Warum ist Trockenfutter für Hunde so schädlich?

Wie wir, leiden auch unsere Hunde immer häufiger an Zivilisationskrankheiten. Probleme wie Übergewicht, Diabetes mellitus, Leberverfettung, Bluthochdruck und Arthrosen verringern die Lebensqualität und das Lebensalter deines Hundes. Doch warum kommt dies gefühlt immer häufiger vor als damals?

Trockenfutter
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Im Gegensatz zum heutigen Sofa-Hund war der Urahn Wolf noch ein gesunder, drahtiger Jäger.

Heute bekommen unsere Hunde leider oft nur noch Industriefutter statt artgerechter Nahrung.

Doch wie schädlich ist es, seinen Hund ausschließlich mit Trockenfutter zu füttern? Das verrate ich Dir in diesem Artikel.

Die Änderung der Hundenahrung im Lauf der Domestikation

Wolf, Barfen

Der Wolf erlegt seine Beute im Rudel. Die soziale Zusammenarbeit mit anderen Rudelmitgliedern ermöglicht es ihm, auch große Beutetiere zu erlegen.

In der Steinzeit gab es noch viele verschiedene Wolfsarten. Sie zeigten keine Scheu, da sie noch nicht vom Menschen verfolgt wurden. Die gemeinsame Jagd brachte beiden Gruppen Vorteile. Die erlegte Beute konnte besser gegen konkurrierende Gruppen verteidigt werden. Die Aufzucht der Welpen erfolgte im Schutz der Höhle.

Im Laufe der Zeit passte sich der Wolf immer mehr den sozialen Strukturen des Menschen an. Der einstige Jagdpartner wurde zum Arbeitspartner und schließlich zum besten Freund des Menschen.

Im Mittelalter war teures Fleisch eher den höheren Gesellschaftsschichten vorbehalten. Die Jagd- und Arbeitshunde wurden mit Getreidebrei, Knochen und Fleischsuppe gefüttert. In Zeiten der Nahrungsmittelknappheit war Fleisch meist Mangelware. Die Hunde mussten sich mit billigem Getreide begnügen.

Wenig später entdeckten die Futtermittelhersteller den billigen Rohstoff. Vor allem Getreideschrot wurde zur Futterherstellung verwendet. Um das Futter für die Tierhalter einfach und attraktiv zu machen, wurden die Rohstoffe verschiedenen Herstellungsverfahren unterzogen. Das Trockenfutter war erfunden.

Ist der Hund ein Allesfresser?

Das Gebiss des Hundes besteht aus 42 Zähnen.

Die sechs Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers sind klein und flach. Sie dienen hauptsächlich dazu, Fleischreste von den Knochen abzuschaben.

Die deutlich längeren Eckzähne greifen die Beute und halten sie fest. Zwischen den Canini und den ersten Backenzähnen befindet sich eine Lücke. Dieser erleichtert das feste Umklammern der Beute.

Die hinteren Backenzähne haben breite Kauflächen. Sie können problemlos größere Fleischstücke, Knorpel und Knochen zerkleinern. Mit dem kräftigen Scherengebiss können Fleischstücke mühelos aus der Beute herausgerissen werden. Zähne zur Zerkleinerung von Pflanzenteilen sind nicht vorhanden.

Der Verdauungstrakt des Hundes besteht aus einem großen Magen. Die Magensäure zersetzt Eiweiß und Knochenstücke. Die nachgeschalteten Darmabschnitte, in denen die Aufspaltung der Stärke erfolgt, sind im Gegensatz zu den Pflanzenfressern kurz ausgebildet.

Eiweißreiche Beute wird schnell verdaut. Die Energie wird rasch den Zellen zugeführt und gespeichert. Steht einige Tage keine Nahrung zur Verfügung, werden die Energiespeicher mobilisiert. Der Hund hat noch die Kraft, auf Beutejagd zu gehen.

Auch wenn der Hund im Laufe seiner Domestikation Enzyme zur Verdauung pflanzlicher Stoffe entwickelt hat und somit als Allesfresser eingestuft werden kann, zeigen sein Gebiss und seine Physiologie deutlich, dass er eher ein Fleischfresser ist.

Wieso wurde überhaupt Trockenfutter entwickelt?

Während der Zwischenkriegszeit und in der Nachkriegszeit waren Nahrungsmittel nur schwer erhältlich. Vor allem frisches Fleisch war für viele Menschen unbezahlbar. 

Die Hunde wurden deshalb mit billigem Getreide und Gemüse gefüttert. Um das Futter länger haltbar zu machen, wurden spezielle Herstellungsverfahren entwickelt. Dem Hundefutter wurde die Feuchtigkeit entzogen. 

Die entstandenen Brocken waren trocken und lange haltbar. Die Fütterung des Hundes wurde einfacher. Auch auf längeren Reisen war es kein Problem, das Hundefutter mitzunehmen. 

Die Vorliebe für Trockenfutter nahm unter den Hundebesitzern ständig zu. Die Futtermittelindustrie konnte gewinnbringend einen großen Markt abdecken. 

 

So wird es hergestellt

Die Bezeichnung „Frischfleisch“ entspricht eigentlich nicht den Tatsachen. Es handelt sich um eine Trockenmasse, der fast die komplette Feuchtigkeit entzogen wurde. 

Während der industriellen Fertigung werden die Ausgangsstoffe hoch erhitzt, wobei ein großer Teil der natürlichen Nährstoffe verloren gehen. Diese werden nachträglich zugesetzt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um synthetische Stoffe.

Durch den Zusatz von Konservierungsstoffen wird die Haltbarkeit deutlich verlängert. Der zugesetzte Zucker wird als Traubensüße, Apfelextrakt oder Karamell maskiert. 

Warum bevorzugen viele Hundehalter Trockenfutter?

  • Das Futter ist lange haltbar und kann ohne große Probleme gelagert werden. 
  • Die Fütterung ist einfach und bequem. 
  • Aus dem Futternapf steigt kein intensiver Geruch auf, was insbesondere an warmen Jahreszeiten, für sensible Hundehalter*innen ziemlich unangenehm sein kann. 
  • Die abgesetzte Kotmenge wird deutlich reduziert. 
  • Die Reinigung des Futterplatzes ist wesentlich einfacher.

Welche Inhaltsstoffe sind in Trockenfutter enthalten?

Soja

Auf dem Markt gibt es viele verschiedene Arten von Trockenfutter. Die meisten bestehen zu 60 bis 80 Prozent aus Kohlenhydraten. Tierisches Eiweiß ist nur in geringen Mengen enthalten.

Meistens wird eine pflanzliche Eiweißquelle, Soja, verwendet. Diese minderwertige Eiweißquelle kann vom Körper des Hundes kaum verwertet werden.

Durch die industrielle Trocknung enthält das Hundefutter sehr wenig Feuchtigkeit. Der Großteil der billigen Zutaten ist für Hunde kaum verdaulich und liefert nicht genügend Energie.

Trockenfutter, das kein Getreide enthält, ist auch nicht gesund. Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Reis in größeren Mengen gehören nicht unbedingt zum natürlichen Speiseplan eines Hundes.

Wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden durch synthetische Zusätze ersetzt. Häufig werden auch verschiedene Zuckerarten zugesetzt, um die Farbe der Futterbrocken attraktiver zu machen.

Oft enthält das Trockenfutter nicht einmal mehr hochwertiges Getreide. Häufig werden Schalen, Hülsen und Spelzen verarbeitet, die bei der Mehlproduktion als Abfall anfallen.

Ist Trockenfutter überhaupt artgerecht?

Trockenfutter reicht deinem Hund zum Überleben. Es ist artgerecht. Die Fütterung führt nicht zum Aussterben der Spezies Hund.

Aber ist es auch artgerecht? Ist diese Art der Ernährung gesund für deinen Hund und deckt sie seine natürlichen Bedürfnisse? Nein, eindeutig nicht.

Um Futter gut verwerten zu können, müssen auch der Geruchs- und der Geschmackssinn angesprochen werden. Trockenfutter riecht nicht, da die Inhaltsstoffe nicht mehr in gelöster Form vorliegen.

Das führt dazu, dass der Hund beim Fressen zu wenig Speichel produziert. Die trockenen Brocken gelangen oft unzerkaut in den Magen. Die Deckung des Energiebedarfs wird nur durch den Zusatz verschiedener Zucker erreicht.

9 Probleme mit Trockenfutter (Die du kennen solltest)

Hunde gehören zu den Schlingern. Die kleinen Kroketten des Trockenfutters werden nicht gekaut, sondern direkt geschluckt.

1. Trockenfutter schadet den Zähnen Deines Hundes

Da die Zähne nicht ausreichend von Speichel umspült werden, bleiben Futterreste in den Zahnzwischenräumen stecken. Der im Trockenfutter enthaltene Zucker dient den Bakterien in der Mundhöhle Deines Hundes als Nahrung. 

Es entstehen stärkere Zahnbeläge. Wird Trockenfutter regelmäßig gefüttert, bildet sich harter, brauner Zahnstein.

2. Trockenfutter reizt die Magenschleimhaut

Die harten, trockenen Bröckchen können bei Hunden mit empfindlicher Magenschleimhaut zu Reizungen des Verdauungstraktes führen. Das Problem verstärkt sich durch die stärkere Sekretion von Magensäure. 

Dein Hund beginnt zu erbrechen. Die trockenen Brocken sind nur sehr schlecht verdaulich, da der Magen nicht genügend Feuchtigkeit enthält, um die Nährstoffe herauslösen zu können.

3. Dein Hund bildet während der Verdauung mehr Gase im Verdauungstrakt

Durch den hohen Gehalt an minderwertigen Kohlenhydraten steigt die Bildung von Gas im Verdauungstrakt. Über Nacht sammeln sich die Gase im Magen an. Das Risiko für eine Magendrehung ist sehr hoch. 

4. Trockenfutter fördert die Entstehung von Allergien

Durch die Aufnahme minderwertiger Nahrungsbestandteile wird die Darmschleimhaut vermehrt durchlässig. Dein Hund leidet häufiger an Magen-Darmentzündungen. Größere Moleküle gelangen aus der Nahrung durch die Darmschranke in den Blutkreislauf. 

Das Immunsystem beginnt verstärkt auf diese Stoffe zu reagieren. Gleichzeitig wird durch das enthaltene Gluten eine erhöhte Produktion von Immunglobulin E verursacht. 

Eine anfängliche Futtermittelunverträglichkeit wird zu einer Futtermittelallergie. Dein Hund leidet immer wieder unter Blähungen und chronischen Durchfällen. 

 

5. Trockenfutter verändert die Zusammensetzung der Bakterienflora im Darm

Die Bakterienflora des Darms gerät aus ihrem biologischen Gleichgewicht. Die einzelnen Futterbestandteile können nicht mehr entsprechend aufgespalten werden. Dein Hund kann aus dem Futter nicht mehr genügend Energie gewinnen und ist weniger leistungsfähig.

6. Trockenfutter schädigt die Bauchspeicheldrüse

Durch die erhöhte Zufuhr von Kohlenhydraten und Zuckern können die einzelnen Zellen nicht mehr ordnungsgemäß Energie speichern. Da im Blut der Zuckerspiegel nach der Futteraufnahme stark ansteigt, wird verstärkt Insulin ausgeschüttet. Die Zellen werden resistent gegen das Insulin. Eine Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus, ist entstanden.

7. Dein Hund entwickelt durch Trockenfutter womöglich Übergewicht

Du führst dem Körper Deines Hundes ständig schlechte Energie in zu großer Menge zu. Das Gewicht steigt. Die Gelenke werden zu stark belastet. Arthrosen (chronische Abnutzungen der Gelenke) bilden sich. 

8. Trockenfutter schadet Leber, Herz und Blutgefäßen

Zusätzlich werden in der Leber vermehrt Fettdepots eingelagert. Die Leberzellen können ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen. An den Wänden der Blutgefäße haften sich Fettablagerungen an. Der Blutdruck und das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigen. 

9. Trockenfutter verursacht Nierenschäden

Durch den geringen Feuchtigkeitsgehalt des Trockenfutters werden die Nieren Deines Hundes belastet. Die Stoffwechselendprodukte werden nicht mehr in ausreichender Menge aus dem Harn filtriert. Sie lagern sich in den inneren Organen, den Blut- und Lymphgefäßen ab. 

Die dabei entstehenden freien Radiakale verursachen chronische Entzündungen. Das Risiko für das Wachstum von Tumoren steigt. 

Nimmt Dein Hund für längere Zeit zu wenig Flüssigkeit auf, kann er an Tagen mit hohen Temperaturen leichter dehydrieren. Die Nieren werden dauerhaft geschädigt. 

Eine chronische Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) entsteht. Der Feuchtigkeitsgehalt eines Beutetieres beträgt 70 – 80 Prozent. Diese Flüssigkeitsmenge kann nicht durch Trinken von Wasser ersetzt werden.

 

Die Vorteile vom Trockenfutter?

Trockenfutter hat nur Vorteile für den Hundehalter, aber nicht für den Hund selbst. 

Das Futter riecht nicht und kann auch in kleinen Räumen gut gelagert werden. Es ist günstig und lange haltbar. Auch bei hohen Temperaturen verdirbt Trockenfutter in der Futterschüssel nicht. 

Dein Hund ist schnell satt, da die trockenen Brocken im Magen aufquellen. Dein Hund benötigt kleinere Futterportionen. Er setzt weniger Kot ab. Der Kot riecht nicht unangenehm.

Die Industrie kann minderwertiges Futter aus günstigen Rohstoffen erzeugen und eine hohe Gewinnspanne erzielen.

 

Die Nachteile vom Trockenfutter?

Für deinen Hund hat Trockenfutter so gut wie nur Nachteile. 

Durch den fehlenden Geruch werden viele Hunde mäkelig bei der Futteraufnahme. Die Gesundheit Deines Hundes wird dauerhaft geschädigt. Durch die schlechter verwertbaren Nährstoffe steht Deinem Hund zu wenig Energie zur Verfügung. 

Dein Hund leidet unter Zivilisationskrankheiten. Seine Lebensqualität ist eingeschränkt. Die Lebensspanne verkürzt sich.

Trockenfutter enthält aufgrund des hohen Getreidegehalts häufig Schimmelpilze und Milben. Diese verursachen Futtermittelallergien und Verdauungsstörungen. Juckreiz, chronische Ekzeme der Haut und Ohrentzündungen treten häufig auf.

 

Ist getreidefreies Trockenfutter besser?

Trockenfutter bleibt Trockenfutter. 

Das Problem der fehlenden Feuchtigkeit besteht auch bei getreidefreiem Futter. Kartoffel, Süßkartoffel, Mais oder Reis können hochwertiges tierisches Protein nicht ersetzen. 

Außerdem können durch die regelmäßige Fütterung von Mais psychische Probleme entstehen. In Mais ist eine zu geringe Menge der essentiellen Aminosäure Phenylalanin enthalten. Dadurch werden im Gehirn zu wenig Botenstoffe, wie Dopamin und Serotonin, gebildet. Depressionen und Verhaltensstörungen treten auf. 

Enthält das getreidefreie Futter eine hohe Menge an Erbsenprotein, können Störungen der Fruchtbarkeit entstehen. Deine Hündin wird nicht mehr regelmäßig läufig. Fehldeckungen finden häufiger statt.

Ist Trockenfutter wirklich billiger als natürliches, tiergerechtes Futter?

Der Kauf des Futters ist günstiger, als hochwertige, natürliche und frische Zutaten einzukaufen. 

Durch die häufiger auftretenden Erkrankungen sind aber zusätzliche Besuche bei einem Tierarzt notwendig. Diese und die benötigten Medikamente kosten mehr Geld als hochwertiges Futter. 

Will dein Hund vielleicht nur Trockenfutter?

In Trockenfutter ist oft Getreide und Zucker enthalten. 

Sowas ist eigentlich Junk-Food. Ist Dein Hund einmal auf die Lockstoffe, die in dem Futter enthalten sind, konditioniert, wird er danach verlangen. 

Um die Futtergewohnheiten Deines Hundes umzustellen, kannst Du am Beginn die Brocken in Wasser einweichen. Schrittweise ersetzt Du danach das Trockenfutter durch gesundes, hochwertiges Futter.

Benötigt Dein Hund rund um die Uhr Futter?

Frisches Futter kann nicht über längere Zeit bei hohen Temperaturen ungekühlt stehen bleiben. Aber wird Dein Hund hungrig, wenn er nicht ständig Futter zur Verfügung hat? 

Auch in der freien Natur ist Beute nicht zu jeder Zeit vorhanden. Dein Hund kommt durchaus einige Stunden ohne Futter aus. Verwende als Alternative einen kühlenden Futterautomaten, der zu festgelegten Zeiten kleine Portionen freigibt.

Benötigt Dein Hund wirklich Trockenfutter-Spezialsorten?

Hochwertiges, frisches Futter enthält bessere Inhaltsstoffe und deckt die Bedürfnisse Deines Hundes besser ab als Trockenfutter. 

Wie viel Energie Dein Hund benötigt, kannst Du durch verschiedene Portionsgrößen regeln. Diät-Trockenfutter belastet den Körper Deines Hundes zusätzlich und bringt oft nicht die gewünschte Hilfe.

Mein Fazit & Tipp

Die Verwendung von Trockenfutter ist bequem, kann aber der Gesundheit Deines Hundes schaden. Wenn du die beste Lösung für deinen Hund suchst, dann probiere lieber Barfen oder Nassfutter. Trockenfutter ist nicht die optimale Wahl und kann sogar schädlich sein.

Verfasst von Enrico Bachmann
Verfasst von Enrico Bachmann

Ich bin zertifizierter Ernährungsberater für Hunde und Gründer von Hundeo. Meine Mission ist es, mit einfachen und klaren Empfehlungen dich im Dschungel der Informationen zu führen.

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