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Kokosöl für Hunde

Kokosöl wird bei Hunden oft für Fell, Pfoten und Zecken beworben. Ein Teil davon ist als Pflege nachvollziehbar. Als Ersatz für verlässlichen Parasiten- oder Gesundheitsschutz sollte man es aber nicht verkaufen.

6 Min. Lesezeit
Flache Illustration eines weißen Hundes mit spitzen Ohren und einem türkisfarbenen Bandana.
Das Wichtigste in Kürze
  • Kokosöl ist als Pflegeprodukt für Pfoten und trockene Hautstellen sinnvoll
  • Im Futter nur in sehr kleinen Mengen und nur bei Verträglichkeit
  • Als Zeckenschutz nicht verlässlich genug, um auf wirksame Präparate zu verzichten
  • Bei Übergewicht oder Pankreatitis nicht geeignet

Kokosöl gehört zu den Produkten, die im Hundebereich schnell überladen werden. Die Versprechen reichen von Pfotenpflege über Zeckenschutz bis hin zu antibakterieller Wirkung und Krebsprävention. Ein paar dieser Anwendungen haben einen Kern, die meisten gehen aber deutlich zu weit.

Was Kokosöl enthält

Kokosöl besteht zu über 80 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Der größte Anteil davon sind mittelkettige Fettsäuren (MCTs), vor allem Laurinsäure mit einem Anteil von rund 45 bis 50 Prozent. Dazu kommen kleinere Mengen Caprylsäure und Caprinsäure.

Laurinsäure ist der Stoff, auf den sich die meisten Behauptungen rund um Kokosöl beim Hund beziehen. In Laborversuchen zeigt Laurinsäure bestimmte Eigenschaften gegen Bakterien und Pilze. Ob sich das auf den lebenden Hund übertragen lässt, ist eine andere Frage. Laborergebnisse und der Organismus eines Tieres sind zwei verschiedene Dinge.

Was Kokosöl nicht enthält: Omega-3-Fettsäuren. Wer seinem Hund etwas für die Fettsäurenbalance geben möchte, ist mit Lachsöl oder Hanföl besser beraten.

Kokosöl im Futter

In kleinen Mengen kann Kokosöl dem Futter beigemischt werden. Manche Hunde mögen den Geschmack, und MCTs sind leicht verdaulich. Kokosöl kann das Futter geschmacklich aufwerten und liefert schnell verfügbare Energie.

Mehr sollte man daraus nicht ableiten. Kokosöl ist kein Nahrungsergänzungsmittel mit therapeutischer Wirkung. Es ersetzt keine fehlenden Nährstoffe und ist kein Mittel gegen Verdauungsprobleme.

Wenn ein Hund Kokosöl gut verträgt und es gerne frisst, spricht bei einer angemessenen Menge wenig dagegen. Die Betonung liegt auf "angemessen": Kokosöl hat rund 860 Kalorien pro 100 Gramm.

Äußerliche Anwendung

Hier hat Kokosöl seinen stärksten Praxisnutzen. Für trockene, rissige Pfoten eignet sich eine dünne Schicht Kokosöl als Pflege. Auch bei kleineren rauen Hautstellen kann es als Feuchtigkeitspflege dienen.

Sinnvolle äußerliche Anwendungen:

  • Trockene oder rissige Pfotenballen nach Winterspaziergängen
  • Raue Hautstellen am Bauch oder an den Ellenbogen
  • Leicht sprödes Fell (dünn in die Hände nehmen und durchstreichen)

Bei offenen Wunden, nässenden Stellen oder Hautinfektionen ist Kokosöl nicht geeignet. Solche Fälle gehören zum Tierarzt. Kokosöl ist Pflege, keine Wundbehandlung.

Ein praktischer Hinweis: Viele Hunde lecken das Öl sofort ab. Bei Pfotenpflege hilft es, den Hund danach kurz abzulenken oder Socken überzuziehen, bis das Öl eingezogen ist.

Kokosöl als Zeckenschutz?

Das ist der Punkt, an dem die Erwartungen am weitesten von der Realität entfernt sind. Im Internet wird Kokosöl oft als natürlicher Zeckenschutz empfohlen, meist mit Verweis auf die Laurinsäure.

Was dahintersteckt: Eine Laborstudie der FU Berlin (2008) zeigte, dass Laurinsäure in hoher Konzentration eine abschreckende Wirkung auf Zecken haben kann. Die Studie wurde unter Laborbedingungen durchgeführt, nicht am lebenden Hund unter realen Bedingungen. Die Konzentration an Laurinsäure, die auf der Haut tatsächlich ankommt und dort bleibt, ist im Alltag deutlich geringer als im Labor.

Kokosöl als alleinigen Zeckenschutz zu empfehlen, wäre fahrlässig. Besonders in Gebieten mit hohem Zeckendruck und Borreliose- oder FSME-Risiko.

Die bessere Reihenfolge:

  1. Wirksamen Zeckenschutz mit dem Tierarzt besprechen
  2. Den Hund nach jedem Spaziergang absuchen
  3. Zecken schnell und korrekt entfernen
  4. Kokosöl höchstens als ergänzende Pflege betrachten, nicht als Schutz

Dosierung

Wer Kokosöl ins Futter geben möchte, sollte sehr zurückhaltend dosieren. Kokosöl ist extrem kalorienreich, und zu viel Fett auf einmal kann Durchfall, Erbrechen oder Übelkeit auslösen.

Grobe Orientierung pro Tag:

  • Kleine Hunde (bis 10 kg): 0,25 bis 0,5 Teelöffel
  • Mittlere Hunde (10 bis 25 kg): 0,5 bis 1 Teelöffel
  • Große Hunde (über 25 kg): ca. 1 Teelöffel

Immer mit einer sehr kleinen Menge anfangen und über mehrere Tage langsam steigern. Wenn der Hund mit weichem Kot, Durchfall oder Unwohlsein reagiert: Menge reduzieren oder ganz weglassen.

Für die äußerliche Anwendung reicht eine erbsengroße Menge für die Pfoten oder eine kleine Menge zwischen den Händen verrieben für das Fell.

Wann Kokosöl nicht geeignet ist

Es gibt Hunde, bei denen Kokosöl im Futter mehr schadet als nützt:

Übergewichtige Hunde. Kokosöl liefert viel Fett und damit viele Kalorien. Bei Hunden, die abnehmen sollen, ist jede zusätzliche Fettquelle kontraproduktiv.

Hunde mit Pankreatitis. Bauchspeicheldrüsenentzündungen erfordern eine fettarme Ernährung. Kokosöl passt da nicht ins Konzept, auch nicht in kleinen Mengen. Hier unbedingt den Tierarzt fragen.

Hunde mit empfindlicher Verdauung. Manche Hunde vertragen kein zusätzliches Fett, egal welches Öl. Wenn ein Hund zu Durchfall neigt oder auf Fettreiches sensibel reagiert, lieber darauf verzichten.

Bei Hautinfektionen oder offenen Wunden. Auch äußerlich sollte man Kokosöl nur auf intakter Haut verwenden. Bei Infektionen, Pilzbefall oder nässenden Stellen gehört der Hund zum Tierarzt.

Welches Kokosöl?

Wenn Kokosöl, dann natives (virgin), kaltgepresstes Kokosöl in Bio-Qualität. Raffiniertes oder desodoriertes Kokosöl hat einen Großteil der Inhaltsstoffe verloren und bietet keinen Vorteil gegenüber einem beliebigen anderen Pflanzenöl.

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Frage 1 von 3

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Quellen

Häufig gestellte Fragen

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Geschrieben von

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Tierarzt & Fachautor

Mag.med.vet. (Tiermedizin)Praktizierender TierarztCo-Autor der Hunde Gesundheits Bibel

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic erstellt medizinisch fundierte Artikel und Videos zu Tiergesundheitsthemen. Er ist Co-Autor der Hunde Gesundheits Bibel und sorgt mit seiner Expertise für fachlich korrekte Inhalte bei Hundeo.

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