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Ohrenentzündung beim Hund

Ohrenentzündungen sind bei Hunden häufig und schmerzhaft. Typische Anzeichen sind Kopfschütteln, Kratzen, Geruch, Rötung oder Ausfluss. Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser.

9 Min. Lesezeit
Illustration eines Hundes mit Symbolen rund ums Ohr.
Das Wichtigste in Kürze
  • 3 Formen: Otitis externa (häufigste), media und interna (gefährlichste)
  • Ursachen: Feuchtigkeit, Allergien, Hefepilze, Bakterien, Milben, Fremdkörper
  • Symptome: Kopfschütteln, Kratzen, Geruch, Rötung, Ausfluss
  • Notfall: Gleichgewichtsstörungen, starke Schmerzen, Kopfschiefhaltung
  • Behandlung: Immer beim Tierarzt, da die Therapie von der Ursache abhängt

Dein Hund schüttelt ständig den Kopf, kratzt sich am Ohr oder riecht plötzlich unangenehm aus dem Ohrbereich? Ohrenentzündungen gehören zu den häufigsten Gründen für Tierarztbesuche bei Hunden. Etwa 10 bis 20 Prozent aller Hunde sind mindestens einmal im Leben betroffen. Das Problem: Viele Besitzer behandeln mit Hausmitteln oder Ohrentropfen, ohne die eigentliche Ursache zu kennen. So wird die Entzündung oft chronisch.

Arten von Ohrenentzündungen

Nicht jede Ohrenentzündung ist gleich. Je nachdem, welcher Teil des Ohrs betroffen ist, unterscheidet man drei Formen:

Otitis externa betrifft den äußeren Gehörgang, also den Bereich zwischen Ohrmuschel und Trommelfell. Das ist die mit Abstand häufigste Form. Der Hund kratzt sich, der Gehörgang ist gerötet, oft kommt Ausfluss dazu. Bei rechtzeitiger Behandlung heilt sie gut ab.

Otitis media betrifft das Mittelohr hinter dem Trommelfell. Sie entsteht meistens, wenn eine Otitis externa nicht oder zu spät behandelt wird und die Entzündung durch das Trommelfell wandert. Die Schmerzen sind deutlich stärker, der Hund lässt sich am Kopf kaum noch anfassen.

Otitis interna greift das Innenohr an, wo das Gleichgewichtsorgan sitzt. Diese Form ist selten, aber ernst. Hunde mit Otitis interna zeigen oft Gleichgewichtsstörungen, laufen im Kreis oder fallen zur Seite. Ohne Behandlung drohen bleibende Schäden am Gehör oder Gleichgewichtssinn.

Die Formen können fließend ineinander übergehen. Was als leichte Rötung im äußeren Gehörgang beginnt, kann sich innerhalb weniger Wochen bis ins Innenohr ausbreiten.

Typische Ursachen

Ohrenentzündungen haben selten nur einen Auslöser. Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen:

Feuchtigkeit ist einer der häufigsten Risikofaktoren. Wasser im Gehörgang, das nach dem Schwimmen oder Baden nicht abtrocknet, schafft ein feuchtwarmes Klima. Hefepilze und Bakterien fühlen sich dort wohl und vermehren sich schnell.

Anatomie spielt eine große Rolle. Hunde mit Schlappohren haben eine schlechtere Luftzirkulation im Gehörgang als Hunde mit Stehohren. Bei Rassen mit engem oder stark behaartem Gehörgang staut sich Feuchtigkeit noch leichter.

Allergien sind eine häufig übersehene Ursache. Futtermittelallergien und Umweltallergien (Pollen, Hausstaubmilben) können eine Entzündung im Gehörgang auslösen oder bestehende Probleme verschlimmern. Wenn die Ohrenentzündung immer wiederkommt, lohnt sich eine Allergiediagnostik.

Hefepilze (Malassezia) besiedeln die Hundehaut natürlicherweise. Wenn das Ohrmilieu aus dem Gleichgewicht gerät, vermehren sie sich unkontrolliert. Typisch: bräunlicher, krümeliger Ausfluss mit einem leicht süßlichen Geruch.

Bakterien wie Staphylokokken oder Pseudomonaden können eine Entzündung verursachen oder eine bestehende verschlimmern. Bakterielle Infektionen produzieren oft gelblichen oder grünlichen, eitrigen Ausfluss.

Ohrmilben (Otodectes cynotis) sind vor allem bei Welpen und jungen Hunden verbreitet. Sie verursachen starken Juckreiz und einen dunkelbraunen, kaffeesatzartigen Belag im Ohr. Milben sind ansteckend und können auf andere Tiere im Haushalt übergehen.

Fremdkörper wie Grannen (Grassamen) können in den Gehörgang gelangen und dort eine akute Entzündung auslösen. Das passiert besonders im Sommer bei Spaziergängen durch hohe Wiesen. Grannen haben Widerhaken und wandern im Gehörgang immer tiefer. Ein plötzliches, heftiges Kopfschütteln nach dem Spaziergang ist ein Warnsignal.

Symptome erkennen

Manche Anzeichen sind offensichtlich, andere leicht zu übersehen. Achte auf:

  • Kopfschütteln: Häufig und intensiv, besonders nach dem Aufwachen
  • Kratzen am Ohr: Der Hund reibt das Ohr an Möbeln oder kratzt mit der Hinterpfote
  • Geruch: Ein muffiger, süßlicher oder eitriger Geruch aus dem Ohr
  • Rötung und Schwellung: Die Innenseite der Ohrmuschel oder der Gehörgang ist gerötet
  • Ausfluss: Braun, gelb oder grünlich, krümelig oder eitrig
  • Schmerzreaktion: Der Hund zieht den Kopf weg, wenn man das Ohr berührt
  • Kopfschiefhaltung: Der Kopf wird dauerhaft zur betroffenen Seite geneigt
  • Verhaltensänderungen: Unruhe, Appetitlosigkeit, der Hund wirkt gedrückt

Bei einseitigen Symptomen (nur ein Ohr betroffen) liegt häufig ein Fremdkörper oder eine lokale Infektion vor. Sind beide Ohren betroffen, deutet das eher auf Allergien oder eine systemische Ursache hin.

Wann sofort zum Tierarzt

Die meisten Ohrenentzündungen sind gut behandelbar, wenn man rechtzeitig zum Tierarzt geht. Bei folgenden Anzeichen solltest du nicht abwarten:

  • Gleichgewichtsstörungen: Der Hund taumelt, fällt um oder läuft im Kreis. Das deutet auf eine Beteiligung des Innenohrs hin.
  • Starke Schmerzen: Der Hund lässt sich am Kopf nicht anfassen, winselt oder ist aggressiv bei Berührung.
  • Neurologische Symptome: Augenzittern (Nystagmus), heraushängende Zunge auf einer Seite, unkoordinierte Bewegungen.
  • Starker eitriger Ausfluss: Grünlicher oder blutiger Eiter kann auf eine schwere bakterielle Infektion hindeuten.
  • Fieber und Appetitlosigkeit: Zeichen, dass die Infektion sich ausbreitet.
  • Plötzliches Kopfschütteln nach einem Spaziergang: Hinweis auf einen Fremdkörper im Gehörgang.

In diesen Fällen zählt jede Stunde. Eine Otitis interna oder ein festsitzender Fremdkörper können ohne schnelle Behandlung zu bleibenden Schäden führen.

Diagnose und Behandlung

Warum der Tierarzt nötig ist

Ohne die richtige Diagnose ist eine gezielte Behandlung nicht möglich. Ohrentropfen aus der Apotheke behandeln die Symptome, nicht die Ursache. Ist eine Hefepilz-Infektion der Auslöser, helfen Antibiotika nicht. Sind Milben schuld, braucht der Hund ein Antiparasitikum. Und bei einer Allergie kommt die Entzündung immer wieder, bis die Allergie selbst behandelt wird.

Was der Tierarzt macht

Otoskopie: Mit einem beleuchteten Ohrtrichter untersucht der Tierarzt den Gehörgang und das Trommelfell. So lässt sich beurteilen, wie weit die Entzündung reicht und ob Fremdkörper vorhanden sind.

Zytologie: Ein Abstrich aus dem Ohr wird unter dem Mikroskop untersucht. So kann der Tierarzt erkennen, ob Hefepilze, Bakterien oder Milben beteiligt sind.

Bakterienkultur: Bei wiederkehrenden oder schweren Infektionen wird eine Kultur angelegt, um den genauen Erreger zu bestimmen und die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika zu testen (Antibiogramm).

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie richtet sich nach der Ursache:

  • Ohrreiniger: Bei leichten Entzündungen reicht manchmal eine professionelle Reinigung und anschließende Pflege mit einem geeigneten Ohrreiniger.
  • Antimykotika: Gegen Hefepilz-Infektionen (z.B. Clotrimazol, Miconazol).
  • Antibiotische Ohrentropfen: Bei bakteriellen Infektionen, idealerweise nach Antibiogramm.
  • Antiparasitika: Gegen Ohrmilben (z.B. Selamectin, Moxidectin). Alle Tiere im Haushalt mitbehandeln.
  • Entzündungshemmer: Kortikosteroide in den Ohrentropfen lindern Schwellung und Juckreiz.
  • Allergietherapie: Bei allergischer Ursache müssen die Auslöser identifiziert werden (Eliminationsdiät, Allergietest). Sonst kommt die Ohrenentzündung immer wieder.
  • Chirurgischer Eingriff: Bei Fremdkörpern, Polypen oder chronischen Fällen, die auf keine Therapie ansprechen.

Die Behandlungsdauer liegt meistens bei 7 bis 14 Tagen. Die Therapie vollständig durchführen, auch wenn die Symptome nach wenigen Tagen verschwinden. Bei chronischen Ohrenentzündungen kann die Behandlung deutlich länger dauern.

Was du zu Hause tun kannst

Ohrenentzündungen gehören in tierärztliche Hände. Aber du kannst einiges tun, damit es gar nicht erst so weit kommt, und die Behandlung unterstützen:

Regelmäßig kontrollieren: Einmal pro Woche einen Blick in die Ohren werfen. Gesunde Hundeohren sind blassrosa, trocken und geruchsneutral. Veränderungen bei Farbe, Geruch oder Ausfluss frühzeitig erkennen.

Nach dem Schwimmen trocknen: Die Ohrmuschel vorsichtig mit einem weichen Tuch abtupfen. Kein Wasser in den Gehörgang drücken. Bei Hunden, die oft schwimmen, kann ein tierärztlich empfohlener Ohrreiniger nach dem Baden helfen, die Restfeuchtigkeit zu binden.

Keine Wattestäbchen tief ins Ohr: Die Ohrmuschel und den sichtbaren Bereich des Gehörgangs darfst du vorsichtig reinigen. Aber: Wattestäbchen oder andere Gegenstände niemals tief in den Gehörgang schieben. Das schiebt Schmutz und Ohrenschmalz nur tiefer und kann das Trommelfell verletzen.

Ohrentropfen richtig geben: Falls vom Tierarzt verschrieben, die Ohrmuschel leicht anheben, die Tropfen in den Gehörgang geben und die Ohrbasis sanft massieren, damit das Mittel sich verteilt. Danach den Hund den Kopf schütteln lassen.

Grannen-Check nach Spaziergängen: Im Sommer nach Spaziergängen durch Wiesen und Felder die Ohren auf Grassamen kontrollieren. Grannen im sichtbaren Bereich vorsichtig entfernen. Sitzt etwas tiefer, ab zum Tierarzt.

Rassen mit erhöhtem Risiko

Grundsätzlich kann jeder Hund eine Ohrenentzündung bekommen. Manche Rassen sind jedoch anatomisch stärker gefährdet:

Hunde mit Schlappohren wie Cocker Spaniel, Basset Hound, Beagle, Golden Retriever oder Labrador haben eine eingeschränkte Luftzirkulation im Gehörgang. Unter den herabhängenden Ohren staut sich Wärme und Feuchtigkeit.

Hunde mit behaarten Gehörgängen wie Pudel, Schnauzer oder bestimmte Terrier haben dichtes Haarwachstum im Gehörgang. Die Haare können den Luftstrom behindern und Ohrenschmalz festhalten.

Hunde mit engem Gehörgang wie Shar-Pei oder Bulldoggen haben teilweise sehr enge Gehörgänge, in denen sich Feuchtigkeit und Sekret leicht stauen.

Wenn dein Hund zu einer dieser Rassen gehört, lohnt sich eine besonders regelmäßige Ohrkontrolle. Frag deinen Tierarzt, ob bei deinem Hund eine routinemäßige Ohrreinigung sinnvoll ist.

Vorbeugung

Viele Ohrenentzündungen lassen sich verhindern oder zumindest in der Häufigkeit reduzieren:

  • Ohren wöchentlich kurz kontrollieren: sehen, riechen, fühlen
  • Nach dem Schwimmen oder Baden die Ohren trocknen
  • Beim Tierarzt fragen, ob die Gehörgangsbehaarung ausgedünnt werden sollte
  • Allergien als Ursache abklären lassen, wenn die Entzündung wiederholt auftritt
  • Den Hund nach Wiesen-Spaziergängen auf Grannen untersuchen
  • Keine aggressiven Reinigungsmittel oder Hausmittel ins Ohr geben
  • Bei Anfälligkeit: tierärztlich empfohlenen Ohrreiniger nach Bedarf verwenden

Hast du aufgepasst?

Frage 1 von 3

Warum sollte man eine Ohrenentzündung nicht selbst mit Ohrentropfen aus der Apotheke behandeln?

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Häufig gestellte Fragen

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Geschrieben von

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Tierarzt & Fachautor

Mag.med.vet. (Tiermedizin)Praktizierender TierarztCo-Autor der Hunde Gesundheits Bibel

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic erstellt medizinisch fundierte Artikel und Videos zu Tiergesundheitsthemen. Er ist Co-Autor der Hunde Gesundheits Bibel und sorgt mit seiner Expertise für fachlich korrekte Inhalte bei Hundeo.

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