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Rohfaser (Ein Ballaststoff mit vielen Vorteilen?)

Rohfaser sind unverdauliche pflanzliche Bestandteile, die die Darmgesundheit fördern. Trockenfutter sollte 2 bis 4 % enthalten, Nassfutter 0,5 bis 1 %. Bei Übergewicht mehr Ballaststoffe, bei hohem Energiebedarf oder gereiztem Darm weniger.

7 Min. Lesezeit
Tierärztlich geprüft · Emin Jasarevic
Illustration eines weißen Hundes mit spitzen Ohren, der gesundes Hundefutter frisst, umgeben von bunten pflanzlichen Zutaten.
Das Wichtigste in Kürze
  • Rohfaser sind unverdauliche pflanzliche Bestandteile (Ballaststoffe) - Trockenfutter: 2-4 % Rohfaser empfohlen, Nassfutter: 0,5-1 % - Mehr Ballaststoffe bei Übergewicht, Blähungen und Verstopfung - Weniger Ballaststoffe bei Schonkost, gereiztem Darm oder starkem Durchfall - Fördern die Darmgesundheit und sorgen für ein längeres Sättigungsgefühl

Auf jeder Hundefutter-Verpackung finden wir den Anteil von Rohfasern. Welche wichtigen Bestandteile verstecken sich hinter diesem Begriff? Rohfasern (auch Faserstoffe genannt) stellen einen Teil der Ballaststoffe dar. Sie kommen vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln vor.

In der Regel sind sie nicht oder nur schwer verdaulich. Der Körper kann keine Energie aus ihnen gewinnen. Doch wie kann es dennoch sein, dass sie trotzdem so wichtig für unseren Hund sind?

Arten von Faserstoffen

Illustration eines Verdauungssystems mit einer Lupe, die auf die darin enthaltenen Mikroben und Bakterien fokussiert ist und eine spielerische Anleitung zur Darmgesundheit bietet. Es gibt zwei Arten von Fasern. Sie unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, von den Darmbakterien umgewandelt zu werden. Beide wirken sich positiv auf den Darm und die Verdauung aus.

1. Schlecht fermentierbare Fasern

Diese Fasern können nicht umgewandelt werden und sind daher auch nicht verdaulich. Und genau aus diesem Grund regen sie die Darmaktivität an.

Einige dieser Ballaststoffe können außerdem sehr viel Wasser binden. Dadurch nimmt das Volumen im Darm zu und er bewegt sich automatisch mehr. Der Hund kann durch die Bindung von Wasser die Abfallprodukte auch besser ausscheiden. Die Darmbewegung wird angeregt. So können die restlichen Bestandteile des Futters besser verdaut werden. Dadurch werden Darmbeschwerden wie Blähungen und schwere Darmerkrankungen vorgebeugt. Zu den schlecht fermentierbaren Fasern gehören unter anderem Zellulose oder Lignin.

2. Leicht fermentierbare Fasern

Einige Fasern können im Dickdarm durch Bakterien zu Fettsäuren umgewandelt werden. Diese sind sehr förderlich für den Darm. Sie tragen unter anderem zum gesunden Darmmilieu bei. Indem sie den pH-Wert senken, können mehr wichtige Bakterien den Darm besiedeln. Faserstoffe regen die Darmbewegung an, wodurch die Nahrung besser verdaut werden kann. Durch sie findet eine bessere Durchblutung des Darms statt. Viele Verdauungsprobleme werden behoben. Außerdem bleibt die Nahrung durch Ballaststoffe länger im Magen. Das führt zu einem länger anhaltenden Sättigungsgefühl. In der Darmflora müssen sich genügend gute Bakterien befinden. Sie tragen zur Verdauung bei. Unter anderem wandeln sie den Teil der Nahrung um, der nicht weiter verwertet wird. Die Gasbildung wird dadurch reguliert und es kommt seltener zu Blähungen.

Funktionieren alle Vorgänge im Darm, haben die nachfolgenden Organe weniger Arbeit. Der Darm leistet schon eine Vorarbeit zum Entgiften. Die Faserstoffe tragen stark dazu bei. Dadurch werden Leber und Niere entlastet. Das beugt Erkrankungen dieser Organe vor. Der Darm ist nun aktiver. Er enthält viele wichtige Bakterien und funktioniert insgesamt gut. So können schlechte Bakterien und Keime viel schneller bekämpft werden. Es kommt also seltener zu Darminfektionen oder ähnlichem. Nimmt dein Hund regelmäßig viele Faserstoffe zu sich? Das hat positive Effekte auf seine Gesundheit. Zum Beispiel wird das Risiko eines Herzinfarkts stark gesenkt. Außerdem senken sie den Cholesterinspiegel sowie den Blutzuckerspiegel, wodurch Diabetes vorgebeugt wird. Ballaststoffe sind nicht verdaulich. Sie können somit auch nicht in Energie umgewandelt werden. Das bedeutet auch, dass sie so gut wie keine Kalorien haben. Das kann ein Vorteil sein.

Vor allem für Hunde, die abnehmen müssen, sollten viele Ballaststoffe auf dem Speiseplan stehen. Benötigt dein Hund viel Energie, sollte er möglichst wenig Rohfaser zu sich nehmen.

Optimaler Rohfasergehalt

Der Rohfasergehalt gibt die Menge aller Faserstoffe an. Das sind schwer oder nicht verdaulichen Bestandteile des Futters. Er macht jedoch keine Angaben über die Art der Faserstoffe und deren Verwertbarkeit. Aus dem Rohfasergehalt auf der Verpackung weißt du nicht, wie die Qualität des Hundefutters ist. Der Anteil der Faserstoffe ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Er ist abhängig von der Zusammensetzung der anderen Bestandteile des Futters. Bei einigen Nährstoffen sollte der Darm mehr angeregt werden als bei anderen.

Schwierig zu bestimmen

Es ist schwierig, einen optimalen Rohfasergehalt zu bestimmen. Jeder Hund hat andere Bedürfnisse. Im Durchschnitt sollte das Trockenfutter einen Anteil von 2 bis 4 %, Nassfutter von 0,5 bis 1 % haben. Hat dein Hund Blähungen, Verstopfung oder Probleme bei der Verdauung? Dann sollte er viel Rohfaser zu sich nehmen. Benötigt er hingegen viel Energie, sollte der Rohfasergehalt niedriger sein.

Ist der Anteil an energiearmen Ballaststoffen hoch? So sind weniger andere Nährstoffe enthalten, die deinem Hund Energie liefern.

Ist der Magen deines Hundes gereizt? Das kann zum Beispiel durch eine Magen-Darm-Grippe sein. Dann sollte er leicht verdauliche Nahrungsmittel zu sich nehmen und keine unverdaulichen Rohfasern.

Dein Hund benötigt viele Ballaststoffe, wenn er:

  • abnehmen soll
  • unter fehlendem Sättigungsgefühl leidet
  • Probleme bei der Verdauung hat
  • Blähungen hat
  • Verstopfung hat

Dein Hund sollte ballaststoffarm gefüttert werden, wenn er:

  • viel Energie benötigt
  • Schonkost zu sich nehmen soll
  • eine Magen-Darm-Grippe hat
  • einen gereizten Darm hat
  • unter starkem Durchfall leidet

Ballaststoffreiche Zutaten erkennen

Auf der Zutatenliste erkennst du, woher die Rohfaser im Futter kommt. Nicht alle Faserquellen sind gleichwertig.

Hochwertige Faserquellen: Kürbis, Süßkartoffel, Karotte, Leinsamen und Flohsamenschalen. Diese liefern neben Ballaststoffen auch Vitamine und Mineralien. Flohsamenschalen können das 40-fache ihres Eigengewichts an Wasser binden und regulieren sowohl Durchfall als auch Verstopfung.

Akzeptable Faserquellen: Rübenschnitzel (Zuckerrübentrester) sind ein häufiger Zusatz in Trockenfutter. Sie liefern eine gute Mischung aus fermentierbaren und nicht fermentierbaren Fasern. In Maßen (unter 5 %) sind sie sinnvoll.

Minderwertige Faserquellen: Zellulosepulver, Erdnussschalen und Reishülsen. Sie erhöhen den Rohfaseranteil auf der Verpackung, liefern aber kaum fermentierbare Fasern und können die Nährstoffaufnahme sogar behindern.

Futter mit hohem Rohfaseranteil und gleichzeitig "Zellulose" oder "pflanzliche Nebenerzeugnisse" als Faserquelle ist verdächtig: hier wird der Ballaststoffgehalt künstlich erhöht, ohne echten Nutzen für die Darmgesundheit.

Hast du aufgepasst?

Frage 1 von 3

Wie viel Rohfaser sollte Trockenfutter im Durchschnitt enthalten?

Häufig gestellte Fragen

Enrico Bachmann

Geschrieben von

Enrico Bachmann

Gründer & Zertifizierter Ernährungsberater

Hundeo GründerZertifizierter Ernährungsberater für HundeExperte für belohnungsbasiertes Training

Enrico gründete Hundeo, nachdem er sich seit der Adoption von Nacho im Sommer 2016 intensiv mit Hundeernährung, Allergien und später auch Training beschäftigte. Aus eigenen Hundefutter-Tests und Gesprächen mit Tierärzten und weiteren Experten entstand zuerst eine Website, später die Hundeo-App.

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