Boden. Dein Hund sucht statt zu springen. Das baut die überschüssige Energie in den ersten Sekunden ab. Danach begrüßt du ihn ruhig. Diese Methode eignet sich gut als Übergangslösung, bis du deinem Hund das Anspringen abgewöhnen kannst.
Das größte Problem: Besucher, die den Hund springen und bellen lassen. Um das Anspringen zu unterbinden, muss jede Person konsequent reagieren. „Ach, das macht doch nichts" ist der Satz, der dein Training untergräbt.
Sprich Besucher vorher an. Bitte sie, den Hund zu ignorieren, wenn er Menschen anspringt. Kein Streicheln, kein Blickkontakt, kein Lachen. Erst wenn der Hund ruhig ist, darf die Begrüßung stattfinden. Bei Gästen, die nicht mitmachen wollen, den Hund an die Leine nehmen oder in einen anderen Raum bringen, bis die Aufregung abgeklungen ist.
Auch auf der Straße: Wenn dein Hund Fremde anspringt, entschuldige dich und nimm ihn zurück. Trainiere Leinenführigkeit und das Kommando Bleib, damit hört das unkontrollierte Losspringen bei Begegnungen auf. Ein Hund, der des Anspringens wegen schon auffällig war, braucht konsequentes Management.
Beim Anspringen machen viele Hundebesitzer den gleichen Fehler: Sie reagieren inkonsequent.
Inkonsequenz. Der häufigste Fehler. Wenn das Verhalten manchmal toleriert wird (morgens im Pyjama „darf er"), lernt der Hund nicht, dass es unerwünscht ist. Wer dem Hund das Anspringen abgewöhnen will, muss ausnahmslos reagieren.
Wegschieben als Reaktion. Viele schieben den Hund weg, wenn er nach oben springt. Für den Hund ist das Körperkontakt und damit Bestätigung. Statt wegzuschieben: Hände verschränken, Blick abwenden, Körper drehen.
Bestrafung. Anschreien, Knie hochziehen oder die Vorderläufe festhalten sind veraltete Methoden. Sie erzeugen Stress und können zu Unsicherheit führen. Das Verhalten wird nicht gelöst, sondern verschoben. Ein Hundetrainer, der mit positiver Verstärkung arbeitet, kann bei hartnäckigen Fällen helfen.
Die Übungen in diesem Artikel sind ein Auszug aus dem Hundeo-Kurs „Grundgehorsam". Bei Hundeo Pro findest du alle Lektionen als Videoanleitung mit Schritt-für-Schritt-Aufbau, dazu Trainings-Tracking und bei Problemen persönliche Hilfe von echten Trainern.