- Gelegentliches Erbrechen ist oft harmlos
- Warnsignale: Blut im Erbrochenen, Lethargie, wiederholtes Erbrechen
- Bei häufigem Erbrechen unbedingt den Tierarzt aufsuchen
Gelegentlich erbrechen alle Hunde. Typisches Szenario: der Hund frisst Gras, übergibt sich danach und ist sofort wieder munter. Das ist ein normaler Schutzmechanismus. Passiert es aber ungewohnt oft oder sieht das Erbrochene anders aus, braucht es eine Ursachenklärung.
Wie Erbrechen entsteht
Das Brechzentrum im Gehirn wird durch verschiedene Reize ausgelöst: Störungen im Magen-Darm-Trakt, der Leber oder Niere, Gleichgewichtsprobleme (Reisekrankheit, Ohrerkrankungen, Epilepsie), Fremdkörper in Rachen und Hals sowie Giftstoffe.
Verlauf des Erbrechens
Zeichen für Unwohlsein und Übelkeit:
- häufiges Schlucken und Schmatzen
- starker Speichelfluss
- Unruhe, Stehenbleiben beim Gehen
- Senken des Kopfs, hängender Schwanz und Ohren
- Aufnahme großer Mengen Gras
Würgen: Durch abwechselndes Zusammenziehen der Bauchmuskulatur und des Zwerchfells bei geschlossenem Mund wird der Mageninhalt Richtung Maulhöhle befördert.
Erbrechen: Der Hund öffnet das Maul und wirft den Mageninhalt hinaus. Bei gelegentlichem Erbrechen handelt es sich in der Regel um normales Verhalten.
Die zwei Formen
1. Akutes Erbrechen
Der Hund wirft spontan den Mageninhalt aus: die Episode hält weniger als zwei Wochen an.
Mögliche Ursachen:
- Fressen von verdorbenem Futter
- Futtermittelunverträglichkeit oder -allergie
- Herunterschlingen der Nahrung
- Zu rasche Futterumstellung
- Verschlucken eines Fremdkörpers (Spielzeugteile, Holz, Knochen)
- Infektionen durch Viren und Bakterien oder Parvovirose
- Vergiftungen (Rattengift, Pestizide)
- Zu viel Hitze und Sonneneinstrahlung
- Reisekrankheit
- Hormonelles Ungleichgewicht
- Psychische Faktoren wie Stress oder Vernachlässigung
- Magendrehung
- Erkältung
2. Chronisches Erbrechen
Regelmäßiges Erbrechen, das länger als zwei Wochen anhält. Bessert sich ohne medizinische Hilfe meist nicht. Zur Ursachenfindung sind Blut-, Kot- und Körperuntersuchungen notwendig.
Mögliche Ursachen:
- Parasiten wie Würmer oder Giardien
- Virale Erkrankungen wie Staupe, Hepatitis, Parvovirose
- Bakterielle Erreger (z.B. Leptospirose)
- Magengeschwür
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
- Dickdarmentzündung (Kolitis)
- Lebererkrankungen
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse
- Nierenerkrankungen
- Morbus Addison (Nebenniereninsuffizienz)
Was das Erbrochene verrät
Zeigen sich Symptome ein oder zweimal und der Hund ist danach aufgeweckt, fröhlich und frisst normal, handelt es sich meist um eine harmlose Störung.
Morgens vor dem Fressen: Hinweis auf Übersäuerung: der Magensaft greift die Schleimhaut an, wenn der Magen lange leer ist.
Gelber Schleim: Deutet auf Galle im Magensaft hin: Rückfluss vom Dünndarm in den Magen.
Wasser: Magen-Darm-Entzündung kann dafür verantwortlich sein.
Futter: Mögliche Futtermittelunverträglichkeit, Magenreizung oder Darmverschluss.
Blut (hellrot): Verletzung in Maul, Rachen oder Speiseröhre: mögliche Ursachen sind Fremdkörper, Entzündung, Vergiftung oder bösartige Erkrankung. Sofort zum Tierarzt.
Blut (dunkelrot, "Kaffeesatz"): Kommt aus dem Magen. Mögliche Ursachen: Entzündungen, Geschwüre, Tumore. Sofort zum Tierarzt.
Wann wird es gefährlich?
1. Dehydratation: Beim Erbrechen geht viel Flüssigkeit verloren. Kommt Durchfall hinzu, droht schnell Austrocknung. Fehlende Elektrolyte (Kalium, Chlorid) beeinträchtigen Nerven und Muskelzellen: das kann lebensbedrohlich werden.
2. Aspirationspneumonie: Wenn der Kehlkopf beim Erbrechen nicht richtig schließt, gelangen Futter oder Flüssigkeit über die Luftröhre in die Lunge. Erkennbar an Atemnot, starkem Husten, Apathie oder Fieber.
Behandlung
Bei harmlosem Erbrechen: 12–24 Stunden Nahrungskarenz. So beruhigt sich der gereizte Magen-Darm-Trakt. Wasser muss immer zugänglich bleiben. Danach langsam Schonkost einführen: fettarm, leicht verdaulich.
Lässt der Brechreiz nach dem Fasten nicht nach oder kommen Blut, Schmerzen, Fieber oder Durchfall dazu, muss zum Tierarzt.
Schonkost aus Hühnchen und Reis


Bei akuten Beschwerden: Hühnerbrühe (600 ml) aufkochen, 1 Tasse Reis (ca. 230 g) abgespült hinzugeben, 20 Minuten köcheln lassen. Hühnerfleisch separat kochen, von Knochen befreien, würfeln und abkühlen lassen. Fett von der Brühe abschöpfen. Verhältnis Reis zu Hühnchen 2:1 oder 3:1.
Nach einigen Tagen Schonkost langsam über 4–5 Tage auf das normale Futter umsteigen. Hilft die Schonkost nicht oder verschlechtern sich die Symptome, sofort zum Tierarzt.
Was der Tierarzt untersucht
Der Tierarzt befragt zur Vorgeschichte und dem Fressverhalten, misst Fieber, kontrolliert Augen und tastet die Bauchorgane ab. Bei schlechtem Allgemeinzustand, Blut im Kot oder Fieber: Blutuntersuchung (gibt Auskunft über Leber, Niere, Diabetes). Bei Verdacht auf Fremdkörper oder Darmverschluss: Röntgen. Für detailliertere Einblicke: Endoskopie oder Ultraschall.
Erbrechen vorbeugen
- Überwachen, was und wann der Hund frisst
- Spielzeug wählen, das nicht in schluckbare Teile zerlegt werden kann
- Fremdkörper in der Wohnung wegräumen
- Durch Erziehung beibringen, nichts Unbekanntes abzulecken oder zu fressen
- Bei "Staubsaugerhunden": Maulkorb als Schutz vor Vergiftungen und Fremdkörpern
- Keine unverträglichen Lebensmittel: kein sehr Fettes, Gewürztes oder Gebratenes, keine Rosinen, Schokolade, Milch, Splitterknochen: vollständige Liste: Was dürfen Hunde nicht essen
Bei leichten Beschwerden können folgende Maßnahmen vorsichtig ausprobiert werden:
- Schonkost mit Reis, Möhren oder Hühnerfleisch
- Heilerde
- Kohletabletten (Aktivkohle)
- Kamillentee
- Elektrolyte
Diese Mittel eignen sich ausschließlich bei einmaligem, leichtem Erbrechen ohne Begleitsymptome. Wenn der Hund wiederholt erbricht, apathisch ist, Fieber hat oder Blut erbricht, reichen Hausmittel nicht.
Hast du aufgepasst?
Frage 1 von 3Dein Hund erbricht sich einmal und ist danach wieder munter. Was tust du?
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