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Trächtigkeit beim Hund

Die Trächtigkeit beim Hund dauert durchschnittlich 63 Tage. Erste Anzeichen sind veränderte Fressgewohnheiten, größere Zitzen und erhöhtes Ruhebedürfnis. Ab dem 25. Tag ist eine sichere Ultraschalldiagnose möglich. Eine Studie mit über 10.000 Würfen zeigt: im Durchschnitt werden 5 bis 6 Welpen geboren.

16 Min. Lesezeit
Eine weiße Hündin mit spitzen Ohren und grünem Halstuch spielt im Garten mit ihren Welpen.
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Trächtigkeit beim Hund dauert durchschnittlich 63 Tage
  • Erste Anzeichen: Verhaltensänderungen, größere Zitzen, Ruhebedürfnis
  • Ultraschall ab Tag 25 sichert die Diagnose
  • Wurfkiste ab dem 40. Tag vorbereiten, Futter ab Woche 5 umstellen
  • Tierarztnummer griffbereit halten: Komplikationen können jederzeit auftreten

Wie lange ist eine Hündin läufig?

Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife hängt von der Rasse ab: bei kleinen Rassen früher (ab 6 Monate), bei großen Rassen später (bis 18 Monate). Geschlechtsreife bedeutet noch nicht, dass die Hündin für eine Trächtigkeit bereit ist: die Geburtskanäle sind in den ersten Läufigkeitsphasen noch nicht vollständig ausgereift.

Eine Hündin wird in der Regel alle sechs Monate läufig. Während der Läufigkeit wird die Vulva stärker durchblutet und sondert blutige Flüssigkeit ab. Etwa zwei Tage vor dem Eisprung wird sie für das Bedecken bereit.

In der eigentlichen Ovulationsphase wird der Scheidenausfluss klarer und schleimiger: das erleichtert die Deckung. Gleichzeitig steigt der Progesteronspiegel, der den Körper auf die Schwangerschaft vorbereitet.

Anzeichen einer Trächtigkeit erkennen

Viele Halter bemerken die Trächtigkeit zuerst an kleinen Verhaltensänderungen, noch bevor der Bauch sichtbar größer wird. Die Zeichen unterscheiden sich je nach Phase.

Frühphase: Woche 1 bis 3

In den ersten drei Wochen ist von außen kaum etwas zu erkennen. Die Hündin schläft mehr als sonst, zieht sich häufiger zurück und wirkt ruhiger. Der Appetit schwankt: manche Hündinnen fressen anfangs etwas weniger, andere zeigen bereits jetzt mehr Hunger.

Einige Hündinnen zeigen in der Frühphase Übelkeit, ähnlich wie beim Menschen im ersten Trimester. Das ist normal und geht in der Regel nach ein bis zwei Wochen vorbei. Falls die Hündin gar nicht frisst oder erbricht, lohnt sich ein kurzer Anruf beim Tierarzt.

Mittelphase: Woche 4 bis 5

Ab der vierten Woche werden die ersten körperlichen Zeichen sichtbar. Die Zitzen vergrößern sich und färben sich rosa bis dunkelrosa. Um die Zitzen herum können Haare ausfallen. Ab dem 30. Tag tritt ein durchsichtiger oder weißlicher Schleim aus der Scheide aus.

Ab Woche 5 beginnt die sichtbare Gewichtszunahme. Der Tierarzt kann zu diesem Zeitpunkt die Fruchtblasen per Palpation ertasten, falls der Untersuchungszeitpunkt günstig liegt.

Spätphase: ab Woche 6

Jetzt ist die Trächtigkeit auch für Laien eindeutig erkennbar. Der Bauch ist deutlich gerundet, das Gesäuge schwillt weiter an. Der Appetit steigt spürbar. Viele Hündinnen beginnen in dieser Phase mit Nestbauverhalten: sie scharren, tragen Decken umher oder suchen ruhige Ecken.

Fünf süße Welpen kuscheln sich zusammen auf eine weiche blaue Decke in einem Holzgehege. Ihr hellbraunes Fell schimmert, wenn sie liegen oder aufrecht sitzen.

Wie erkennt der Tierarzt eine Trächtigkeit?

Vier Methoden stehen zur Verfügung, jede mit eigenem Zeitfenster und eigener Aussagekraft.

Palpation

Der Tierarzt kann die Fruchtblasen ab Tag 21 bis 30 durch die Bauchdecke ertasten. Dieser Zeitraum ist eng: vor Tag 21 sind die Fruchtblasen zu klein, nach Tag 30 füllen sie sich so sehr, dass sie schwerer zu unterscheiden sind. Die Methode hängt stark von der Erfahrung des Tierarztes und dem Körperbau der Hündin ab.

Ultraschall

Der Ultraschall ist die gängigste Methode. Ab Tag 18 können die ersten Herzschläge sichtbar sein, sicher und zuverlässig wird die Diagnose ab Tag 25. Der Ultraschall zeigt die Anzahl der Fruchtblasen und prüft die Herztätigkeit der Embryonen, liefert aber keine exakte Welpenanzahl.

Röntgenaufnahme

Erst ab Tag 45 sind die Skelettknochen der Welpen vollständig verkalkt und auf einem Röntgenbild sichtbar. Das Röntgen ist damit die einzige Methode, mit der die genaue Welpenanzahl bestimmt werden kann. Diese Information ist wichtig: der Geburtshelfer muss wissen, ob alle Welpen das Mutterbett verlassen haben.

Relaxintest

Das Hormon Relaxin wird ausschließlich während einer echten Trächtigkeit produziert. Ab Tag 24 nach der Befruchtung ist ein positives Ergebnis möglich. Der Relaxintest ist die einzige Methode, die zuverlässig zwischen echter Trächtigkeit und Scheinträchtigkeit unterscheidet.

Wie lange dauert die Trächtigkeit?

Die Trächtigkeitsdauer beträgt 61 bis 65 Tage, abhängig vom Zeitpunkt des Eisprungs. Da Spermien 6 bis 10 Tage in der Gebärmutter überleben können, variiert die Dauer je nach Bedeckungszeitpunkt. Frühe Deckung kann die Schwangerschaft auf bis zu 72 Tage verlängern. Der voraussichtliche Geburtstermin liegt bei normalem Verlauf um den 63. Tag nach der Bedeckung.

Die Trächtigkeit Woche für Woche

Woche 1–2: Befruchtung
Die befruchteten Eizellen wandern in die Gebärmutter. Äußerlich keine sichtbaren Veränderungen.
Woche 3: Einnistung
Die Embryonen nisten sich in die Gebärmutterschleimhaut ein. Die Hündin wird ruhiger.
Woche 4–5: Organentwicklung
Herz, Augen und Gliedmaßen der Embryonen bilden sich. Zitzen vergrößern sich, Gewichtszunahme beginnt.
Woche 6–7: Sichtbares Wachstum
Bauch ist deutlich gerundet. Welpen bewegen sich, Herzschläge per Stethoskop hörbar.
Woche 8: Geburtsvorbereitung
Nestbauverhalten, Temperaturabfall, Kolostrum beginnt sich zu bilden.
Woche 9: Geburt
12–24 Stunden nach Temperaturabfall setzen die Wehen ein. Erste Welpen kommen in 20–30 Minuten.

Woche 1 bis 2

Die Befruchtung findet statt, aber die Hündin zeigt noch keine Symptome. Die Eizellen werden befruchtet und wandern in Richtung Gebärmutter. Nichts deutet nach außen auf eine Veränderung hin.

Woche 3

Die Embryonen nisten sich ein. Die Hündin wird ruhiger, schläft mehr. Einige zeigen leichte Übelkeit oder fressen unregelmäßig. Der Relaxintest ist in dieser Phase noch zu früh.

Woche 4

Die Organentwicklung beginnt: Herz, Augen, Wirbelkanal. Ab Tag 24 ist der Relaxintest möglich, ab Tag 25 der Ultraschall. Die Zitzen werden größer und dunkler. Ein milchiger Schleimausfluss kann auftreten.

Woche 5

Der Bauch beginnt sich zu wölben. Die Hündin braucht jetzt mehr Energie: ab dieser Woche schrittweise auf Welpenfutter umsteigen. Die Welpen sind auf einem Ultraschall als kleine Wesen erkennbar, Bewegungen sind sichtbar.

Woche 6

Die Körperbewegungen der Welpen werden spürbar. Das Gesäuge vergrößert sich deutlich, die Hündin trinkt mehr. Die Aktivität nimmt ab. Spaziergänge kürzer halten, aber mehrmals täglich anbieten.

Woche 7

Der Bauch ist sehr groß, die Hündin wirkt schwerfällig. Nestbauverhalten setzt ein. Wurfkiste jetzt aufstellen und eingewöhnen lassen. Ab Tag 45 ist das Röntgen möglich, um die Welpenanzahl zu bestimmen.

Woche 8

Die Welpen nehmen die Geburtsposition ein. Kolostrum bildet sich in den Zitzen. Tägliches Messen der Körpertemperatur beginnt. Ein Temperaturabfall auf unter 37 °C signalisiert: die Geburt beginnt in 12–24 Stunden.

Woche 9: Geburt

Die Wehen setzen ein. Die Hündin ist unruhig, hechelt, scharrt. Klarer Vaginalausfluss zeigt an, dass der erste Welpe unterwegs ist. In den nächsten 20–30 Minuten sollte er ankommen.

Ernährung während der Trächtigkeit

Die richtige Fütterung ist eine der häufigsten Fragen, die Tierärzte von werdenden Welpenhaltern hören. Die gute Nachricht: bis zur fünften Woche ändert sich wenig.

Woche 1 bis 5: Normales Erhaltungsfutter

In den ersten vier bis fünf Wochen bleibt die Futtermenge gleich. Der Energiebedarf steigt in dieser Phase kaum, eine Überfütterung kann dagegen die Gesundheit der Hündin belasten. Qualitativ hochwertiges Futter, das bisher gut vertragen wurde, ist die beste Wahl.

Ab Woche 5: Schrittweise Umstellung

Ab der fünften Woche steigt der Energiebedarf um 30 bis 50 %. Kleine Hunde mit wenigen Welpen brauchen etwa 30 % mehr, große Hunde mit vielen Welpen bis zu 50 % mehr. Die Umstellung auf ein Welpenfutter für tragende und laktierende Hündinnen macht Sinn: es enthält mehr Eiweiß und eine höhere Energiedichte.

Die Mahlzeiten auf zwei bis drei kleinere Portionen aufteilen. In den letzten zwei Wochen verdrängen die Welpen den Magen so stark, dass häufigere, kleinere Portionen besser vertragen werden als eine große Mahlzeit.

Letzte Woche und Geburtstag

Die Hündin frisst in der letzten Woche vor der Geburt häufig wenig bis gar nichts. Am Geburtstag selbst verweigert sie die Mahlzeit oft komplett. Das ist normal und kein Grund zur Sorge.

Stillzeit: bis zum Vierfachen des normalen Bedarfs

Während der Säugungsphase ist der Energiebedarf am höchsten. Pro Welpen steigt er um etwa 25 %. Bei einem Wurf von sechs Welpen bedeutet das bis zum Vierfachen der normalen Futtermenge. Sobald die Welpen Beifutter fressen, die Mutterportion schrittweise reduzieren.

Calcium: bitte nicht supplementieren

Ein häufiger Fehler ist die zusätzliche Gabe von Calcium während der Trächtigkeit. Das klingt sinnvoll, kann aber das Gegenteil bewirken: zu viel Calcium während der Trächtigkeit erhöht das Risiko einer Eklampsie (Gebärparese) nach der Geburt. Das liegt daran, dass der Körper bei einem konstant hohen Calciumangebot seine eigene Calciumregulierung herunterfährt. Auf Calcium-Supplemente während der Trächtigkeit verzichten, es sei denn, der Tierarzt empfiehlt sie ausdrücklich.

Was du tun kannst

Ruhe bewahren

Die Geburt ist eine extrem stressige Angelegenheit für die Hündin: zusätzliche Unruhe der Bezugspersonen belastet sie noch mehr. Während der Geburt so wenig wie möglich eingreifen, aber dabei bleiben: um im Fall von Komplikationen sofort handeln zu können.

Wurfkiste vorbereiten

Ab dem 40. Tag eine Wurfkiste vorbereiten: Pappkarton oder Holzkiste. Groß genug für die Hündin und die Welpen, mit Freiraum für die Mutter. Hoch genug, damit die Welpen nicht entkommen können. Ruhiger, warmer Platz ohne Zugluft. Die Welpen brauchen in der ersten Woche 28–32 °C Umgebungstemperatur.

Das Bett der Hündin in die Kiste oder daneben stellen. Einige Spielzeuge helfen dabei, die Kiste als sicheren Ort zu akzeptieren. Bettlaken, -bezüge oder Handtücher für die Geburt griffbereit halten.

Ernährungsumstellung

In den ersten 4 Trächtigkeitswochen kann normales Futter gegeben werden. Ab der 4. Woche auf Futter für tragende und laktierende Hündinnen umsteigen.

Faustregel zur Dosierung:

  • Kleine Hunde mit wenigen Welpen: Energiezufuhr um 30 % steigern
  • Große Hunde: Energiezufuhr bis zu 50 % steigern

Futter zwei bis dreimal täglich geben, immer ausreichend Trinkwasser. In der letzten Woche vor der Geburt und am Geburtstag selbst frisst die Hündin möglicherweise wenig bis gar nichts: das ist normal.

Während der Säugungsphase: pro Welpen den Energiebedarf um 25 % erhöhen. Sobald die Welpen Beifutter essen, die Ration der Mutter schrittweise reduzieren.

Temperatur dokumentieren

Ab dem ersten Drittel die Temperatur rektal messen: idealerweise täglich in ein Tagebuch eintragen. So lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen. Der Tierarzt zeigt die richtige Messtechnik.

Folgendes dokumentieren: Körpertemperatur, Geburtstermin, Einsetzen der Wehen, Geburtszeiten der einzelnen Würfe, Anzahl, Geschlecht und Gewicht der Welpen, Umgebungstemperatur. Um die Welpen anfangs zu unterscheiden, ein Bändchen mit Namen oder Nummern umbinden.

Die 5 Phasen kurz zusammengefasst

Milchdrüsen vergrößern sich
Ab der 4. Woche werden die Zitzen größer und rosa. Eines der ersten sichtbaren Anzeichen.
Bauchumfang nimmt zu
Ab der 5. Woche wächst der Bauch sichtbar. Die Hündin braucht jetzt mehr Futter.
Temperaturabfall vor der Geburt
12–24 Stunden vor der Geburt sinkt die Körpertemperatur um ca. 1 °C.
Starke Kontraktionen
Die Wehen beginnen. Die Hündin wird unruhig, hechelt und sucht ihr Nest auf.
Leckverhalten nach der Geburt
Die Hündin leckt die Welpen trocken und beißt die Nabelschnur durch.

Kurz vor der Geburt

Zehn bis sechs Tage vor dem Geburtstermin täglich die Körpertemperatur messen. Normal: 37–38 °C. Kurz vor der Geburt sinkt sie auf 36,5–37 °C.

Weitere Zeichen der bevorstehenden Geburt:

  • Häufiges Urinieren
  • Belecken der Vulva
  • Nestbauverhalten
  • Appetitlosigkeit
  • Unruhe, Zittern oder Hecheln
  • Scharren auf dem Boden oder im Hundebett

Geburt

Die Wehen sind deutlich erkennbar: die Hündin sondert klaren Ausfluss ab. In den nächsten 20–30 Minuten sollte der erste Welpe kommen. Zwischen den Würfen vergehen in der Regel 20 Minuten, es kann aber auch über eine Stunde dauern. Sollte die Ruhephase länger als zwei Stunden dauern, sofort den Tierarzt kontaktieren.

Die Hündin durchtrennt die Nabelschnur selbst, enthüllt die Welpen aus der Fruchthülle und beleckt sie: damit wird die Atmung angeregt. Nach jedem Wurf kommt eine Nachgeburt. In der Regel frisst die Hündin diese auf, da sie viele Proteine und Nährstoffe enthält.

Nach der Geburt

Die Hündin reinigt sich zuerst, legt sich dann auf die Seite und streckt die Beine aus. Die Welpen trinken das Kolostrum: die erste Milch. Es enthält 95 % der Antikörper für das Immunsystem der Welpen, regt den ersten Stuhlgang an und ist gelblich und etwas klebriger als spätere Muttermilch.

Komplikationen: wann sofort zum Tierarzt?

Die meisten Geburten verlaufen unkompliziert. Trotzdem kann es passieren, dass ärztliche Hilfe notwendig wird. Folgende Situationen erfordern einen sofortigen Anruf:

  • Grüner Vaginalausfluss, bevor der erste Welpe geboren ist
  • Übelriechender Ausfluss zu einem beliebigen Zeitpunkt
  • Die Hündin presst aktiv länger als 20–30 Minuten, ohne dass ein Welpe kommt
  • Nach der Geburt eines Welpens kommt der nächste nicht innerhalb von zwei Stunden
  • Fieber über 39,5 °C nach der Geburt
  • Die Hündin ist apathisch, kann nicht aufstehen oder zittert stark
  • Krämpfe oder Muskelzuckungen (mögliche Eklampsie)

Was ist Eklampsie?

Eklampsie ist ein Calcium-Mangel-Notfall, der vor allem in den ersten drei Wochen der Stillzeit auftritt. Die Hündin zeigt Krämpfe, Zittern, Steifheit oder Bewusstlosigkeit. Ursache ist ein zu schneller Calciumverlust über die Milch. Ohne sofortige Behandlung durch den Tierarzt kann Eklampsie tödlich verlaufen.

Kaiserschnitt: wann ist er notwendig?

Ein Kaiserschnitt ist bei bestimmten Rassen schon vorab einzuplanen: Bulldoggen, Möpse und andere brachycephale Rassen haben häufig einen so großen Kopf, dass eine natürliche Geburt anatomisch schwierig oder unmöglich ist. Darüber hinaus zeigt er sich als notwendig, wenn Wehen zwei Stunden nicht zu einer Geburt führen oder wenn ein Welpe im Geburtskanal feststeckt. Nur der Tierarzt stellt die Indikation.

Telefonnummer des Tierarztes griffbereit halten

Hündinnen schaffen die Geburt meist problemlos allein: aber Komplikationen können auftreten. Die Notfallnummer des Tierarztes (auch für nachts) bereithalten.

Scheinträchtigkeit: wenn der Körper eine Trächtigkeit simuliert

Vier bis neun Wochen nach einer Läufigkeit können nicht trächtige Hündinnen eine Scheinträchtigkeit entwickeln. Das Phänomen ist häufiger als viele Halter denken.

Was passiert im Körper?

Nach dem Ende der Läufigkeit fällt der Progesteronspiegel rasch ab. Bei manchen Hündinnen registriert der Körper diesen Abfall als "Geburt" und steigert den Prolaktinspiegel. Prolaktin regt die Milchdrüsen an. Ergebnis: Milchproduktion ohne Welpen.

Welche Symptome zeigt die Hündin?

  • Milchbildung in den Zitzen
  • Nestbauverhalten (Schleppen von Spielzeug, Decken, Schuhen)
  • Bemuttern von Spielzeug oder anderen Gegenständen
  • Unruhe, Appetitveränderungen
  • In seltenen Fällen Aggressivität gegenüber anderen Tieren oder Menschen, die sich dem "Nest" nähern

Was hilft?

Die meisten Scheinträchtigkeiten lösen sich innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst. Spielzeuge, die die Hündin "bemuttert", entfernen: das verlängert das Verhalten nicht unnötig. Ablenkung durch Spaziergänge und Beschäftigung hilft. Den Nahrungsentzug, den manche Bücher empfehlen, nicht anwenden: er führt zu unnötigem Stress.

Zum Tierarzt, wenn die Symptome länger als drei Wochen andauern, wenn die Hündin körperliche Beschwerden zeigt (Mastitis, Fieber) oder wenn die Aggressivität ein Problem wird. Der Tierarzt kann das Verhalten mit Hormonen oder anderen Mitteln verkürzen. Der Relaxintest klärt schnell, ob es sich um eine echte oder Scheinträchtigkeit handelt.

Welpen in den ersten acht Wochen

Woche 1 und 2: Mutter übernimmt alles

In den ersten beiden Wochen sind die Welpen blind und taub. Sie schlafen und trinken im Wechsel. Die Mutter wärmt, reinigt und regt durch Lecken die Verdauung an. Der Mensch beobachtet nur, prüft täglich das Gewicht und stellt sicher, dass alle Welpen saugen.

Normale Gewichtszunahme: verdoppeln innerhalb der ersten zehn Tage. Ein Welpe, der nicht zunimmt oder abseits liegt, braucht sofort Aufmerksamkeit.

Woche 3 und 4: Augen und Ohren öffnen sich

Ab Tag 10 bis 14 öffnen sich die Augen, um Tag 18 folgen die Ohren. Die Welpen beginnen mit ersten Gehversuchen. Ab Woche 4 kann Beifutter angeboten werden: weich eingeweichtes Welpenfutter oder spezielles Brei. Die Muttermilch bleibt die Hauptnahrungsquelle.

Woche 5 und 6: Sozialisierung beginnt

Das wichtigste Zeitfenster für die spätere Sozialverträglichkeit: jetzt prägen sich Welpen auf Menschen, andere Hunde und Geräusche. Positive Erfahrungen in dieser Phase wirken sich ein Leben lang aus. Regelmäßiger, sanfter Kontakt mit verschiedenen Menschen ist jetzt wertvoller als jede spätere Erziehung.

Woche 7 und 8: Vorbereitung auf die Abgabe

Die Welpen fressen jetzt selbstständig. Die Mutter setzt beim Stillen Grenzen und entwöhnt die Welpen auf natürlichem Weg. Mit acht Wochen sollten alle Welpen tierärztlich untersucht, geimpft und entwurmt sein. Die Welpenerziehung beginnt vom ersten Tag in der neuen Familie.

Trächtigkeit verhindern

Wer keine Welpen möchte, hat mehrere Möglichkeiten.

Kastration

Die sicherste und dauerhafteste Methode. Bei Hündinnen empfiehlt der Tierarzt den richtigen Zeitpunkt je nach Rasse und Entwicklungsstand. Vorteile: kein Risiko ungewollter Trächtigkeit, oft auch vermindertes Risiko für bestimmte Geschwülste und Gebärmuttererkrankungen.

Hormonelle Verhütung

Eine Hormonbehandlung (Progesteronpräparate) kann den Eintritt der Läufigkeit verhindern oder die Deckbereitschaft unterdrücken. Sie wird wegen eines erhöhten Risikos für Gebärmuttererkrankungen nur in Ausnahmefällen empfohlen. Wenn überhaupt, dann nur unter tierärztlicher Aufsicht.

Notfallbehandlung nach dem Deckakt

Hat die Hündin ungewollt Kontakt mit einem Rüden gehabt, kann der Tierarzt innerhalb weniger Tage eine Behandlung einleiten, die die Einnistung der Embryonen verhindert. Diese Option ist zeitkritisch und ausschließlich beim Tierarzt erhältlich.

Hast du aufgepasst?

Frage 1 von 3

Wie lange dauert die Trächtigkeit bei einer Hündin?

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Häufig gestellte Fragen

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Geschrieben von

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic

Tierarzt & Fachautor

Mag.med.vet. (Tiermedizin)Praktizierender TierarztCo-Autor der Hunde Gesundheits Bibel

Tierarzt Mag.med.vet. Emin Jasarevic erstellt medizinisch fundierte Artikel und Videos zu Tiergesundheitsthemen. Er ist Co-Autor der Hunde Gesundheits Bibel und sorgt mit seiner Expertise für fachlich korrekte Inhalte bei Hundeo.

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