Schuhe zerlegt, Stuhlbeine angenagt, Ladekabel durchgebissen? Kaum bist du aus dem Raum, hat dein Hund sich das nächste Opfer gesucht. Schimpfen bringt nichts, denn er versteht den Zusammenhang nicht. Die Lösung hängt vom Alter ab: Bei Welpen steckt fast immer der Zahnwechsel dahinter, bei erwachsenen Hunden Langeweile, Trennungsangst oder Unterforderung. Hier findest du die richtige Strategie für jede Ursache.

Zahnwechsel. Zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat verlieren Welpen ihre Milchzähne. Das Zahnfleisch juckt und schmerzt. Kauen massiert das Zahnfleisch und hilft, lockere Zähne loszuwerden. In dieser Phase knabbern Welpen an allem, was sie finden. Das ist normal und lässt nach, sobald die bleibenden Zähne da sind.
Langeweile. Ein Hund, der körperlich und geistig unterfordert ist, sucht sich selbst Beschäftigung. Schuhe, Tischbeine und Sofaecken sind leicht erreichbar und geben dem Kautrieb nach. Besonders betroffen sind Hunde, die lange allein sind und wenig Abwechslung haben.
Trennungsangst. Manche Hunde knabbern nur, wenn sie allein sind. Das Kauen dient als Ventil für Stress. Typische Anzeichen: Die Zerstörung findet ausschließlich in Abwesenheit des Halters statt, der Hund ist bei der Rückkehr aufgeregt oder ängstlich, und die Gegenstände liegen oft in der Nähe der Eingangstür.
Aufmerksamkeit. Wer schimpft, wenn der Hund knabbert, gibt ihm Beachtung. Für einen unterbeschäftigten Hund ist das ein Gewinn. Der Zusammenhang verfestigt sich: Knabbern bringt Reaktion.
Erkundung. Hunde, besonders junge, erforschen ihre Umgebung mit dem Maul. Das ist vergleichbar mit Kindern, die alles anfassen. Mit der Zeit nimmt dieses Verhalten ab, wenn der Hund seine Umgebung kennt.
Geeignetes Kauspielzeug. Kauartikel aus Naturkautschuk, Rinderknochen, getrockneter Pansen oder Kaurollen befriedigen den Kautrieb. Für Welpen im Zahnwechsel: Kauspielzeug vorher kühlen, das lindert den Juckreiz. Immer mehrere Optionen anbieten und regelmäßig wechseln, damit es interessant bleibt.
Umlenken statt bestrafen. Wenn du den Hund beim Knabbern an einem verbotenen Gegenstand erwischst: ruhig "Nein" sagen, den Gegenstand wegnehmen und sofort ein erlaubtes Kauspielzeug anbieten. Wenn er das Spielzeug nimmt, loben. Das muss bei jedem Vorfall passieren, konsequent und ohne Ausnahme.
Gegenstände sichern. Schuhe in den Schrank, Kabel in Kabelkanäle, Kinderspielzeug aufräumen. Was nicht erreichbar ist, kann nicht zerstört werden. Besonders wichtig, wenn der Hund noch nicht zuverlässig trainiert ist oder allein bleibt.
Mehr Auslastung. Die wirksamste Maßnahme gegen Knabbern aus Langeweile. Spaziergänge mit Nasenarbeit, Denkspiele, Apportierübungen oder Clickertraining. Ein ausgelasteter Hund schläft zu Hause, statt Möbel zu bearbeiten.
Bittersprays. Ungiftige Sprays mit bitterem Geschmack auf Möbel, Kabel oder Schuhe sprühen. Wirkt als Überbrückung, bis das Training greift. Manche Hunde gewöhnen sich allerdings an den Geschmack.
Nicht nachträglich bestrafen. Wenn du nach Hause kommst und ein zerstörtes Kissen findest: ruhig bleiben und aufräumen. Der Hund kann den Zusammenhang zwischen der Zerstörung vor Stunden und deinem Ärger jetzt nicht herstellen. Schimpfen erzeugt nur Unsicherheit und verschlimmert Trennungsangst.
Wenn der Hund nur in deiner Abwesenheit Dinge zerstört, steckt oft Trennungsangst dahinter. Das Training ist dann ein anderes als bei Langeweile: Der Hund muss lernen, allein zu bleiben.
Kurze Abwesenheiten üben und schrittweise verlängern. Kein Abschiedsritual, kein überschwängliches Begrüßen. Weggehen und Wiederkommen soll Normalität sein. Einen gefüllten Kong oder ein Kauknochen vor dem Gehen geben, damit der Hund eine positive Beschäftigung hat. Bei schwerer Trennungsangst professionelle Hilfe durch einen Hundetrainer holen.
Wenn ein Hund intensiv an seinen Pfoten knabbert, steckt selten Langeweile dahinter. Häufige Ursachen: Allergien (Futtermittel, Pollen, Hausstaubmilben), Parasiten (Milben, Flöhe), Fremdkörper zwischen den Zehen, trockene Haut oder Pilzinfektionen. Auch Zahnprobleme bei erwachsenen Hunden können vermehrtes Kauen auslösen. In diesen Fällen den Tierarzt aufsuchen, bevor am Verhalten trainiert wird.
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