Zu lange Krallen schaden dem Bewegungsapparat. Schritt-für-Schritt: Krallen sicher schneiden, mit Tipps für helle und dunkle Krallen.

Besonders bei älteren Hunden, die sich weniger bewegen, nutzen sich die Krallen langsamer ab. Zu lange Krallen sind kein kosmetisches Problem: sie verursachen Schmerzen und auf Dauer ernsthafte Schäden am Bewegungsapparat.
Wenn die Krallen den Boden berühren, drücken sie die Zehenballen beim Auftreten nach oben. Das ist schmerzhaft, besonders bei längeren Spaziergängen. Hunde weichen dabei in eine Schonhaltung aus, was langfristig zu Haltungsschäden sowie Gelenk- und Rückenproblemen führen kann.
Zu lange Krallen können außerdem einwachsen, abbrechen oder ausreißen. Eingerissene Krallen sind extrem schmerzhaft und stark infektionsgefährdet.
Hört man auf Parkett oder Fliesen ein Klicken, sind die Krallen zu lang. Sie sollten höchstens die Länge des Ballens haben und den Boden nicht berühren.
Je länger die Krallen werden, desto mehr dehnen sich die enthaltenen Gefäße und Nerven aus. In diesem Fall müssen sie häufiger und nur Stück für Stück gekürzt werden: Nervengewebe und Gefäße bilden sich mit der Zeit wieder zurück.
Für mittelgroße und große Hunde eignet sich eine Krallenzange mit abgerundeten Klingen. Bei kleinen Hunden reicht oft ein Nagelknipser: die Krallenzange ist dort häufig zu groß. Die Zange muss scharf sein, um Quetschungen zu vermeiden. Ein stumpfes Werkzeug zerdrückt die Kralle statt sie sauber zu schneiden. Alternativ ist ein Schleifgerät möglich: es erfordert Geduld, aber manche Hunde akzeptieren es besser.
In allen Fällen gilt: ausreichend Licht und Feingefühl. Nur Stück für Stück kürzen.
Bei hellen Krallen ist das Blutgefäß (das „Leben") als rosafarbener Bereich durch die Kralle sichtbar. Mit einer Taschenlampe lässt es sich noch besser erkennen. Pro Schnitt maximal 1 mm kürzen, spätestens 2 mm vor den Gefäßen stoppen. Kurz davor wird die Schnittfläche zunehmend rosafarbener: das ist das Signal zum Aufhören.
Durch dunkle Krallen kann man nicht hindurchleuchten. Hier orientiert man sich an der Schnittfläche: Solange sie weiß oder grau ist, ist man im sicheren Bereich. Erscheint ein dunkler Punkt in der Mitte, ist man kurz vor den Blutgefäßen: dann stoppen.
Passiert trotzdem ein Missgeschick und die Kralle blutet, lässt sich die Blutung schnell mit etwas hochprozentigem Alkohol oder Blutstillungspuder stoppen.
Den Hund auf die Seite legen: so hat man die beste Kontrolle und er liegt entspannt. Wer selbst unruhig ist oder merkt, dass der Hund sehr nervös wird, sollte die Aktion auf einen anderen Tag verschieben. Stress überträgt sich und macht das Schneiden unsicherer.
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