Ist der Hund ein Fleischfresser oder Allesfresser?

Sicher hast du dich auch schon gefragt, ob dein Hund ein Fleischfresser oder sogar ein Allesfresser ist? Darüber gibt es viele Meinungen und ich möchte dich in diesem Artikel endlich aufklären und dir zeigen, wie es bei deinem Hund genau aussieht.

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Inhaltsverzeichnis

Kennst du die 3 Ernährungstypen?

Carnivoren sind Fleischfresser. Das Wort setzt sich aus den lateinischen Begriffen carnis = Fleisch und vorare = verschlingen zusammen. Fleischfresser ernähren sich von Beutetieren.

Omnivoren sind dagegen Allesfresser (lat. omnis = alles). Den dritten Ernährungstyp bilden die Herbivoren von lateinisch herba = Kraut, also reine Pflanzenfresser. Dass der Hund kein reiner Pflanzenfresser ist, ist bekannt.

Um jedoch herauszufinden, ob unser geliebter Vierbeiner ein Carnivore oder ein Omnivore ist, müssen sowohl die anatomischen Merkmale als auch die Lebensumstände unter die Lupe genommen werden.

Die anatomischen Merkmale

Der Hund gehört zur biologischen Ordnung der Raubtiere, den Carnivoren. Viele Menschen gehen daher zunächst davon aus, dass ein Hund natürlich ein Fleischfresser sein muss.

Die biologische Zuordnung zu den Raubtieren darf jedoch nicht mit der Ernährungsweise verwechselt werden. Die Zuordnung als Carnivora lässt noch nicht automatisch darauf schließen, dass sich der beste Freund des Menschen auch carnivor, also fleischfressend, ernährt. 

1. Das Gebiss des Hundes

Hund Maul Rachen Zähne

Das Gebiss des Hundes ist ein typisches Fleischfressergebiss. Er besitzt sehr spitze Reißzähne, die zum Reißen und Verschlingen großer Fleischstücke geeignet sind.

Sein Kiefer ist ein Scherengelenk und kann daher keine typischen Mahlbewegungen ausführen, wie sie z.B. bei Pflanzenfressern zu beobachten sind. Der Hund besitzt auch keine Zähne, die eine Mahlfunktion haben.

2. Der Verdauungstrakt

Der Magen des Hundes ist ein großer Hohlraum mit Drüsen, die Flüssigkeit absondern. Im Gegensatz zu Allesfressern und Pflanzenfressern besitzt der Hund weder im Dünndarm noch im Dickdarm Gärkammern.

Sein Darm ist deutlich kürzer als der eines Pflanzenfressers. Das Verhältnis des Darms zur Körpergröße ist jedoch mit dem des Menschen vergleichbar. Auf den ersten Blick ist der Verdauungstrakt des Hundes also auf den Verzehr von Fleischnahrung ausgerichtet.

Fleischfresser Verdauungstrakt = Carnivore?

Diese anatomischen Hinweise sprechen für einen Fleischfresser. Das Gebiss des Hundes schließt jedoch nicht aus, dass auch andere Nahrung für ihn geeignet ist. Denn natürlich muss er noch in der Lage sein, große Fleischstücke und Knochen mit seinem Gebiss zu zerkleinern.

Auch der Verdauungstrakt scheint zunächst auf einen reinen Carnivoren hinzudeuten. Hier sind jedoch weitere Faktoren zu berücksichtigen. Wirft man einen Blick auf die Verdauungsenzyme des Vierbeiners, scheint die Zuordnung zum Fleischfresser nicht mehr so eindeutig.

Der Speichel des Hundes weist nämlich geringe Konzentrationen an Alpha-Amylase auf. Diese Enzyme sind maßgeblich für die Spaltung von Kohlenhydraten verantwortlich, weshalb sie bei reinen Carnivoren nicht zu finden sind.

Darüber hinaus produziert der Hund weitere Verdauungsenzyme, die unter anderem für die Aufspaltung von Kohlenhydraten in Glukose verantwortlich sind.

Eine genetische Anpassung:
Stärke kann verdaut werden

Bei unserem besten Freund, der vom Wolf abstammt, hat eine genetische Anpassung stattgefunden. Diese Anpassung ermöglicht es ihm, neben Fleisch auch andere Nahrung zu verdauen.

Während der Vorfahre des Hundes keine Stärke verdauen kann, besitzt ein Hund deutlich mehr Kopien verschiedener Gene, die für die Verwertung von Stärke notwendig sind. Im Durchschnitt besitzt ein Hund rund fünfmal mehr Kopien des Gens als ein Wolf.

Wie viele Genkopien genau vorhanden sind, hängt von der Rasse ab. Diese genetische Anpassung deutet darauf hin, dass sich der Hund auch in der Ernährung an den Menschen angepasst hat.

Anpassung an das Leben der Menschen

Im Laufe der Domestikation haben sich die Hunde auch in ihrer Ernährung dem Menschen angenähert. Häufig mussten sie sich von den Speiseabfällen der Menschen ernähren. So hat sich der Verdauungstrakt des Hundes an das Nahrungsangebot angepasst, so dass auch Stärke verdaut und als Energiequelle genutzt werden kann.

Dass der Hund kein reiner Fleischfresser ist, lässt sich auch heute noch an wildlebenden Hunden beobachten. Verschiedene Studien über die Ernährungsweise dieser Wildtiere zeigen, dass sie sich nur zu einem sehr geringen Teil von selbst erlegter Beute ernähren.

Der überwiegende Teil der Nahrung besteht aus Speiseabfällen des Menschen. Auch Aas, meist Kadaver von Tieren, die vom Menschen verzehrt wurden, oder sogar menschliche Fäkalien stehen auf dem Speiseplan. Auch Früchte sind eine beliebte Nahrungsquelle.

Hunde probieren gerne aus

Die oben aufgeführten Argumente zeigen, wie schwierig es ist, einen Hund einem Ernährungstyp zuzuordnen. Hunde probieren gerne verschiedene Dinge aus. Sie können daher als Carni-Omnivoren, also Fleisch-Allesfresser, bezeichnet werden.

Obwohl sie sich hauptsächlich von Fleisch ernähren, sind sie auch in der Lage, pflanzliche Nahrung zu fressen und zu verdauen. Da während der Domestikation viele pflanzliche Abfälle auf dem Speiseplan standen, haben sie sich an diese Umstände angepasst.

Der Hund fraß alles, was er fand oder bekam. Das Nahrungsspektrum unseres beliebten Vierbeiners ist also sehr breit, denn er kann sich den unterschiedlichsten Lebensbedingungen perfekt anpassen.

Das macht ihn zu einem funktionalen Allesfresser. Der beste Freund des Menschen kann vieles verdauen, was auch der Mensch verdauen kann. Das gilt aber nicht für alles, denn manche Nahrungsmittel sind für den Vierbeiner sehr giftig und sollten deshalb auf keinen Fall von ihm gefressen werden.

Wer seinen Liebling beobachtet, wird schnell feststellen, dass Hunde beim Fressen sehr experimentierfreudig sind. Hunde neigen dazu, sich schnell zu übergeben, da sie oft alles in sich hineinstopfen, was sie finden. Das Erbrechen des Hundes ist aber nicht schlimm, oft wird das Erbrochene selbst gefressen, um die Verträglichkeit nochmals zu testen.

Unser Fazit

Hunde sind von Natur aus Carnivore, können aber auch andere Nahrung aufnehmen. Der Hund ist also bei weitem kein Allesfresser wie der Mensch.

Für eine artgerechte und gesunde Ernährung wäre eine Verteilung von 80% tierischen und 20% pflanzlichen Bestandteilen ideal. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, empfehle ich dir, dich mit dem Thema Biologisch Artgerechte Rohfütterung zu beschäftigen. Mehr dazu findest du in unserer Hundeo App.

Verfasst von Enrico Bachmann
Verfasst von Enrico Bachmann

Ich bin zertifizierter Ernährungsberater für Hunde und Gründer von Hundeo. Meine Mission ist es, mit einfachen und klaren Empfehlungen dich im Dschungel der Informationen zu führen.

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