Zahnfleischeintzündung Hund

Zahnfleischentzündung beim Hund – (Erkennen, Behandeln, Vorbeugen)

Es beginnt mit scheinbar harmlosem Mundgeruch und endet, wenn es ganz böse wird, mit dem Verlust der Zähne.

Damit es nicht so weit kommt und was du alles wissen solltest, verrate ich dir in diesem Artikel. Also sei gespannt und nimm dir die Zeit zum Lesen!

Zahnfleischentzündungen bei Hunden, fachlich auch Gingivitis genannt, sind keine harmlose Angelegenheit. Du solltest sie ernst nehmen. Eine unbehandelte Gingivitis mündet nicht selten in eine Parodontitis. 

Hierbei handelt es sich um eine äußerst schwerwiegende Entzündungsform mit schlimmem Folgen. 

Eine Parodontitis lässt das Zahnfleisch irreparabel zurückbilden und greift nicht zuletzt die Kieferknochen deines Hundes an. Nach einiger Zeit verlieren die Zähne ihren Halt und fallen aus. Ähnlich wie bei Menschen sind diese Erkrankungen mit großem Leid und starken Schmerzen verbunden, was die Lebensqualität des Hundes mindert. 

Zudem kann eine anhaltende Zahnfleischentzündung mit all ihren multiplen Folgen auch zu Organschädigungen führen. 

Lass deinen Hund mit einer Zahnfleischentzündung also nicht allein!

Was ist eine Zahnfleischentzündung? (Gingivitis)

Hund Zahn

Zahnfleischentzündungen bei Hunden sind gar kein so seltenes Phänomen.

Im Laufe ihres Lebens erkranken bis zu 85 Prozent aller Hunde an Gingivitis. 

Die Ursachen für dieses Krankheitsbild sind jedoch sehr verschieden. In der Regel handelt es sich um eine Kombination unterschiedlicher Faktoren, welche langfristig zu einer Zahnfleischentzündung führen. Deswegen spricht man bei Gingivitis auch von einer sogenannten multifaktoriellen Erkrankung. 

Zu den angesprochenen ausschlaggebenden Faktoren zählen unter anderem die Haltung und die allgemeinen Lebensbedingungen des Tieres, die Ernährung und nicht zuletzt auch die genetischen Voraussetzungen.

Im Verlauf der Krankheit entzündet sich der Zahnfleischsaum und es kommt zu Rötungen und glasigen Stellen an den Zahnfleischrändern. Letzteres nennt man Ödem-Bildung. Auch Zahnfleischblutungen treten vermehrt auf. 

In der Veterinär-Praxis wird Gingivitis bei Hunden in einen Index von 0-3 eingeteilt. Der Schweregrad der Krankheit hat hier also mehrere Stufen. Es kommt darauf an, wie stark die Ödeme und Rötungen ausgebildet sind bzw. wie intensiv der Hund zu Zahnfleischbluten neigt.

Was passiert bei einer unbehandelten Gingvitis?

  • Zahnfleischschwund
  • Bildung von Zahnfleischtaschen
  • Zahnwurzeln werden deutlich freigelegt
  • Bildung von Vereiterung
  • Kieferknochen werden angegriffen (Parodonditis)
  • Zähne fallen aus

Da es sich um eine großflächige Entzündung handelt, ist dieser Prozess äußerst schmerzhaft

In den aller meisten Fällen nimmt die Krankheit unbehandelt ein schlechtes Ende. Nur in seltenen Fällen verschwindet eine Zahnfleischentzündung bei Hunden oder bleibt im Anfangsstadium stehen.

Die Folgen einer Gingivitis gelten als reversibel. Das bedeutet, dass der Schaden durch eine vernünftige Behandlung wieder repariert werden kann. Parodontitis hingegen hinterlässt unwiderrufliche Spuren. 

Wenn im fortgeschrittenen Zustand der Krankheit bereits der Kieferknochen durch großflächige Entzündungen angegriffen wird, kann dieser nicht wieder zurückgebildet werden. 

Dein Hund muss also sein Leben lang mit den Folgen klar kommen.

Ursachen

Da es sich bei Gingivitis um einen komplexen Entzündungsprozess handelt, spielen bakterielle Zahnbeläge eine zentrale Rolle. Dieser bakterielle Zahnbelag wird in der Zahnmedizin auch Plaque genannt. Ebenso wie bei Menschen kann Plaque auf den Zähnen auch bei Hunden langfristig zu einer Zahnfleischentzündung führen. 

Insgesamt gibt es zwei Arten von bakteriellem Zahnbelag: 

  1. Er tritt zu Beginn in einer weichen Form auf. Mithilfe einer guten Zahnpflege lassen sich diese Zahnbeläge gut entfernen. Hunde haben jedoch einen natürlichen antibakteriellen Speichel, der ihnen da zugutekommt. 
  2. Die mineralisierte, also feste Form bakterieller Zahnbeläge, heißt Zahnstein. Dieser muss in der Dental-Medizin abgeschliffen werden. 

Der Umfang der Plaque-Bildung hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Jeder Hund besitzt eine individuelle bakterielle Zusammensetzung der Maulflora.

Manche Hunderassen neigen genetisch eher dazu an Gingivitis zu erkranken. Zu diesen Hunderassen gehören insbesondere kleine Hunde, wie etwa Mops, Pekinese, Shi Tzu oder Zwergpudel. Bei diesen Hunden kann es bereits in jungen Jahren zu Zahnfleischentzündungen kommen. 

Größere Hunderassen erkranken vorwiegend in höherem Alter, also erst ab dem 5. bzw. 6. Lebensjahr daran.

Natürlich spielt die Ernährung deines Hundes eine wichtige Rolle, wenn es um die bakterielle Flora in seinem Maul geht. Es wird immer empfohlen, regelmäßig harte Hundenahrung zu geben. Durch das Kauen und Nagen an harten Hundekeksen oder Knochen, kann bakterieller Zahnbelag abgetragen werden. Auch die Bildung von Zahnstein wird so im Zaum gehalten. 

Bei intensivem Kauen bilden sich zudem besonders große Mengen des antibakteriell wirkenden Hundespeichels. Auch diese Helfen beim Abtragen von Zahnbelägen. 

Wenn du darauf achtest und deinen Vierbeiner regelmäßig auch mit harter Kost versorgst, stehen die Chancen für deinen Freund sehr gut, eine gesunde Maulflora zu behalten.

In einigen Fällen ist jedoch nicht die Zahnhygiene für das Entstehen von Zahnfleischentzündungen verantwortlich. Auch Tumore im weichen Maulgewebe können hierbei den ausschlaggebenden Punkt geben. Allgemeine Verletzungen im Maulbereich des Hundes begünstigen ebenfalls entzündliche Vorgänge und können langfristig zu Gingivitis führen. 

Ein regelmäßiger Besuch beim Tierarzt führt in der Regel zu einer schnellen Diagnose und einer unmittelbaren Behandlung. Für dich als Hundebesitzer ist es wichtig, regelmäßig in das Maul deines Hundes zu schauen und die Zähne bzw. das Zahnfleisch ein wenig genauer zu betrachten.

Symptome

Das Problem bei einer Gingivitis ist, dass es äußerst schwierig scheint diese Krankheit im Anfangsstadium zu bemerken:

Der Hund frisst in den meisten Fällen wie gewohnt weiter und zeigt keine außergewöhnlichen Verhaltensmuster und Beschwerden. Hier musst du sehr aufmerksam sein. Das einzige Indiz, was auf eine Zahnfleischentzündung hinweisen kann, ist ziemlich markanter Maulgeruch.

Sollte die Krankheit unbemerkt weiter fortschreiten, kommt es folgenden Symptomen:

  • eitriger und blutiger Speichel
  • Verweigerung von Futter
  • Vorsichtiges kauen oder kauen auf einer Seite
  • Gewichtsabnahme
  • Zahnausfall
  • Schmerzen an Kopf und Kiefer
  • Reiben des Kopfes am Boden
  • Halten des Kopfes zwischen den Pfoten
  • Fieberschübe
  • Schwächezustände

Eine Zahnfleischentzündung geht deinem Hund langfristig – also auf allen Ebenen – an die Substanz. Es kann sogar zur Schädigung der inneren Organe, wie etwa Herz oder Nieren, kommen. Grund dafür sind Bakterien, die durch die Zahnfleischentzündung aus dem Maul tiefer in den Körper des Tieres mit hineingeschwemmt werden.

Diagnose & Behandlung

Hund beim Arzt

Sollte der Verdacht auf eine Zahnfleischentzündung bestehen, muss dein Hund umgehend zum Tierarzt. Dein Tierarzt wird die Krankheit genauer feststellen können und auch mehr über den Schweregrad herausfinden. 

Bakterieller Zahnbelag kann vom Tierarzt mittels einer Anfärbung hervorgehoben und sichtbar gemacht werden. Zahnstein lässt sich mit bestimmten dental-medizinischen Geräten abschleifen. In äußerst schweren Fällen muss die Behandlung in einer tierärztlichen Fachklinik stattfinden. In den aller meisten Fällen jedoch, kann der normale Tierarzt Hilfe leisten.

Die Art der Behandlung wird anhand des Schweregrades der Krankheit beschlossen. Wenn es sich um eine leichte Gingivitis handelt, reicht die Entfernung des bakteriellen Zahnbelages bereits häufig aus.

Der gesamte Mundraum muss jedoch desinfiziert werden, da es sich bei Gingivitis um eine großflächige Entzündung handelt. Es kann also auch notwendig sein, die Bereiche in den Zahnfleischtaschen zu desinfizieren. Dafür gibt es spezielle Spülungen aus Kochsalzlösung und Chlorhexidin. Letzteres kann auch als Gel in das Zahnfleisch eingerieben werden.

Mitunter bleibt nichts anderes übrig als die bereits losen Zähne zu ziehen. 

Der Tierarzt vermisst im Verlauf der Untersuchung auch den Rückgang des Zahnfleisches und des Kieferknochens. Die gesamte Prozedur verläuft in der Regel unter Vollnarkose des Tieres. 

Eine anschließende aber kurzweilige Behandlung mit Antibiotika ist nicht ausgeschlossen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sich die Bakterien aus dem Mundraum bereits im Körper verteilt haben und die inneren Organe angreifen.

Es gibt sogar homöopathische Ansatzmethoden um Gingivitis bei Hunden zu behandeln. Einige Tierärzte bieten dieses Konzept gezielt an. Zu den gängigsten Substanzen zählen Calcium Sulfuratum, Natrium, Ferrum Phosphorum und Silicea. Diese können separat oder kombiniert angewendet werden.

Wie beuge ich vor?

hunde training icon

Selbst bei einer erblichen Veranlagung kann Gingivits hervorragend vorgebeugt werden. Hier zählt deine Fürsorge und Aufmerksamkeit. 

Manche Hunde haben bis in ein hohes Alter hinein äußerst gute Zähne und absolut keine Probleme mit bakteriellem Zahnbelag oder Zahnstein.

Um eine aktive und dauerhafte Zahnpflege zu garantieren, sollte dein Hund bereits in jungen Jahren daran gewöhnt werden. Hier gibt es zwei Herangehensweisen:

  1. Dein Hund sollte ausreichend mit harter Hundenahrung ernährt werden. Im Fachhandel gibt es spezielle Kauknochen, welche zudem direkt unter dem Oberthema der Zahnreinigung beworben werden. Hunde müssen intensiv kauen, nagen und beißen. Dies reibt den unerwünschten Zahnbelag ab. Auch desinfiziert die zunehmende Produktion des Speichels den Maulraum.

  2. Es gibt spezielle Bürsten und Zahnpasten zur aktiven Prophylaxe und Zahnreinigung. Die Zahnpasta besitzt in der Regel einen angenehmen Geschmack für deinen Liebling. Du musst ihn jedoch langsam daran heranführen und ihn daran gewöhnen. Je früher du damit anfängst im Jungalter, desto leichter wird es für euch beide.

Zur allgemeinen Ernährung lässt sich hinzufügen, dass sich das sogenannte Barfen, also das Füttern mit ausschließlich roher und unverarbeiteter Kost als die beste Prophylaxe gegen Zahnfleischentzündungen bewährt hat. 

Grundsätzlich solltest du dafür sorgen, dass dein Hund viel und intensiv kauen muss. So kannst du als Hundehalter etwa darauf achten, dass die Brocken des Trockenfutters so groß sind, dass dein Hund sie nicht mit einem Mal herunterschlucken kann. Dann wird er sie zerbeißen und auf ihnen herumkauen müssen.

Welche Hausmittel helfen wirklich?

Hausmittel Hund

Bei einer Zahnfleischentzündung hilft nur der Tierarzt!

Muss jedoch eine bestimmte Zeit bis zum Termin überbrückt werden, gibt es Methoden, die Schmerzen des Hundes zu lindern und ihm ein wenig Kraft zu geben.

Da dein Vierbeiner in der Regel Beschwerden beim Fressen aufweist und die Nahrung auch ganz verweigern kann, ist es ratsam ihm einige Sachen anzubieten, die er problemlos und schmerzfrei zu sich nehmen kann. Hier gibt es spezielle Leberwurst für Hunde. Aber auch ein wenig Joghurt oder Hüttenkäse wird seine Moral verbessern.

Zur Schmerzlinderung findet Kamillentee häufig Anwendung. Du kannst ihm den Tee in abgekühltem Zustand als Frischwasser-Ersatz hinstellen. Wenn er es mit sich machen lässt, darfst du auch versuchen seinen Maulraum aktiv mit dem Kamillentee auszuspülen.

Mein Fazit

hunde gesundheit

Manchmal kommt es vor, dass dein Hund plötzlich üblen Mundgeruch hat. 

So lange du nicht kürzlich sein Futter geändert hast oder ihm einen Snack gegeben hast, was er normalerweise nicht bekommt, dann solltest du diesen Mundgeruch ernst nehmen.

Denn Mundgeruch kann nicht nur ein Zeichen für eine Zahnfleischentzündung sein, sondern auch auf eine andere Krankheit im Mund- und Rachenraum oder der inneren Organe deuten.

Deswegen rate ich dir, sofort deinen Tierarzt einzuschalten.

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